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Kooperation

Die vertragsärztliche und vertragspsychotherapeutische Tätigkeit bietet zahlreiche Möglichkeiten zur flexiblen Gestaltung – ein Überblick.

Kooperationsformen

Anstellung

Um als Arzt oder Psychotherapeut arbeiten zu können, muss es nicht die eigene Praxis mit einer Zulassung sein. Es gibt auch die Möglichkeit einer Anstellung in Vollzeit oder Teilzeit. Dabei kann die Anstellung feste Arbeitszeiten zu einem festen Gehalt ohne Investitionskosten und wirtschaftliches Risiko bieten.

Bei der Anstellung wird unterschieden zwischen der Anstellung in einem offenen Gebiet und der Anstellung in einem gesperrten Gebiet. Im gesperrten Gebiet kann die Anstellung nur mit Leistungsbeschränkung erfolgen. Das heißt: Der Leistungsumfang der Praxis darf durch die Anstellung nicht steigen. Vielmehr ist es Aufgabe des Angestellten, den Arbeitgeber zu entlasten. Dabei muss der angestellte Arzt dem gleichen Fachgebiet angehören wie der anstellende Vertragsarzt.

Etwas anderes ist die Anstellung eines Arztes in einem offenen Planungsbereich. Hier kann die Zuteilung eines weiteren Sitzes aus der Bedarfsplanung erfolgen, sodass zusätzliches Honorar generiert werden kann. Diese Anstellungsform kann fachgleich oder fachübergreifend sein. Dies trifft sowohl für die Anstellung in einer Einzelpraxis als auch in einer Berufsausübungsgemeinschaft zu.

Apparategemeinschaft

Neben den bekannten Laborgemeinschaften gibt es sogenannte Apparategemeinschaften. Die diagnostischen und therapeutischen Medizingeräte werden von den Kooperationspartnern gemeinsam angeschafft und genutzt.

Berufsausübungsgemeinschaft (BAG)

Eine BAG kann mit nur einer Fachrichtung oder aber mit verschiedenen Fachrichtungen, an einem Ort oder mehreren Orten betrieben werden. Die Partner treten als Einheit nach außen auf, die Patienten werden gemeinsam behandelt. Es wird nur eine Patientenkartei geführt, die freie Arztwahl muss allerdings gegeben sein. Die Geräte, Räume und das Personal werden zusammen genutzt, die Abrechnung erfolgt gemeinsam, Gewinne und Verluste werden geteilt.

Die Partner können sich gegenseitig vertreten. Bei einer fachübergreifenden BAG muss die Fachgebietsgrenze eingehalten werden. Ebenso dürfen genehmigungspflichtige Leistungen nur von demjenigen Partner erbracht werden, der die Genehmigung dazu besitzt.

Örtliche und überörtliche BAG

Die örtliche BAG befindet sich an einem Sitz. Die überörtliche BAG ist über mehrere Sitze verteilt. Sie kann im Zuständigkeitsbereich einer KV liegen oder aber auch KV-bezirksübergreifend organisiert sein.

Die Partner müssen sich in der überörtlichen BAG auf einen Hauptsitz verständigen. Die Wahl des Hauptsitzes ist für zwei Jahre bindend. Wichtig: Jeder Teilnehmer muss seine Versorgungspflicht an seinem eigenen Sitz voll erfüllen. Seine Tätigkeit an den Sitzen der anderen Partner darf er nur zeitlich begrenzt ausüben.

Teil-BAG

Ärzte und Psychotherapeuten, die unterschiedliche Teilleistungen anbieten, können sich in einer sogenannten Teil-BAG zusammenschließen. Ziel dieser Kooperationsform ist es, eine bessere und schnellere Diagnostik sowie eine aufeinander abgestimmte, zielgenaue Behandlung spezifischer Krankheiten zu bewirken.

Innerhalb der Teil-BAG behält jeder Teilnehmer seinen Vertragsarztsitz unabhängig bei. Auch eine Beteiligung an mehreren Teil-BAG ist möglich. Eine Teil-BAG darf jedoch nicht geschlossen werden, um überweisungsgebundene, medizinisch-technische Leistungen mit überweisungsberechtigten Leistungserbringern zu erbringen.

Jobsharing-BAG

Eine weitere Möglichkeit der Tätigkeit in einem gesperrten Gebiet ist das Jobsharing. Der Inhaber der Zulassung nimmt dabei einen Jobsharer gleichen Fachgebiets in seine Praxis auf, wodurch eine Jobsharing-BAG entsteht. Der Jobsharer muss als Partner aufgenommen werden. In diesem Fall wird er nach zehnjährigem Jobsharing bei dem gleichen Vertragsarzt mit einem eigenen Vertragsarztsitz zugelassen.

