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23. November 2022

KBV-Bürokratieindex: eAU sorgt für höheren Zeitaufwand in den Praxen

Lange Dauer des elektronischen Signier- und Versandvorgangs ein Grund für erhöhte Bürokratie

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) erhöht den Bürokratieaufwand in vertragsärztlichen Praxen um 1,25 Millionen Stunden pro Jahr in Deutschland. Das geht aus dem aktuellen Bürokratieindex für die vertragsärztliche Versorgung (BIX) hervor, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gemeinsam mit der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) veröffentlicht.

"Die eAU verursacht in ihrer aktuellen Form einen Zusatzaufwand in Höhe von mehr als einer Million Arbeitsstunden pro Jahr in den Praxen", sagt Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV. "Anstatt also die Praxen zu entlasten, hat die bisherige Digitalisierungspolitik die Praxen bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nachweislich noch weiter belastet", ergänzt er.

Ein Grund für die erhöhte Bürokratie durch die eAU ist die lange Dauer des elektronischen Signier- und Versandvorgangs. Bei fehlgeschlagenem Digitalversand erhöht das Ausstellen der papiergebundenen Ersatzbescheinigung zudem den Aufwand maßgeblich.

"Pro Fall verursacht das digitale Verfahren der eAU aktuell 50 Sekunden mehr bürokratischen Aufwand als die papiergebundene Bescheinigung. Bei jährlich etwa 90 Millionen ausgestellten eAU summiert sich dies auf 1,25 Millionen Stunden mehr Bürokratie in den Praxen", erklärt Prof. Volker Wittberg, Leiter des an der FHM angesiedelten Nationalen Zentrums für Bürokratiekostenabbau.

Mehrheit der Praxen kann die eAU noch nicht elektronisch versenden

Ein weiteres Problem ist, dass nur eine Minderheit der Praxen – so auch in Rheinland-Pfalz – den Kommunikationsdienst KIM der KBV für den Versand der eAU nutzen kann – sei es, weil immer noch ein beträchtlicher Teil keine KIM-Adresse hat oder der Versand aus technischen Gründen nicht funktioniert.

Über KIM können medizinische Dokumente elektronisch geschützt an medizinische Einrichtungen wie Krankenkassen oder Krankenhäuser geschickt werden. "Weniger Bürokratie heißt auch Abbau von papiergebundenen Prozessen. Es ist ein Armutszeugnis für die Entwicklung der Telematik, dass Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen nach wie vor auf Papier ausgedruckt werden müssen“, so KV RLP-Vorstandsmitglied Peter Andreas Staub.

Im Gegensatz zu vorangegangenen BIX-Studien stand dieses Mal nicht die Gesamtbetrachtung der Bürokratiebelastung in der vertragsärztlichen Versorgung im Fokus. Mit der Umstellung auf das elektronische Verfahren bei der Ausstellung und Übermittlung der AU konzentrierte sich die Untersuchung auf einen aktuell für viele Praxen relevanten Themenbereich. Anhand eines Fragebogens wurden Vertragspraxen von April bis Mai 2022 telefonisch befragt. Die Ergebnisse wurden im Rahmen von zwei Fokusgruppeninterviews mit Niedergelassenen validiert.

Weitere Ergebnisse des Bürokratieindex hat die KBV auf ihrer Website veröffentlicht.

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