Wie bleibt die ärztliche Versorgung im Landkreis Birkenfeld verlässlich? Zu diesem zentralen Thema spricht der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV RLP, Dr. Andreas Bartels, heute in Idar-Oberstein. Er folgt damit der Einladung von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und setzt auf den gemeinsamen Dialog mit Ärzteschaft, Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürgern.
Dr. Bartels nutzt den Abend für eine ehrliche Bestandsaufnahme, zeigt konkrete Lösungswege auf und wirbt für eine starke, regionale Allianz aus Ärzteschaft, Kommunen sowie Patientinnen und Patienten. Viele Menschen in der Region haben Sorge, ob sie künftig noch Termine in Haus- oder Facharztpraxen bekommen. Schon jetzt ist die Situation angespannt. “Diese Sorgen sind absolut verständlich, denn die Herausforderungen im Gesundheitssystem sind unübersehbar”, erklärt Dr. Bartels.
“Zur Realität gehört aber auch: Fehlende Ärztinnen und Ärzte lassen sich nicht herbeizaubern. Wir können sie nicht künstlich vermehren. Die personellen Kapazitäten auf dem Arbeitsmarkt sind derzeit schlicht begrenzt. Umso wichtiger ist es, dass wir keine Zeit mit gegenseitigen Schuldzuweisungen verlieren. Wir als KV RLP setzen alles daran, die Versorgung vor Ort mit den verfügbaren Kräften stabil zu halten. Das gelingt jedoch nur, wenn alle Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene an einem Strang ziehen.”
Der Realitäts-Check: Licht und Schatten im Landkreis
Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt ein gemischtes Bild: Laut der gesetzlichen Bedarfsplanung liegt der Mittelbereich Idar-Oberstein/Birkenfeld im rheinland-pfälzischen Vergleich im Mittelfeld. Aktuell sind rein rechnerisch 6,5 Hausarztsitze unbesetzt. Im fachärztlichen Bereich gibt es punktuell positive Signale, etwa durch einen Zuwachs in der Gynäkologie sowie Interessierte in der Kinder- und Jugendmedizin. Deutlich schwieriger stellt sich die Lage hingegen bei den HNO- und Nervenärztinnen und -ärzten dar – jedoch nicht nur in dieser Region.
“Wir müssen ehrlich sein: Die starre Bedarfsplanung auf dem Papier bildet die echte Versorgungsrealität oft nicht mehr ab”, betont Dr. Bartels. Das System stamme aus den 1990er-Jahren und bremse junge Medizinerinnen und Mediziner aus, die sich genau dort niederlassen wollen, wo der Bedarf am größten ist. “Hier fordern wir dringend moderne, flexiblere Regeln von der Bundespolitik.”
Generationenwechsel als zentrale Aufgabe
Die größte Aufgabe der kommenden Jahre ist der demografische Wandel innerhalb der Ärzteschaft. Im Landkreis Birkenfeld ist rund die Hälfte der Haus- und Fachärztinnen und -ärzte über 60 Jahre alt. Gleichzeitig haben sich die Wünsche des medizinischen Nachwuchses verändert. Junge Ärztinnen und Ärzte suchen heute häufig die Anstellung, geregelte Arbeitszeiten in Teilzeit und die Arbeit im Team statt die klassische 60-Stunden-Woche als Einzelkämpferin oder Einzelkämpfer.
Erschwert wird die Nachfolgesuche durch aktuelle bundespolitische Spardiktate, die den wirtschaftlichen Druck auf die Praxen erhöhen und die Attraktivität der Niederlassung verringern. “Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zwingt den ambulanten Bereich zu enormen Einsparungen. Viele Kollegen überlegen nun, ihre vertragsärztliche Tätigkeit zu reduzieren oder früher als geplant ganz zu beenden.”
Tatkräftige Unterstützung und konkrete Hilfen der KV RLP
Um junge Medizinerinnen und Mediziner für die Region zu begeistern, setzt die KV RLP auf gezielte Nachwuchsförderung, finanzielle Zuschüsse zur Facharztweiterbildung und Kooperationen mit Universitäten. Die KV RLP unterstützt die ambulante Weiterbildung direkt in den Praxen mit einer finanziellen Förderung. Da die ambulante Versorgung im klassischen Medizinstudium bisher kaum eine Rolle spielt, schlägt die KV RLP zudem über Veranstaltungen und Kooperationen mit Universitäten eine direkte Brücke zu den Studierenden, um ihnen die Vorzüge der eigenen Praxis frühzeitig aufzuzeigen.
“Gleichzeitig tragen wir den veränderten Wünschen der jungen Generation Rechnung. Etwa durch das Angebot der Weiterbildungsverbünde ebnen wir den Weg für moderne Arbeitsmodelle, die das Arbeiten im Team, Anstellungsverhältnisse und flexible Teilzeitlösungen unkompliziert ermöglichen”, erläutert Dr. Bartels, der außerdem mehr Medizinstudienplätze fordert.
Auch bei der Überbrückung akuter Engpässe hilft die KV RLP: Mit fortlaufendem Monitoring wird die Versorgungslage permanent analysiert. Bei Bedarf werden Patienten-Hotlines geschaltet oder flexible Lösungen wie die Mobile Arztpraxis eingesetzt, wie jüngst in Idar-Oberstein. Mit einer eigenen Beratungsstelle für Kommunen unterstützt die KV RLP Städte und Verbandsgemeinden dabei, Ideen für die medizinische Versorgung zu entwickeln und umzusetzen.
Einladung zu neuem, gemeinsamem Dialog
Um die Herausforderungen in der Region Birkenfeld nachhaltig zu lösen, setzt Dr. Bartels auf Kooperation statt Konfrontation: “Die beste Medizin ist der direkte, ehrliche Dialog”, so der KV RLP-Vize. “Wir möchten den heutigen Abend zum Anlass nehmen, die vor einigen Jahren gestarteten Gespräche zwischen Praxen, Kliniken und Kommunen gezielt wiederzubeleben und zu intensivieren.”
Zur Ehrlichkeit gehöre auch: Die Versorgung werde sich verändern und die Bürgerinnen und Bürger müssten ebenfalls ihren Beitrag leisten. Jede und jeder sollte sich fragen, ob man mit einer leichten Erkältung sofort einen Termin brauche. “Indem wir hier achtsam sind, sorgen wir dafür, dass die wertvolle Zeit der Ärztinnen und Ärzte genau dort ankommt, wo medizinische Hilfe am dringendsten gebraucht wird.”
Dr. Bartels ist überzeugt: “Nur wenn wir die Kompetenzen der Medizinerinnen und Mediziner, das Engagement der Kommunalpolitik und die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger zusammenbringen, können wir die Versorgung im Landkreis Birkenfeld gemeinsam zukunftssicher gestalten.”