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KV RLP-Bereitschaftsdienstreform

Schritt für Schritt organisieren wir den Ärztlichen Bereitschaftsdienst in Rheinland-Pfalz für Sie neu: Durch unsere Bereitschaftsdienstreform sorgen wir mit dafür, dass Sie auch in Zukunft gut medizinisch versorgt sind – wohnortnah und rund um die Uhr.

Warum ist eine Bereitschaftsdienstreform notwendig?

… weil es bei uns einen Ärztemangel gibt: Mehr und mehr Ärztinnen und Ärzte gehen in den Ruhestand oder arbeiten in Teilzeit. Genügend neue, auch Vollzeitkräfte, kommen aber nicht nach. Gleichzeitig wird die Bevölkerung älter und der Bedarf an medizinischen Behandlungen steigt.

Dieses Ungleichgewicht wird sich in den kommenden Jahren noch vergrößern. Überall in Deutschland zeichnen sich bereits Versorgungslücken ab. Allein in Rheinland-Pfalz werden bis Ende 2024 fast 3.000 Vertragsarztsitze ruhestandsbedingt frei. Und nicht alle davon werden sich wiederbesetzen lassen. Schon jetzt sind 360 Sitze im vertragsärztlichen Bereich unbesetzt. Hinzu kommt die angespannte Situation an den Krankenhäusern: Auch hier fehlen viele Ärztinnen und Ärzte inzwischen.

Unsere Herausforderung: weniger ärztliche Arbeitszeit für mehr Behandlungen

Wenn aber immer weniger ärztliche Arbeitszeit für eine immer älter und damit auch kränker werdende Gesellschaft zur Verfügung steht: Wie können wir die medizinische Versorgung künftig auf dem gewohnten, hohen Niveau halten? Wie schaffen wir es weiterhin, dass ärztliche Hilfe für jede und jeden von uns erstens in der Nähe und zweitens rund um die Uhr verfügbar ist?

Wir als KV RLP sind davon überzeugt, dass nur eine tiefgreifende Reform der medizinischen Versorgung die richtigen Antworten auf diese Fragen liefert. Das heißt auch gerade für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst: Nachts, am Wochenende und an Feiertagen müssen wir die zur Verfügung stehende ärztliche Arbeitszeit effizienter verteilen und die Patientinnen und Patienten zuverlässig und ohne unnötige Umwege direkt in die für sie passende medizinische Einrichtung leiten. Das rettet Leben, spart Zeit und Kosten und entlastet unser Gesundheitssystem auch sonst in jeder Hinsicht.

Nur wenn wir die Menschen, die auf die ärztliche Behandlung angewiesen sind, noch gezielter mit denen zusammenbringen, die ärztlich behandeln, können wir die Auswirkungen des Ärztemangels und der demografischen Entwicklung abfedern und unsere hochwertige ambulante medizinische Versorgung in Rheinland-Pfalz weiter aufrechterhalten. Über vier Millionen Menschen sind bei uns hierauf angewiesen. Seit 2020 organisieren wir deshalb den Ärztlichen Bereitschaftsdienst in unserem Bundesland neu.

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Bisherige Maßnahmen

1. Januar 2020: Start des Patientenservice 116117

Seit Anfang 2020 können die Menschen in Rheinland-Pfalz bei akuten Gesundheitsproblemen rund um die Uhr eine Ansprechperson erreichen. Direkt am Telefon erhalten sie eine strukturierte Ersteinschätzung: Dabei ermittelt eine medizinisch ausgebildete Fachkraft mithilfe des Computerprogramms SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) sowohl die Dringlichkeit der Behandlung als auch den passenden Versorgungsbedarf. Auf Basis der festgestellten medizinischen Kriterien weist sie die Anruferin oder den Anrufer schnell, gezielt und sicher der richtigen Versorgungsebene zu, also dem Rettungsdienst, einer Ärztlichen Bereitschaftspraxis, einer Arztpraxis oder der ärztlichen Telefonberatung – und seit Oktober 2020 auch dem neu gegründeten speziellen Hausbesuchsdienst, dem Aufsuchenden Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Bei Bedarf ruft dann auch eine Ärztin oder ein Arzt zurück.

