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10. Juli 2017

Bedarfsplanung sollte sich allein am Bedarf der Menschen ausrichten

Auch für Psychotherapeuten ist aktuelle Planung nicht mehr zeitgemäß

"Für Psychotherapeuten ist die Bedarfsplanung nicht mehr zeitgemäß", sagt Peter Andreas Staub, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP). Damit teilt der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut die Ansicht von Dr. Peter Heinz, Vorstandsvorsitzender der KV RLP, der die Abschaffung der Bedarfsplanung für die hausärztliche Versorgung vorschlägt.

Dass Krankenkassen immer noch auf der Bedarfsplanung beharren, kann Peter Andreas Staub nicht nachvollziehen. Schließlich sei es eine Tatsache, dass der Bedarf der Menschen an psychotherapeutischen Leistungen sehr hoch sei – und zwar so hoch, dass Krankenkassen die Leistungen regelmäßig zu Kostenerstattungsbedingungen übernehmen würden, da die Kapazitäten der niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nicht ausreichten. Dabei verhindere die Bedarfsplanung, die teilweise auf Zahlen aus den 90er-Jahren zurückgeht und die heutige Situation nicht richtig abbildet, die Niederlassung neuer Kolleginnen und Kollegen. Diese wären gewillt, die Versorgung der zahlreichen Patienten sicherzustellen.

"Die Bundespsychotherapeutenkammer hat bereits ein eigenes System der Bedarfsplanung entwickelt, das die Morbidität der Patienten berücksichtigt", erläutert Peter Andreas Staub weiter. Aber auch dieses Modell geht dem Vorstandsmitglied der KV RLP nicht weit genug. Vielmehr müssten die Bedarfe der Menschen ausschlaggebend sein und unbedingt berücksichtigt werden. Monetäre Gründe dürften nicht im Vordergrund stehen.

In diesem Zusammenhang zeigt sich Peter Andreas Staub auch nicht zufrieden mit dem Ergebnis der Vergütung für die neuen psychotherapeutischen Leistungen. Die ursprünglich von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung geforderten 120 Euro für eine psychotherapeutische Sprechstunde wären angemessen gewesen. Die jetzt vereinbarten rund 88 Euro seien sehr unbefriedigend. Auch die Strukturzuschläge, die Praxen, die viele Leistungen gleicher Art erbringen, begünstigen, seien nicht gerecht. "Wir sind guten Mutes, dass wir die Strukturzuschläge kippen können. Es gibt bereits erste Siege vor den Sozialgerichten", berichtet Peter Andreas Staub. Deshalb habe die Vertreterversammlung der KV RLP auch die Honorarbescheide ab dem 4. Quartal 2016 unter Vorbehalt gestellt.

Fazit von Peter Andreas Staub: Um die psychotherapeutische Versorgung der rheinland-pfälzischen Bevölkerung auch in Zukunft zu gewährleisten, bedarf es keiner Bedarfsplanung beziehungsweise sollte eine Bedarfsplanung sich am Bedarf der Bevölkerung orientieren. Gleichzeitig ist eine angemessene und faire Vergütung der niedergelassenen Psychotherapeuten notwendig.

Ein Interview zum Thema mit Peter Andreas Staub können Sie sich in der neuen Ausgabe von "KV-TV PRAXIS – das Magazin" ansehen.

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19. Juni 2018