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20. Dezember 2017

Weniger Abinote, mehr Eignung: Danke Bundesverfassungsgericht!

Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) begrüßt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zur Vergabe von Medizinstudienplätzen auch als Chance für die medizinische Versorgung auf dem Land.

Die KV RLP begrüßt die Entscheidung des BVerfG, dass die Hochschulen bis Ende 2019 über den Numerus clausus hinaus auch weitere „eignungsrelevante Kriterien“ zur Vergabe von Medizinstudienplätzen zur Anwendung bringen müssen. "Dies war bisher zwar auch möglich, wurde aber wegen eines fehlenden gesetzlichen Zwanges nur unzureichend praktiziert", stellt der Vorsitzende des Vorstandes der KV RLP, Dr. Peter Heinz, fest.

Um die ärztliche Versorgung in Zukunft auch in stadtfernen Regionen sicherstellen zu können, müssen wir geeigneten Studienbewerber aus diesen Regionen zukünftig mehr Chancen auf ein Medizinstudium einräumen. "Denn eins ist klar, wer aus einer ländlichen Region kommt, geht eher wieder dorthin zurück", ergänzt Dr. Andreas Bartels, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der KV RLP. "Aus der Region, für die Region" ist das Motto, unter dem die KV RLP auch eine Anpassung der Medizinstudienplatzvergabe durch die Johannes Gutenberg-Universität Mainz fordert.

Die Abiturnote hat bislang bei der Auswahl zu stark dominiert, auch bei der Bewerberauswahl für die 60 Prozent der Studienplätze, die über individuelle Kriterien der Hochschulen vergeben werden können. So konnten die Auswahlverfahren einfach und kostengünstig gehalten werden.
Das Urteil des BVerfG wird nun hoffentlich den notwendigen Prozess beschleunigen, dass medizinnahe Qualifikationen, das Engagement in Wohlfahrtsverbänden oder soziale Kompetenzen zukünftig stärker berücksichtigt werden, betont Dr. Heinz. "Vor dem Hintergrund, dass Medizinstudierende, die heute ihr Studium beginnen, aber erst in ca. 10 bis 12 Jahren der medizinischen Versorgung zur Verfügung stehen, hätten wir zumindest zukünftig eine Basis dafür geschaffen, dass sich dann mehr Ärzte in ländlichen gegebenenfalls heimatnahen Regionen niederlassen".

Neben den Hochschulen sind aber auch die Bundesländer gefragt. Um zwei aus der Versorgung ausscheidende Ärzte zu ersetzen, brauchen wir heute drei Ärzte der neuen Generation. Zusätzlich steigt der Behandlungsbedarf infolge des demografischen Wandels. Das bedeutet, wir brauchen mehr Studienplätze. "Es kann nicht angehen, dass wir aus Deutschland Medizinstudierende an Privathochschulen ins Ausland schicken müssen. Wir müssen den Bedarf in Deutschland selbst decken", fordern Dr. Heinz und Dr. Bartels.

Aber selbst wenn jetzt die Weichen gestellt werden, werden wir erst in mehr als zehn Jahren profitieren. Bis dahin müssen wir die Zeit überbrücken und die medizinische Versorgung auch auf dem Land mit innovativen Modellen und Versorgungskonzepten sicherstellen. Dafür übernimmt die KV RLP unter anderem mit ihrer Initiative "KV initiativ" Verantwortung, wird dies aber nicht alleine schaffen. Vor allem der Gesetzgeber ist gefragt, die Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit so zu verbessern, dass die derzeit in der Versorgung tätigen Ärzte weiterhin bereit bleiben, mit großem Einsatz die noch beste medizinische Versorgung in Deutschland aufrecht zu erhalten. Die KV RLP und die KV Saarland haben gemeinsam Forderungen an die neue Bundesregierung formuliert:

Gemeinsame Resolution der Vertreterversammlungen von KV RLP und KVS anlässlich der Bundestagswahl am 24. September 2017

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16. Dezember 2018