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KV PRAXIS | September 2018

Vorwort

Dr. Andreas Bartels

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eine für viele Praxen wichtige Veränderung ist die aufgrund eines BSG-Urteils notwendig gewordene Anpassung zur Festlegung der Punktzahlobergrenze bei Anstellung eines sogenannten Jobsharers. Die für Sie wichtigen zusammenfassenden Punkte stellen wir Ihnen ausführlich dar. Wieder einmal werden hierbei Leistungen – diesmal extrabudgetäre – mit rigiden Budgetgrenzen versehen, sodass zukünftig in einigen Praxen eine "Mehrarbeit" nicht mehr vergütet wird. Vor dem Hintergrund der weiter bestehenden politischen Forderungen nach Erweiterung der Sprechstundenzeiten und schnellerer Terminvergabe kann man darüber nur noch den Kopf schütteln.

Auch unsere intensiven Bemühungen, in politischen Diskussionen die Unsinnigkeit von Begrenzungsmaßnahmen wie Bedarfsplanung und Plausibilitätszeiten darzustellen, sind – wie auch ein Antrag zur Abschaffung der Budgets – in der Gesundheitsministerkonferenz bislang nicht gehört worden. Die Politik setzt weiterhin vor allem auf die Karte der Effizienzsteigerung und hierbei vor allem auf die Möglichkeiten der Digitalisierung. Sicherlich gibt es hier Effekte, die zu nutzen sinnvoll sind – ebenso wie der Wunsch einer jungen Generation von Patienten, diese Ressourcen in der Medizin anzuwenden. Hierzu stellen wir Ihnen in unserem Schwerpunkt ein buntes Portfolio der Möglichkeiten vor, in das digitale Zeitalter einzutreten.

Die Möglichkeiten einer für die Patientenversorgung sinnvolleren sektorenübergreifenden Versorgung werden in Deutschland nach wie vor nicht ausgeschöpft. Nach wie vor hält man fest an einem System der starren Grenzen. Statt die Versorgungsebenen gegeneinander auszuspielen, sollten alle Kooperationsmöglichkeiten zur Verbesserung der Patientenversorgung genutzt werden. Hierzu berichten wir über das nun langsam zur Realität werdende Kooperationsmodell der KV RLP an der Universitätsmedizin Mainz.

Ich wünsche Ihnen allen eine spannende Lektüre und eine schöne Herbstzeit.

Herzliche Grüße aus Mainz

Dr. Andreas Bartels
Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV RLP

Projekt

KV RLP startet Modellprojekt zur Patientensteuerung

Es ist ein Meilenstein in der sektorenübergreifenden Kooperation bei der ambulanten Notfallversorgung: Erstmals in Rheinland-Pfalz richtet die KV RLP am Campus der Unimedizin Mainz eine allgemeinmedizinische Praxis ein.

"Viele Patienten haben das Gefühl dafür verloren, was ein echter Notfall ist", berichtet Arne Klett, Oberarzt an der Notaufnahme der Mainzer Universitätsmedizin. Im Winter kämen etliche Leute schon mal mit Erkältungen in die Notaufnahme, erzählt Klett. Im Sommer meldeten sich manche mit Sonnenbrand oder unkomplizierten Insektenstichen. Das ganze Jahr über suchten Menschen mit Schlafstörungen, Symptomen einer Magendarmgrippe oder chronischen Rückenschmerzen die Notaufnahme auf. Beschwerden, die längst ein niedergelassener Arzt hätte behandeln können.

Notaufnahme: Über die Hälfte der Patienten hat niedrige Behandlungsdringlichkeit

"In vielen deutschen Notaufnahmestationen, so auch an der Universitätsmedizin Mainz, ist die Situation angespannt", weiß Dr. Andreas Fischbach, Facharzt für Innere Medizin. Die zunehmende Inanspruchnahme von Notaufnahmen als Primärkontakt mit dem Gesundheitssystem habe dort zu einer Überfüllung geführt. "Rund 50 Prozent dieser Patienten hatten eine niedrige Behandlungsdringlichkeit, das heißt es waren auch bei verzögerter Behandlung keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten. Diese Entwicklung bleibt nicht folgenlos, da die Ressourcen für die stationäre Versorgung schwerer erkrankter und verletzter Notfallpatienten belastet werden." Die Priorisierung der Behandlung nach Dringlichkeit statt nach Eintreffzeitpunkt könne bei leichter erkrankten Patienten zu Wartezeiten führen.

