Direkt zum Inhalt

16. Juni 2020

KV RLP: "Praxen für Hausbesuche endlich angemessen entschädigen!"

Vorstand pocht auf Einhaltung der Zusagen

Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) kritisiert deutlich die Weigerung des Erweiterten Bewertungsausschusses, ärztliche Hausbesuche im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) höher zu bewerten. Vor dem Hintergrund gemachter Zusagen in der Vergangenheit und der vielen ambulanten Hausbesuchsdienste im Zuge der Coronavirus-Pandemie sei diese ablehnende Haltung nicht nachvollziehbar.

"Erst im Dezember vergangenen Jahres wurde im Zuge der Verhandlungen über die EBM-Reform darüber Einigkeit erzielt, dass es keine punktsummenneutrale Aufwertung der Hausbesuche geben wird. In diesem Jahr sollte die Höhe der Vergütung erneut beraten und eine Lösung gefunden werden. Daher ist es umso unverständlicher, dass sich die angeblich neutralen Mitglieder des Bewertungsausschusses an bereits abgegebene Zusagen auf einmal nicht mehr erinnern wollen", zeigt sich der Vorstandsvorsitzende der KV RLP, Dr. Peter Heinz, tief enttäuscht. Bereits seit vielen Jahren ringen die KVen in den Honorarverhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen um eine gerechte Vergütung der Hausbesuche. Zuletzt wurde die Bewertung vor neun Jahren zum 2. Quartal 2011 angepasst.

Aktuell wird der ärztliche Hausbesuch im EBM mit 212 Punkten angesetzt, das entspricht einem durchschnittlichen Betrag von 23,29 Euro. Hinzu kommt eine je nach Entfernung und Tageszeit unterschiedliche Wegepauschale von durchschnittlich rund 6 Euro je Besuch. Ein Hausbesuch ist ein sehr zeitaufwändiges Versorgungsinstrument und bindet den Arzt persönlich für eine gewisse Dauer – in dieser Zeit ist kein Arbeiten in der Praxis möglich. Um auf einen vergleichbaren Praxisstundenlohn zu kommen, müssten im Schnitt drei Hausbesuche pro Stunde absolviert werden. "Das ist völlig realitätsfern wenn man bedenkt, was beispielsweise ein Handwerker allein für die Anfahrt zu seiner Arbeitsstätte erhält. Eine Reform der Hausbesuchsvergütung ist aus unserer Sicht deshalb mehr als überfällig", bekräftigt Dr. Heinz.

Nach wie vor stellen die rheinland-pfälzischen Ärztinnen und Ärzte die ambulante Versorgung auch über Besuchsbehandlungen sicher, obwohl die finanziellen Rahmenbedingungen für diese Leistung den enormen Aufwand nicht abdecken. Sollte sich die rigide Sparpolitik bei den ärztlichen Hausbesuchen nicht ändern, sind diese auf lange Sicht gefährdet – das ginge dann vor allem zulasten älterer bettlägeriger Patientinnen und Patienten, die keine Arztpraxis persönlich aufsuchen können. Für diesen Personenkreis sind auch Videosprechstunden keine vernünftige Alternative.

zurück
KV RLP Isaac-Fulda-Allee 14 55124 Mainz Telefon 06131 326-326 Fax 06131 326-327 E-Mail service@kv-rlp.de
10. Juli 2020