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11. Februar 2020

Bereitschaftsdienstreform 2020

Ärztlicher Bereitschaftsdienst in Rheinland-Pfalz wird an sich verändernde Rahmenbedingungen angepasst

Aufgrund veränderter Anforderungen und zusätzlicher Angebote hat die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) eine umfangreiche Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) in Rheinland-Pfalz eingeleitet. Als erste Stufe der Reform wurde Anfang Januar der Patientenservice 116117 eingeführt. Als zweite Stufe werden zum 1. Juli 2020 vier regionale Versorgungsbereiche des ÄBD ausgeweitet und damit vier Ärztliche Bereitschaftspraxen (ÄBP) in benachbarte integriert. Als dritte Stufe werden Hausbesuchsdienste eingeführt.

Mit dem demografischen Wandel steigt der Behandlungsbedarf einer älter werdenden Bevölkerung. Auch nimmt der Anteil der immobilen Patientinnen und Patienten zu und damit auch der Anteil, der aus medizinischen Gründen mit Hausbesuchen versorgt werden muss. Gleichzeitig nimmt aber auch der Ärztemangel zu. Der ÄBD muss daher tendenziell steigende Behandlungsbedarfe mit tendenziell sinkender zur Verfügung stehender Ärztezeit abdecken. Hinzu kommen kostenintensive zusätzliche Aufgaben wie der 24-Stunden-Patientenservice-116117, die der Gesetzgeber den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) übertragen hat.

Die KV RLP muss daher die aktuellen vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgungsstrukturen kontinuierlich auf Optimierungspotentiale hin überprüfen, um notwendige und sinnvolle Anpassungen für die Patientinnen und Patienten umsetzen und die Bereitschaftsdienststrukturen zukunftssicher gestalten zu können. Für das Jahr 2020 wurde daher eine Reform erforderlich, die drei Stufen beinhaltet.

Stufe I: Verbesserung der Patientenversorgung durch den Patientenservice 116117

Die KVen bieten seit 1. Januar 2020 den Patientenservice 116117 zur Vermittlung von Patientinnen und Patienten in geeignete Versorgungsstrukturen sowie zur Vermittlung von Terminen in Arzt- und Psychotherapeutenpraxen an. Der Patientenservice 116117 ist unter der bundesweit einheitlichen kostenfreien Telefonnummer 116117 (ohne Vorwahl) täglich 24 Stunden erreichbar. Nach einer strukturierten medizinischen Ersteinschätzung erfolgt durch den Patientenservice eine Steuerung der Patientinnen und Patienten in eine geeignete medizinische Versorgungsebene. Durch diese Steuerung werden eine schnellere Versorgung der Patientinnen und Patienten und eine Entlastung sowohl des ÄBD als auch der Notaufnahmen der Krankenhäuser erwartet.

Stufe II: Sicherstellung der Finanzierung des ÄBD durch vergrößerte Bereitschaftsdienstregionen

Vor dem Hintergrund, dass die von den Krankenkassen für den ÄBD zur Verfügung gestellten Mittel nicht kostendeckend sind, muss das Defizit des ÄBD von den rheinland-pfälzischen Ärztinnen und Ärzten selbst finanziert werden. Eine weitere Erhöhung der finanziellen Belastungen würde die Attraktivität einer ärztlichen Tätigkeit in Rheinland-Pfalz verschlechtern und den Ärztemangel im Land erhöhen. Die letzte regelhafte Überprüfung des ÄBD fand im Dezember 2019 und Januar 2020 statt. Als Ergebnis werden zum 1. Juli 2020 vier Bereitschaftsdienstregionen an benachbarte Regionen angegliedert und vier ÄBP in benachbarte ÄBP integriert: Ingelheim, Kirn, Rockenhausen und Wissen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser vier ÄBP wird die Weiterführung ihrer Tätigkeit in den benachbarten ÄBP angeboten.

Stufe III: Verbesserung der Versorgung immobiler Menschen

Derzeit können medizinisch notwendige Hausbesuche bereits über die kostenfreie Telefonnummer 116117 angefordert werden. Die Hausbesuche werden dann je nach Region von den in den jeweiligen ÄBP diensthabenden Ärztinnen und Ärzten durchgeführt, die auch für die Behandlung der in den ÄBP direkt vorsprechenden Patientinnen und Patienten zuständig sind. Dies kann bei höherem Patientenaufkommen zu längeren Wartezeiten in den ÄBP oder auf Hausbesuche führen. Um immobilen Patientinnen und Patienten, die aus medizinischen Gründen einen Hausbesuch benötigen, zukünftig schneller einen solchen anbieten zu können, plant die KV RLP die Trennung der Behandlung durch die diensthabenden Ärztinnen und Ärzte in der ÄBP von dem Hausbesuchsdienst. Für den Hausbesuchsdienst sollen zukünftig eigene Ärztinnen und Ärzte eingeteilt werden, welche die Hausbesuche in einer weit größeren Region effizienter abdecken können. Der Patientenservice 116117 kann die diensthabenden Ärztinnen und Ärzte im Hausbesuchsdienst dann fahrzeitoptimiert zu den einzelnen Hausbesuchen steuern. Begonnen wird mit dem Hausbesuchsdienst in einer Testregion im Laufe des Jahres 2020. Nach erfolgreicher Etablierung des neuen Konzeptes folgt die Ausweitung auf die anderen Regionen in Rheinland-Pfalz.

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