"Bei der Wahl der Notaufnahme als Anlaufstelle spielen vielfältige Gründe eine Rolle", erläutert Dr. Fischbach. So würden Patienten die Schwere ihrer Erkrankung falsch einschätzen und hätten keine Kenntnis der Versorgungsstrukturen. Weitere Motive sind eine bessere Versorgungserwartung oder schlicht Bequemlichkeit. "Letztlich entspricht der Ansatz, die entsprechenden Versorgungsstufen dort vorzuhalten, wo sich die Patienten hinbewegen, der beobachteten Entwicklung", so Dr. Fischbach. Aufklärungskampagnen alleine hätten in den vergangenen Jahren den Patientenstrom nicht zielführend lenken können.

Wie also kann die Notaufnahme der Mainzer Universitätsmedizin entlastet werden, damit diese wieder mehr zeitliche Kapazitäten hat, um sich um die wirklich echten Notfälle zu kümmern? Die Frage der effizienten Patientensteuerung steht im Mittelpunkt des Modellprojektes Allgemeinmedizinische Praxis am Campus (APC). In Kooperation mit der Unimedizin Mainz und den regionalen Krankenkassen betreibt die KV RLP diese Modellpraxis mit einem Team aus angestellten Ärzten sowie nichtärztlichen Mitarbeitern zunächst für die Dauer von vier Jahren.

Nichtärztliches Fachpersonal nimmt Ersteinschätzung vor

Ab Januar 2019 soll die Praxis in den Räumlichkeiten direkt vor der konservativen Notaufnahme mit einem vorgeschalteten Tresen errichtet werden und von morgens 8 Uhr bis abends 20 Uhr von Montag bis Samstag geöffnet sein. Nichtärztliches Fachpersonal nimmt am Tresen der Praxis zunächst eine Ersteinschätzung des Patienten vor: Die geschulten Mitarbeiter prüfen zum einen die medizinische Dringlichkeit für eine ärztliche Vorstellung und legen damit den Behandlungsort fest. Zum anderen entscheiden sie schließlich über den Behandlungszeitpunkt aller Patienten, die die Notaufnahme aufsuchen.

Abhängig davon, wie die Ersteinschätzung am Tresen der allgemeinmedizinischen Praxis ausfällt und wann der Patient die APC aufsucht, sind folgende Szenarien realistisch:

  • Es handelt sich um einen echten Notfall, der Patient wird in die Notaufnahme weitergeleitet.
  • Zwar liegt kein Notfall vor, jedoch duldet die Behandlung keinen längeren zeitlichen Aufschub. Die angestellten Ärzte in der APC nehmen sich des Falls an.
  • Das nichtärztliche Fachpersonal empfiehlt den Patienten, eine mögliche Therapie zu einem späteren Zeitpunkt von einem niedergelassenen Arzt in Mainz oder Umgebung ab- klären zu lassen.

Den Mitarbeitern kommt bei der Ersteinschätzung die standardisierte Software SmED – Strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland  –  zu  Hilfe.  Basis ist ein in der Schweiz entwickeltes, evidenzbasiertes  und softwaregestütztes Verfahren, das dort seit Jahren im Einsatz ist. Sowohl der Einsatz des softwaregestützten Einschätzungsverfahrens als auch die Anwendungsschulung der nichtärztlichen Mitarbeiter werden mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G- BA) gefördert. Es beruht auf dem Innovationsfondsprojekt DEMAND und steht für die Implementierung einer standardisierten Ersteinschätzung als Basis eines Demand Managements in der ambulanten Notfallversorgung. Insgesamt sind rund 30 Modellstandorte in zehn Bundesländern vorgesehen, in denen das neue Ersteinschätzungsverfahren eingesetzt und evaluiert wird: zum einen an der Schnittstelle von Notdienstpraxen am Krankenhaus und Notaufnahmen, dem "Gemeinsamen Tresen", und zum anderen in den medizinischen Einsatzzentralen der Kassenärztlichen Vereinigungen unter der bundesweiten Nummer 116117.

