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Geplanter 24/7-Fahrdienst in der Notfallversorgung KV RLP warnt vor nicht umsetzbaren Parallelstrukturen

Eine Reform der Notfallversorgung ist dringend notwendig. Das sieht auch die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) so. Doch der im aktuellen Referentenentwurf vorgesehene flächendeckende aufsuchende Ärztliche Bereitschaftsdienst an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr ist nach Meinung der KV RLP weder personell noch wirtschaftlich machbar. 

“Dieses Modell ist nicht umsetzbar – und vor allem ist es für die Versorgung in keiner Weise notwendig. Die hausärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen sowie ihre Praxisteams übernehmen während der Praxisöffnungszeiten ganz regulär die Hausbesuche bei ihren Patientinnen und Patienten”, macht der Vorstandsvorsitzende der KV RLP, San.-Rat Dr. Peter Heinz, deutlich. Das belegen auch die Abrechnungszahlen der KV RLP: In den vergangenen vier Jahren ist die Anzahl der Hausbesuche stabil geblieben und liegt bei rund 1,5 Millionen jährlich. Das zeigt: Hausbesuche sind seit jeher ein wesentlicher Teil der Regelversorgung. Eine Ausweitung auf 24/7 ist weder notwendig, noch realisierbar. Außerhalb der Praxisöffnungszeiten gibt es mit dem Patientenservice 116117, der 24/7 telefonisch erreichbar ist und zudem einige Online-Dienste bietet, ein etabliertes, funktionierendes System für Patientinnen und Patienten mit nicht lebensbedrohlichen Beschwerden. Hier steht auch ein Fahrdienst zur Verfügung, der nach der entsprechenden medizinischen Ersteinschätzung zum Einsatz kommen kann. 

Modell geht an der Realität vorbei 

“Die Sicherstellung der Regelversorgung steht ganz klar an erster Stelle”, so San.-Rat Dr. Heinz. Aufgrund des schon herrschenden und sich absehbar weiter zuspitzenden Ärztemangels komme es immer mehr zu Versorgungslücken – gerade in ländlichen Regionen. “Wie sollen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte tagsüber in ihrer Praxis arbeiten und zusätzlich nachts Fahrdienste im Ärztlichen Bereitschaftsdienst übernehmen? Dieses Modell geht völlig an der Realität vorbei und baut unnötige Parallelstrukturen auf.” Der KV RLP-Chef merkt an: “Es geht uns nicht darum, den kompletten Entwurf zur Reform der Notfallversorgung zu verteufeln. Im Gegenteil, er enthält einige gute Ansätze, wie die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure oder den Einsatz digitaler Lösungen. Im Hinblick auf einen 24/7-Fahrdienst brauchen wir jedoch kein bundesweit einheitliches Modell, sondern Regelungen, die man regional flexibel ausgestalten kann.” Dazu bietet die KV RLP gerne ihre Expertise an und fordert, in die Weiterentwicklung der Notfallversorgung eingebunden zu werden.

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