Durch diese Steuerung wird eine schnellere und bedarfsgerechtere Versorgung der Patientinnen und Patienten erreicht. Auch unnötige Wege und lange Wartezeiten können für sie so vermieden werden. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst wird ebenfalls entlastet – genauso wie die überfüllten Notaufnahmen an den Krankenhäusern.

1. Juli 2020: Vergrößerung von Versorgungsbereichen

Ärztliche Arbeitszeit ist knapp. Deshalb brauchen wir eine verantwortungsvollere, effizientere Verteilung, eng orientiert am Bedarf der Menschen vor Ort. Mit dieser Maßgabe kommen alle Bereitschaftsdienstregionen in Rheinland-Pfalz auf den Prüfstand: Wo gibt es überdurchschnittlich viele Bereitschaftsdienstpraxen? Welche davon sind nicht ausgelastet, sodass Ärztinnen und Ärzte während ihrer Arbeitszeit eher auf Patientinnen und Patienten warten müssen als sie behandeln zu können? Wo ist es vor diesem Hintergrund zu verantworten, Einrichtungen zusammenzulegen, ohne Anfahrtszeiten übermäßig zu verlängern? Das Ergebnis bisher: Drei Ärztliche Bereitschaftspraxen sind seit dem 1. Juli in benachbarte integriert: Kirn, Wissen und Rockenhausen. Sie waren bis dahin die am wenigsten besuchten in ganz Rheinland-Pfalz.

Seit 1. Oktober 2020: Einführung des Aufsuchenden Ärztlichen Bereitschaftsdienstes

Menschen, die ihr Zuhause aus gesundheitlichen Gründen nicht verlassen können, können jetzt noch besser versorgt werden: Mit dem Aufsuchenden Ärztlichen Bereitschaftsdienst, einem speziellen Hausbesuchsdienst, kommt eine Ärztin oder ein Arzt nachts, am Wochenende oder an Feiertagen direkt zu ihnen nach Hause. An den Aufsuchenden Ärztlichen Bereitschaftsdienst sind bislang angeschlossen: die Regionen Rheinhessen-Nahe, Nahe-Glan und Obere Nahe, die Landkreise Cochem-Zell, Rhein-Hunsrück, Bernkastel-Wittlich, Vulkaneifel sowie der Eifelkreis Bitburg-Prüm. Weitere Regionen werden folgen.

Warum glauben wir, das ist eine gute Idee? In vielen Ärztlichen Bereitschaftspraxen herrscht oft Leerlauf: Es gibt einfach zu wenige Behandlungsfälle, manchmal sogar nur einen einzigen in einer Nacht. Die Ärztinnen und Ärzte sowie die Medizinischen Fachangestellten sind aber die ganze Zeit über anwesend und haben daher immer wieder lange Wartephasen. Diese ungenutzte ärztliche Arbeitszeit wollen wir sinnvoller einsetzen – mithilfe des Aufsuchenden Ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Hiermit können nämlich nun auch solche Bereitschaftspraxen personell passend besetzt werden, die weniger gut besucht sind. Möglich macht das die Trennung von Hausbesuchs- und Sitzdienst. Dabei zählt immer der Bedarf vor Ort. Der Vorteil: Ärztliche Arbeitszeit, die dadurch frei wird, steht für den Hausbesuchsdienst selbst oder für die Behandlung in den regulären Sprechstunden zur Verfügung. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung des Ärztemangels. So profitieren nicht nur Patientinnen und Patienten, die aus gesundheitlichen Gründen ihr Zuhause nicht verlassen können, sondern alle Menschen in Rheinland-Pfalz.

Zum Nachlesen

Wenn Sie mehr zur Bereitschaftsdienstreform wissen möchten, haben wir etwas für Sie: In unseren ausführlichen Infoblättern zum Thema gibt es weitere Details und zahlreiche Fakten zum Nachlesen:

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15. Juni 2021