Jedes Jahr sterben in Deutschland über 10.000 Menschen durch Suizid – mehr als durch Verkehrsunfälle und Drogentod zusammen. Viele Betroffene hatten kurz zuvor Kontakt zum Gesundheitssystem, oft ohne, dass die suizidale Krise erkannt wurde. Die neue Podcast-Folge von “Talk mit Doc Bartels” beleuchtet die hohe medizinische und gesellschaftliche Relevanz des Themas und zeigt, warum frühzeitige Erkennung in der Praxis entscheidend ist.
Suizidprävention: Wenn ärztliches Nachfragen Leben rettetNeue Podcast-Folge von "Talk mit Doc Bartels" online

In der aktuellen Folge spricht Dr. Andreas Bartels, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV RLP, mit Prof. Dr. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, darüber, warum ärztliches Nachfragen Leben retten kann und was konkret zu tun ist, wenn eine Patientin oder ein Patient in einer Krise steckt. Prof. Lieb betont, dass sich die therapeutischen Möglichkeiten in den letzten Jahren zwar spürbar verbessert haben, die Versorgung im Akutfall aber nach wie vor eine Herausforderung bleibt.
Gleichzeitig verweist Dr. Bartels auf die angespannte Situation in den Praxen. Denn die hohe Nachfrage nach Behandlungsplätzen übersteigt seit Jahren die vorhandenen Kapazitäten, was für viele Betroffene lange Wartezeiten bedeutet. “Wir haben in Rheinland-Pfalz fast über 1.000 Psychotherapeuten niedergelassen, aber der Druck auf die Versorgung ist enorm – das gilt auch für die Psychiatrie.”
Erkennen und Ansprechen
Die größte Hemmschwelle der Praxen ist dabei die Angst, Suizidgedanken erst zu wecken. Prof. Lieb ermutigt ausdrücklich dazu, direkt nachzufragen, auch ohne Fachausbildung: “Mit der Ansprache bringt man die Menschen nicht auf die Gedanken. Die haben die eigentlich in der Regel schon.” Eine offene Eröffnungsfrage könne das Eis brechen und Patientinnen und Patienten das Gefühl geben, mit ihren Suizidgedanken nicht alleine zu sein.
Neben den rein medizinischen Maßnahmen plädiert Dr. Bartels im Gespräch für eine gesellschaftliche Enttabuisierung: “Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir diese Stigmatisierung aus der Welt schaffen. Menschen müssen die Möglichkeit haben, über ihre psychischen Probleme offen zu reden – auch im privaten Umfeld gegenüber Freunden und Verwandten.”
Die aktuelle Folge liefert konkrete Handlungsvorschläge für das Sprechzimmer und ist ab sofort auf allen gängigen Podcast-Plattformen sowie als Video auf YouTube verfügbar.