Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch hat die Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses, die Honorare für psychotherapeutische Leistungen mit Wirkung zum 1. April 2026 abzusenken, deutlich kritisiert. “Ich bedaure diese Entscheidung ausdrücklich. Die Arbeit der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz ist von herausragender Bedeutung. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag, um Menschen in psychischen Notsituationen zu helfen und ihnen eine gesundheitliche Perspektive zu geben”, erklärt Hoch. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender psychischer Belastungen im Alltag durch Krisen sei eine Kürzung in diesem Bereich ein fatales Signal.
Da es sich beim Recht der gesetzlichen Krankenversicherung um Bundesrecht handelt, wird die Absenkung der Honorare bundesweit Auswirkungen haben. Vor diesem Hintergrund kündigte der Gesundheitsminister an, zeitnah den Austausch mit seinen Länderkolleginnen und -kollegen zu suchen. Ziel sei es, eine gemeinsame Position der Länder zu erarbeiten und gegenüber dem Bundesministerium für Gesundheit zu vertreten. “Mir ist bewusst, dass die Bundesgesundheitsministerin lediglich die Rechtsaufsicht über den Bewertungsausschuss ausübt und Schiedsentscheidungen wie die des Erweiterten Bewertungsausschusses nur eingeschränkt überprüfbar sind. Dennoch ist es mir ein zentrales Anliegen, dass Rheinland-Pfalz hier klar Stellung bezieht”, sagt Clemens Hoch.
Der Minister verwies zudem auf bisherige Initiativen des Landes: “Rheinland-Pfalz hat sich bereits in der Vergangenheit auf Ebene der Gesundheitsministerkonferenz für Verbesserungen eingesetzt. So wurde unter anderem eine Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung angestoßen. Darüber hinaus konnten im Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz wichtige Voraussetzungen geschaffen werden, um die Versorgung insbesondere vulnerabler Personengruppen zu verbessern.”
Auch bei der Sicherstellung der Finanzierung der Weiterbildung angehender Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten habe sich Rheinland-Pfalz erfolgreich eingebracht. “Es ist gelungen, dieses wichtige Anliegen im Koalitionsvertrag auf Bundesebene zu verankern”, so der Minister. Das Land werde sich weiterhin mit Nachdruck für die Anliegen der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten einsetzen. Eine gute und verlässliche psychotherapeutische Versorgung bleibe ein zentraler Bestandteil des Gesundheitssystems.
Hintergrund:
Fast jeder dritte Mensch leidet im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Rund zehn Prozent der Fehltage bei den Berufstätigen gehen auf Erkrankungen der Psyche zurück. Weltweit zählen Depressionen, Alkoholerkrankungen, bipolare Störungen und Schizophrenien zu den häufigsten Erkrankungen. Mit der Zunahme der diagnostizierten und behandelten psychischen Erkrankungen wächst zum einen die Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung. Zum an-deren wird es immer wichtiger, dass Menschen mit psychischen Störungen schnell Hilfe finden.
Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG) beispielsweise klärt über Themen der psychischen Gesundheit auf, unterstützt die Bündnisse gegen Depression und pflegt die Website psychNAVi Rheinland-Pfalz als aktuelle Suchplattform für psychosoziale Unterstützung. Das Land hat das Projekt mit mehr als 82.000 Euro gefördert. Weitere Informationen unter: www.psychnavi-rlp.de
Auch bei der Prävention setzt das Land auf frühe Sensibilisierung: Das Programm „Verrückt? Na und!“ besteht im Kern aus jeweils klassenweise durchgeführten Schultagen für Schülerinnen und Schüler sowie Fortbildungen für Lehrkräfte und weitere Multiplikatoren. Die Schultage und Fortbildungen wirken wie „Eisbrecher“, damit sich Schulen auf den Weg machen, um mit psychischer Gesundheit gute Schule zu machen. „Verrückt? Na und!“ ermutigt die Teilnehmenden und Institutionen, bedürfnis- und lösungsorientiert weiterzuarbeiten sowie sich kommunal mit Akteurinnen und Akteuren aus Gesundheit, Jugendhilfe und Schule zu vernetzen, die sich für psychisches Wohlbefinden und gutes Aufwachsen von jungen Menschen – insbesondere den vulnerablen Gruppen unter ihnen – engagieren.
Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz vom 18. März 2026