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29. August 2019

Honorar steigt bundesweit 2020 nur moderat

Orientierungswert erhöht sich um 1,52 Prozent

Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben sich auf eine Preissteigerung für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen geeinigt. Die KV RLP äußert deutliche Kritik an dem Abschluss.

Der sogenannte Orientierungswert, auf dessen Grundlage die Preise für alle vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Leistungen berechnet werden, steigt zum 1. Januar 2020 um 1,52 Prozent. Das entspricht einem Volumen von deutschlandweit 565 Millionen Euro. "Es ist gut, dass wir eine Einigung mit unserem Vertragspartner erzielen konnten, zumal die Forderungen anfangs weit auseinanderlagen. Die gemeinsame Selbstverwaltung hat ihre Funktionsfähigkeit unter Beweis gestellt", kommentierte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen das Ergebnis der Honorarverhandlungen.

Allerdings sind die diagnose- und demografiebezogenen Veränderungsraten für Rheinland-Pfalz negativ, so dass die Steigerung der begrenzten Geldmenge voraussichtlich um weniger als 1,5 Prozent steigen wird. Auf Rheinland-Pfalz entfallen erfahrungsgemäß knapp fünf Prozent der zwischen der KBV und den gesetzlichen Krankenkassen verhandelten Summe. Das entspricht ungefähr einem  Betrag von rund 25 Millionen Euro und damit etwa 3.125 Euro pro Vertragsarzt bzw. Vertragspsychotherapeut für 2020 – also schätzungsweise 781 Euro im Quartal.

"Das von der KBV ausgehandelte Honorar mag zwar auf den ersten Blick viel erscheinen. Jedoch wird dieses zusätzliche Plus durch die steigenden Praxiskosten und den fehlenden Inflationsausgleich sofort wieder aufgefressen", kritisiert Dr. Peter Heinz, Vorstandsvorsitzender der KV RLP. "Ebenso ist leider wieder versäumt worden, die schon seit Jahren angekündigte Anpassung der Hausbesuchsvergütung endlich umzusetzen." Aktuell ist ein Hausbesuch mit 212 Punkten im EBM bewertet, das entspricht rund 23 Euro.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Bartels fügt hinzu, dass viele Praxen aufgrund der Hygieneverordnung mit massiv steigenden Kosten zu kämpfen hätten. Eine Regelung zur Erstattung dieser Kosten sei nach wie vor nicht in Sicht.

Wachsender Bedeutung der Humangenetik Rechnung getragen

Im Bereich Humangenetik werden "ärztliche Beurteilungs- und Beratungsleistungen" ab dem kommenden Jahr extrabudgetär vergütet. Bislang waren diese Leistungen mit der sogenannten morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, welche die Kassen mit befreiender Wirkung zahlen, abgedeckt. Die Regelung gilt für drei Jahre. GKV-Spitzenverband und KBV verständigten sich außerdem darauf, die bereits bestehende extrabudgetäre Vergütung von Leistungen der Tumorgenetik um drei Jahre zu verlängern.

"Damit berücksichtigt der Bewertungsausschuss die wachsende Bedeutung genetischer Diagnostik und Beratung. Davon profitieren insbesondere Patienten mit seltenen Erkrankungen und Krebserkrankungen in der Familie", betonte Dr. Gassen.

GKV-Spitzenverband und KBV haben außerdem vereinbart, Videosprechstunden finanziell zu fördern. Ab 1. Oktober 2019 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen Ärztinnen und Ärzten, die Videosprechstunden durchführen, eine Anschubfinanzierung. Diese kann bis zu 500 Euro pro Arztpraxis und Quartal betragen. Die Fördermöglichkeit gilt für zwei Jahre.

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