Patienten werden für den Hausarztbesuch sensibilisiert

Mit dem APC-Modellprojekt beabsichtigen die beteiligten Partner, die sektorenübergreifende Kooperation zu verbessern und weiter auszubauen – nicht nur in der Notfallversorgung. "Unser Ziel ist, die Kapazitäten beider Versorgungsbereiche bedarfsgerechter einzusetzen und dadurch Kosten einzusparen", betont Dr. Andreas Bartels, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV RLP. "Wir wollen Patienten mit nicht schwerwiegenden Krankheitsbildern dafür sensibilisieren, dass sie künftig zuerst ihren Hausarzt aufsuchen. Es geht also nicht darum, mit dem APC-Projekt eine Konkurrenzpraxis aufzubauen. Im Gegenteil streben wir an, die Situation der niedergelassenen Kollegen zu stärken." Beispielsweise sind chronisch Kranke nicht die Zielgruppe der APC. Wiedereinbestellungen von Patienten sind im Modellprojekt ebenfalls nicht vorgesehen. Auch Präventionsleistungen sollen nicht in der Praxis angeboten werden.

Vor dem Hintergrund des geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) will die KV RLP mit dem Eigenbetrieb der APC erste Erfahrungen sammeln. Das TSVG sieht vor, die KVen zu verpflichten, in von Unterversorgung bedrohten Gebieten KV-eigene medizinische Einrichtungen zu betreiben. Mittelfristig ist es denkbar, dass solche Einrichtungen mit einer fachärztlichen Versorgungsebene ein Krankenhaus auf dem Land ersetzen können.

Und noch einen weiteren positiven Nebeneffekt erhofft sich Dr. Bartels: "Durch die unmittelbare Nähe der APC zur Unimedizin sind wir auch am ärztlichen Nachwuchs dicht dran. Daraus ergeben sich Chancen, die ambulante Versorgung in Rheinland- Pfalz auch künftig auf hohem Niveau sicherzustellen."

Aktuell sucht die KV RLP für das Modellprojekt APC ärztliche wie nichtärztliche Mitarbeiter. Weitere Informationen zu den ausgeschriebenen Stellen auf der KV RLP-Website.

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Aktuelle Stellenangebote

Schwerpunkt "Digitalisierung"

Optimal vernetzt

Durch den digitalen Wandel verändert sich die Zusammenarbeit zwischen den Sektoren sowie unter den Heilberufen. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen hält zunehmend Einzug auch in die ambulante Versorgung. Einige innovative Ansätze wurden im Juni 2018 auf dem Hauptstadtkongress in Berlin vorgestellt.

Patienten suchen sich ihren Arzt heutzutage digital und möchten mit ihm auch auf diese Weise in Kontakt treten können – sei es per Videosprechstunde oder weil sie Gesundheitsdaten übermitteln möchten, um Feedback zu erhalten. "Experten schätzen, dass diese Form der Kontaktaufnahme in Zukunft etwa ein Viertel der Behandlungsfälle ausmachen wird", so Daniel Zehnich, Leiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank). Er stellte in diesem Zusammenhang auf dem Kongress die Ergebnisse einer Befragung unter rund 1.000 gesetzlich wie privat versicherten erwachsenen Patienten vor.

Ärzte wünschen sich digitale Unterstützung in der Administration

Bei der Art der Kommunikation ziehen die Befragten den sprechenden Austausch via Telefon und Video-Sprechstunde gegenüber dem schriftlichen Austausch via E-Mail und Textnachricht vor. Von den digitalen Angeboten wünschen sich die Umfrageteilnehmer am meisten die Online-Terminvereinbarung (59 Prozent), wobei nur die Hälfte von ihnen diese auch bereits heute regelmäßig in Anspruch nimmt. Im Hinblick auf digitale Anwendungen erklärten sich 62 Prozent der Befragten bereit, ihre Gesundheitsdaten im Rahmen einer elektronischen Gesundheitsakte an Ärzte und Apotheker weiterzugeben.

