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23. Januar 2019

Einschnitte in der ärztlichen Versorgung werden nicht zu vermeiden sein

In den kommenden Jahren werden nach Einschätzung der KV RLP nicht mehr alle Arztpraxen wiederbesetzt und somit erhalten werden können

Als Folge des Ärztemangels wird sich nach Prognosen der Versorgungsforschung der KV RLP die ärztliche Versorgung zunehmend auf Unter-, Mittel- und Oberzentren konzentrieren. Die Wege zur nächsten Arztpraxis werden in ländlichen Regionen also tendenziell weiter. Für die Bevölkerung in ländlichen Gebieten folgt daraus, dass sie immer häufiger von medizinischen Einrichtungen in bevölkerungsstärkeren Gemeinden mitversorgt werden muss. Darüber hinaus werden nicht mobile Menschen in diesen ländlichen Regionen zunehmend auf regionale Mobilitätsangebote angewiesen sein.

Angesichts des zu erwartenden ersatzlosen Wegfalls von immer mehr Arztpraxen in den ländlichen Gebieten sieht sich die KV RLP mit ihren bisherigen Sicherstellungsmaßnahmen und ihrer Förderpolitik des ärztlichen Nachwuchses bestätigt. Die Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes, die Einrichtung der Beratungsstelle Kommunen im Jahr 2018 sowie der stetige Ausbau der finanziellen Förderung von Medizinstudierenden, Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung sowie von Niederlassungen in strukturschwachen Regionen sind wichtige Schritte. Allerdings ist nach Auffassung der KV RLP auch die gesetzgebende Instanz gefordert, die Rahmenbedingungen und Anreize deutlich zu verbessern, damit auch die junge Ärztegeneration zu einer Niederlassung motiviert wird.

"Der aktuelle Entwurf zum Terminservice- und Versorgungsgesetz ist leider nicht geeignet, drohende Versorgungseinschnitte zu vermeiden", kritisiert der Vorstandsvorsitzende der KV RLP Dr. Peter Heinz vor den vertretenen Medien anlässlich der offiziellen Präsentation des Versorgungsatlas 2018. Er bedauert, dass das Bundesgesundheitsministerium nach wie vor an den überholten Instrumenten Bedarfsplanung und Budgetierung festhalten will. Zudem, so Dr. Heinz, könnten schnellere Termine mit sinkenden ärztlichen Behandlungskapazitäten nicht erzwungen werden. Er fordert: "Um den ärztlichen Nachwuchs für die ambulante Versorgung zu gewinnen, muss die ärztliche Leistung wieder wertgeschätzt werden. Ein wichtiger Schritt wäre hierfür, die Gebührenordnung anzupassen."

Schon beim Zugang zum Medizinstudium müssten wichtige Weichenstellungen erfolgen, um dem Ärztemangel in Zukunft zu begegnen. So spricht sich die KV RLP neben der Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze für ein numerus-clausus-unabhängiges Aufnahmeverfahren aus. Landarztquoten sind hingegen nicht zielführend und bedeuten eine Gefahr für die Qualität der medizinischen Versorgung. Ein junger Mensch, der heute ein Medizinstudium beginnt, kann noch nicht wissen, für welche medizinischen Fachrichtungen er im Laufe seines Studiums Ambitionen und Fähigkeiten entwickeln wird.

Bei der Erwägung einer Niederlassung spielt die Situation vor Ort eine entscheidende Rolle: Infrastruktur, Kindergärten, Schulen oder der Arbeitsplatz für die Partnerin oder den Partner. "Auf diese Faktoren hat die KV RLP jedoch keinen Einfluss", gibt Dr. Heinz zu bedenken. "Eine Stärkung der ambulanten Versorgung kann letztlich nur im Schulterschluss mit den Kommunen gelingen."

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18. Oktober 2019