Direkt zum Inhalt

15. April 2019

Antihistaminika

Levocetirizin aus der Verschreibungspflicht entlassen

Wichtige Änderung in der Anlage 1 zur Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV)

Seit dem 1. April 2019 ist der Wirkstoff Levocetirizin unter folgenden Voraussetzungen ab sofort rezeptfrei in Apotheken erhältlich:

  • in festen Zubereitungen zur oralen Anwendung in Konzentrationen von 5 mg je abgeteilter Form, sofern auf Behältnissen und äußeren Umhüllungen eine Beschränkung der Anwendung auf Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr angegeben ist.

Hinweise auf mögliche Unwirtschaftlichkeit

Bei der Verordnung verschreibungspflichtiger oraler Antihistaminika sollten diese streng indikationsgerecht eingesetzt werden. Ärztinnen und Ärzte sollten ihre Verordnungen im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit sowie auf Therapiealternativen (apothekenpflichtige orale Antihistaminika) hin kritisch überprüfen.

Antihistaminika stehen sowohl als apothekenpflichtige als auch als rezeptpflichtige Präparate zur Verfügung. Bei der Verordnung von Antihistaminika sind daher folgende Punkte zu beachten:

Ist ein apothekenpflichtiges Antihistaminikum im konkreten Behandlungsfall medizinisch notwendig, ausreichend und zweckmäßig, soll die Vertragsärztin bzw. der Vertragsarzt dieses Präparat zu Lasten der Versicherten bzw. des Versicherten verordnen. Gemäß der Arzneimittelrichtlinie kann die Verordnung eines verschreibungspflichtigen Antihistaminikums in diesem Fall unwirtschaftlich sein. Apothekenpflichtige Arzneimittel unterliegen nicht der Arzneimittelpreisverordnung, sie sind daher oft preiswerter als vergleichbare rezeptpflichtige Präparate.

Apothekenpflichtige Antihistaminika dürfen – sofern sie medizinisch notwendig und wirtschaftlich sind – für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr zu Lasten der GKV verschrieben werden. Gemäß Anlage I Nr. 6 der Arzneimittelrichtlinie sind apothekenpflichtige Antihistaminika nur bei folgenden Ausnahmeindikationen ohne Alterseinschränkung auf Kassenrezept verordnungsfähig:

  • in Notfallsets zur Behandlung bei Bienen-, Wespen-, Hornissengift-Allergien
  • zur Behandlung schwerer, rezidivierender Urticarien
  • bei schwerwiegendem, anhaltendem Pruritus
  • zur Behandlung bei persistierender allergischer Rhinitis mit schwerwiegender Symptomatik, bei der eine topische nasale Behandlung mit Glukokortikoiden nicht ausreichend ist.

Bei den genannten Ausnahmeindikationen werden Antihistaminika in der Regel ergänzend oder im Anschluss an eine Glukokortikoidbehandlung eingesetzt. (siehe auch Nr. 21 Anlage I AM-RL)

Wichtig: Bei allen übrigen Indikationen – zum Beispiel bei Therapie der Pollinosis- sind apothekenpflichtige Antihistaminika keine Kassenleistung. Ausnahmen: Kinder bis zum vollendeten 12. und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.

Da in der Fachliteratur sowie von Kassenseite einige rezeptpflichtige Antihistaminika als Präparate ohne therapeutische Vorteile gegenüber den apothekenpflichtigen Produkten eingestuft werden, kann die Verordnung von rezeptpflichtigen Antihistaminika ohne entsprechende medizinische Indikation unwirtschaftlich sein.

Kortikoidhaltige Nasensprays zur Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis bei Erwachsenen

Seit dem 1. Oktober 2016 unterliegen Betametasondipropionat, Fluticasonpropionat und Mometasonfuroat nicht mehr der Verschreibungspflicht, sofern sie unter folgenden Voraussetzungen in den Verkehr gebracht werden: "Zur intranasalen Anwendung bei Erwachsenen zur symptomatischen Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis, nach der Erstdiagnose einer saisonalen allergischen Rhinitis durch eine Ärztin bzw. einen Arzt, in einer Tagesdosis bis zu 400 Mikrogramm Beclometasondipropionat beziehungsweise bis zu 200 Mikrogramm Fluticasonpropionat beziehungsweise Mometasonfuroat, sofern auf Behältnissen und äußeren Umhüllungen angegeben ist, dass die Anwendung auf Erwachsene beschränkt ist." (Anlage 1 AMVV).

Fazit

Unter der Voraussetzung, dass die Erstdiagnose der saisonalen Rhinitis durch eine Ärztin bzw. einen Arzt erfolgt ist, wurde die Kortikoid-Selbstmedikation bei Heuschnupfen erweitert. Bei erwachsenen Patientinnen und Patienten sind in diesen Fällen rezeptfreie kortikoidhaltige Nasensprays vorzuziehen. Für die Behandlung der perennialen Rhinitis oder Nasenpolypen (Polyposis nasi) sind nur rezeptpflichtige kortikoidhaltige Arzneimittel zugelassen

Auszug aus § 12 Arzneimittel-Richtlinie

(11) Die Verpflichtung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes zur wirtschaftlichen Verordnungsweise von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bleibt von diesen Regelungen unberührt. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt soll nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel zu Lasten des Versicherten verordnen, wenn sie zur Behandlung einer Erkrankung medizinisch notwendig, zweckmäßig und ausreichend sind. In diesen Fällen kann die Verordnung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels unwirtschaftlich sein.

Weiterführende Links

Verwandte Nachrichten

zurück
KV RLP Isaac-Fulda-Allee 14 55124 Mainz Telefon 06131 326-326 Fax 06131 326-327 E-Mail service@kv-rlp.de
20. September 2019