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16. Januar 2020

Integrierte Notfallzentren in Rheinland-Pfalz

Nur an wenigen Standorten realisierbar

Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) bewertet den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Reform der Notfallversorgung im Grundsatz positiv und sieht sich organisatorisch und fachlich gut aufgestellt. Auf Basis der ersten Erfahrungen mit dem Modellprojekt Allgemeinmedizinische Praxis am Campus (APC) in Mainz kann Rheinland-Pfalz eine Vorreiterrolle bei der Einrichtung der geplanten Integrierten Notfallzentren (INZ) spielen.

"Der Minister hat richtigerweise erkannt, dass die fachliche Leitung der INZ bei den KVen am besten aufgehoben ist", kommentiert der Vorstand der KV RLP die Pläne zur Notfallreform. Mit dem sektorenübergreifenden Modellprojekt der APC, die vor der Notaufnahme der Universitätsmedizin Mainz angesiedelt ist, kann die KV RLP wertvolles Wissen beim Aufbau der INZ einbringen. In diesem Praxismodell wird bereits die vom Gesetzgeber gewünschte qualifizierte und standardisierte Ersteinschätzung von qualifizierten Fachkräften mithilfe einer Software vorgenommen. Aus Sicht der Universitätsmedizin Mainz und der KV RLP funktioniert das bisherige Zusammenspiel von APC-Ärzten und Ärzten der Notaufnahme sehr gut. Die Patienten fühlen sich dort medizinisch bestens versorgt. Der Hauptteil der Patienten der APC wird ambulant versorgt, was zu einer Entlastung der Notaufnahme des Krankenhauses führt. Bei entsprechender medizinischer Erforderlichkeit erfolgt eine Weiterleitung in die Notfallambulanz des Krankenhauses. So sieht es auch der nun vorliegende Referentenentwurf für die INZ vor.

Abzuwarten sei, welche und wie viele "geeignete Krankenhausstandorte" für den Betrieb der INZ ausgewählt werden. Dazu soll der Gemeinsame Bundesausschuss bundesweit einheitliche Richtlinien zur Bestimmung der Anzahl und Standorte von INZ erlassen. Letzten Endes bestimmen über die Erweiterten Landesausschüsse neben den KVen auch die Krankenhäuser und Krankenkassen, an welchen Standorten INZ einzurichten sind. "Aus unserer Sicht lassen sich diese INZ nur in Krankenhäusern der Maximalversorgung realisieren", gibt der Vorstand der KV RLP zu bedenken. "Dafür kommen in Rheinland-Pfalz höchstens acht Standorte infrage."

Bei der Festlegung der Anzahl der Standorte sei es unerlässlich, auch wirtschaftliche Gesichtspunkte einzubeziehen, denn die Kosten für den Betrieb eines INZ seien auf Basis der Erfahrungen mit der APC sehr hoch. Daher macht es laut dem Vorstand der KV RLP Sinn, wenn sich diese Einrichtungen streng am Bedarf orientieren und auf Ballungsräume beschränkt bleiben. "Angesichts der rückläufigen Arztressourcen ist eine flächendeckende Errichtung von INZ an nahezu jedem Krankenhausstandort nicht realisierbar. Patienten sollen tagsüber zu den üblichen Sprechstundenzeiten der Vertragsarztpraxen nicht nach eigenem Ermessen wählen können, ob sie die Arztpraxis oder ein INZ aufsuchen. Hierzu bedarf es einer geeigneten Patientensteuerung, verfolgt der Gesetzesentwurf doch als ein Ziel den sinnvollen und effizienten Einsatz personeller und finanzieller Ressourcen", appelliert der Vorstand der KV RLP in Richtung Berlin. Darüber hinaus ist in Rheinland-Pfalz die ambulante Versorgung außerhalb der Sprechstundenzeiten über die zum Jahresbeginn gestartete Servicestelle 116117 zufriedenstellend gesichert. Bei Bedarf werden Patienten an die bereits bestehenden 47 ärztlichen Bereitschaftspraxen weitergeleitet. Eine Demontage dieser Strukturen würde eher zu einer Verschlechterung der Versorgung führen.

Erleichtert zeigte sich der Vorstand der KV RLP, dass die politisch viel diskutierte Einführung eines sogenannten dritten Sektors mit dem nun vorliegenden Referentenentwurf offenbar vom Tisch ist. "Wir haben als KV doch bereits vor vielen Jahren die notwendigen Strukturen im Bereitschaftsdienst geschaffen. Auf diese Infrastruktur sollte man nicht verzichten, wenn man die INZ erfolgreich betreiben möchte."

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28. Februar 2020