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16. August 2018

Honorarverhandlungen: "Die Krankenkassen spielen mit dem Feuer."

Vorstand der KV RLP warnt

Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) warnt die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen davor, angesichts der angespannten Lage in der ambulanten Versorgung den Wert der ärztlichen Arbeit geringzuschätzen. Die derzeit laufenden Honorarverhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband kommentiert der Vorstandsvorsitzende der KV RLP Dr. Peter Heinz:

"Deutschlands gesetzliche Krankenkassen haben mit ihrem Spitzenverband in Berlin eine Institution eingerichtet, um grob gegen alle Ärzte auszuteilen und um jeden Preis sämtliche Honorarsteigerungen zu verhindern. Über viele Jahre erhielt dieser Verband breite Unterstützung von allen Seiten – ging es doch darum, eine scheinbar wild liquidierende Ärzteschwemme einzudämmen und den Kostenanstieg im Gesundheitswesen zu kontrollieren. Aufgrund dieser mannigfaltigen Quälereien in Form von Bedarfsplanung, Budgetierung, Regressierung und unendlicher Bürokratisierung wenden sich immer mehr Ärztinnen und Ärzte von der Versorgung ab.

Gleichzeitig gehen in den nächsten fünf Jahren 60 Prozent aller Ärzte aufgrund der Altersgrenze aus dem System. Nur noch ahnungslose Dummbeutel behaupten, es gebe genug Ärzte, sie seien nur schlecht verteilt. Der tatsächliche Wert der ärztlichen Arbeit steigt momentan schon aufgrund des Mangels enorm an. Von den Ländern subventionierte Krankenhäuser gründen Medizinische Versorgungszentren und bezahlen inzwischen Gehälter, die sich über die Gebührenordnung niemals darstellen lassen. Sie kannibalisieren so die ambulante Versorgung nur, um eine Institution vorzuhalten, die die lukrativen stationären Patienten liefert.

Die Ärzteschwemme ist Geschichte, der Markt ist inzwischen völlig ausgetrocknet. Die Sicherstellung der Versorgung ist sehr ernsthaft gefährdet. Die Politik schluckt Beruhigungspillen wie Telemedizin, Ärztegenossenschaften und Praxisbus, um den Rest der Legislaturperiode zu überstehen. Gleichzeitig sollen die noch vorhandenen Ärzte gezwungen werden, mehr zu arbeiten. In dieser äußerst angespannten Gesamtlage führt die Kassenärztliche Bundesvereinigung Honorarverhandlungen mit dem Spitzenverband der Krankenkassen. Die Forderung der Ärzte ist ein nüchternes Ergebnis von Befunderhebung und therapeutischer Notwendigkeit.

Nach meiner persönlichen Einschätzung werden auch die geforderten 4,7 Prozent keinesfalls ausreichen, um das Desaster abzuwenden. Die Frauen und Männer fürs Grobe im Spitzenverband der Krankenkassen kommen in dieser Situation mit einem Angebot von 0,2 Prozent um die Ecke. Was soll man da noch sagen? Wer ist in der Lage, diese Totengräber unseres Gesundheitssystems aufzuhalten? Die Mitgliederkassen des Spitzenverbandes halten sich vornehm zurück; den Patienten ist alles egal, solange sie alle Leistungen gefühlt ,umsonst' bekommen. Die Hütte brennt, niemand löscht. Wie wird es weitergehen?

Die Ärztliche Versorgung wird nicht untergehen, sie wird aber ihren Preis haben."

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20. September 2019