Für die Zeit des Jobsharing darf der Umfang der GKV-Leistungen nicht wesentlich ausgeweitet werden. Eine weitere Regelung betrifft den Fall der Praxisabgabe durch den Zulassungsinhaber. Scheidet dieser aus, so hat der Jobsharer nach mindestens fünfjähriger gemeinsamer vertragsärztlicher Tätigkeit einen gesetzlichen Anspruch auf einen Vorrang vor anderen Bewerbern bei der Praxisübernahme.

Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)

Das Medizinische Versorgungszentrum – kurz MVZ – ist eine Form der ambulanten Versorgung. Als ärztlich oder in ärztlich-psychotherapeutischer Kooperation geleitete Einrichtung vereint es mehrere Fachgebiete unter einem Dach. Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten mit Arztregistereintrag können dort als Inhaber oder Angestellte tätig sein.

Gründung

Alle Leistungserbringer, die an der Versorgung gesetzlich Krankenversicherter teilnehmen, können ein MVZ gründen. Dies können beispielsweise Vertragsärzte, Vertragspsychotherapeuten und zugelassene Krankenhäuser sein. Aber auch gemeinnützige Träger, die auf Grund von Zulassung oder Ermächtigung an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, erfüllen die Gründereigenschaft, das heißt sind Leistungserbringer der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Zulassung

Damit ein MVZ an der vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung teilnehmen kann, muss es zugelassen werden. An die Zulassung sind bestimmte Bedingungen geknüpft. So muss etwa der Gesellschafter die erforderliche Gründereigenschaft mitbringen. Voraussetzung ist auch, dass das MVZ ärztlich geleitet wird. Der ärztliche Leiter muss in dem MVZ selbst als angestellter Arzt oder Vertragsarzt tätig sein. Er ist in medizinischen Fragen weisungsfrei.

Eine kooperative Leitung von Ärzten und Psychotherapeuten ist ebenfalls möglich. Grundsätzlich müssen immer mindestens zwei Kollegen unterschiedlicher Fachgebiete bzw. Schwerpunktbezeichnungen zusammenarbeiten. Das MVZ muss außerdem an einem festen Standort angesiedelt sein. Es besteht aber die Möglichkeit zu Filialbildung oder überörtlichen Zusammenschlüssen.

Rechtsformen

Die Gründung eines MVZ ist nur in der Rechtsform einer Personengesellschaft, einer eingetragenen Genossenschaft oder einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung möglich. Die Zulassung von MVZ, die bereits am 1. Januar 2012 zugelassen waren, gilt unabhängig von der Trägerschaft und der Rechtsform unverändert fort.

Für die Zulassung eines MVZ in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist zusätzlich Voraussetzung, dass die Gesellschafter eine sogenannte selbstschuldnerische Bürgschaft abgeben. Damit haften sie für Ansprüche der Krankenkassen oder der KV auch mit ihrem Privatvermögen.

Bedarfsplanung

Durch die Gründung eines MVZ können keine neuen Sitze in einem Planungsbereich geschaffen werden. Vielmehr müssen Vertragssitze in den vorgesehenen Fachgruppen offen sein. Das MVZ kann sich aber wie eine Einzelperson auf ausgeschriebene Sitze bewerben. Ein Vertragsarzt oder Vertragspsychotherapeut kann zugunsten eines MVZ auch auf seine Zulassung verzichten, um sich dort anstellen zu lassen.

Abrechnung

Das MVZ rechnet wie eine fachübergreifende Berufsausübungsgemeinschaft ab. Jeder Arzt wird individuell nach den geltenden HVV-Regelungen eingestuft.

Praxisgemeinschaft

Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten können gemeinsam Räume und Einrichtungen einer Praxis nutzen und Personal beschäftigen. Die ärztliche bzw. psychotherapeutische Tätigkeit wird allerdings von jedem selbst erbracht und sie wird auch separat über eigene Honorarbescheide vergütet. Die Patientenkartei muss getrennt geführt und die KV RLP über die Gründung der Praxisgemeinschaft informiert werden. Eine besondere Genehmigung des Zulassungsausschusses ist nicht erforderlich.

Tätigkeit in Krankenhaus, Praxis oder MVZ

Die Tätigkeit an sich kann grundsätzlich auch in Form einer Anstellung oder im Rahmen einer Kooperation erfolgen. Neben einer Vollzulassung ist auch eine Nebentätigkeit von 13 Stunden in der Woche möglich.

Materialien

Formulare

Rechtsnormen

Verträge

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19. Oktober 2017