Andere Untersuchungen der apoBank zeigen, dass sich Ärzte solche digitalen Anwendungen wünschen, die sie in der Administration und Dokumentation unterstützen beziehungsweise entlasten, um sich mehr der Patientenbehandlung widmen zu können. Die apoBank hat unter dem Namen apoHealth ein digitales Kompetenzzentrum gegründet mit dem Ziel, digitale Vorteile schon heute nutzbar und erlebbar zu machen. Dort werden künftig alle Ideen und Projekte rund um das Thema Digital Health gebündelt.

Gesundheitsakte Vivy: Patient soll Herr seiner Daten bleiben

Wie eine elektronische Gesundheitsakte funktionieren könnte, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der DAK Gesundheit, Andreas Storm, am Beispiel des neuen Projektes Vivy. Über diese digitale Plattform haben GKV- und Privatpatienten die Möglichkeit, ihre persönlichen Gesundheitsdaten in einer App zu verwalten. Die DAK hebt hervor, dass die Nutzer alleine entscheiden, welche Informationen sie in der App speichern und an wen sie diese weitergeben möchten. Das können beispielsweise Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, Medikationspläne, Notfalldaten und Impfinformationen sein. Die systemübergreifende Lösung Vivy wird unterstützt von der BITMARCK, dem IT-Dienstleister von mehr als 90 gesetzlichen Krankenkassen sowie von privaten Krankenkassen wie der Privaten Krankenversicherung der Allianz AG, der Barmenia, der Gothaer und der Süddeutschen Krankenversicherung. Insgesamt können also rund 25 Millionen Versicherte auf diese App zugreifen.

Für Andreas Storm steht neben dem Mehrwert der Patienten auch der Nutzen für Ärzte und weitere Leistungserbringer im Vordergrund. "Vivy ist ein offenes System, keine geschlossene Plattform. Uns war von Anfang an nicht nur der Dialog, sondern auch die Einbeziehung der Ärzte wichtig. Die eGesundheitsakte kann nur dann funktionieren, wenn Vivy als ein lernendes System kontinuierlich weiterentwickelt wird." Nur auf diese Weise könnten Zusatzwünsche von Versicherten bei der Anwendung berücksichtigt werden. Der Datenschutz bei Vivy werde maximal gewährleistet, unterstrich der DAK-Vorstandsvorsitzende. Will der Versicherte Daten teilen, etwa Befundergebnisse für einen Facharzt, muss er dies aktiv für jeden Einzelfall genehmigen. "Das bedeutet zugleich, dass die Krankenkasse keinen Zugriff auf die Daten in der elektronischen Gesundheitsakte hat."

Vivy biete Chancen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen, ist Andreas Storm überzeugt. "Die elektronische Patientenakte kann nur dann zu einem Erfolg werden, wenn die Gesundheitsakteure im engen Austausch sind. Wir als Krankenkasse legen nicht nur Wert auf das Feedback der Versicherten, sondern wollen in einem regelmäßigen Austausch  mit der Ärzteschaft, den Krankenhäusern und Apotheken stehen, um die Gesundheitsakte weiterzuentwickeln." Wichtig in dem Zusammenhang sei, dass die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen stimmten. Dazu gehöre unter anderem, einen Masterplan mit jährlichen Fortschrittsberichten einzuführen, Interoperabilität herzustellen, den Aufbau der Telematik-Infrastruktur zu beschleunigen und den Datenschutz konkret und verbindlich zu regeln.

Künstliche Intelligenz entlastet Ärzte von Routinetätigkeiten

Großes Potenzial bei der künstlichen Intelligenz (KI) in der medizinischen Versorgung sieht der Geschäftsführer Dr. Dr. Andreas Weimann von Labor Berlin, einem gemeinsamen Tochterunternehmen der Berliner Charité und des Klinikkonzerns Vivantes. Der Einsatz von KI-Programmen in der Diagnostikinterpretation, zum Beispiel in der Mikrobiologischen Labordiagnostik, macht jedoch insbesondere im Zusammenhang mit numerischen Daten Sinn: Das heißt, die Befunde lassen sich in den Zahlen 0 oder 1 ausdrücken und sind – im Gegensatz zu Bildinformationen – vergleichsweise leicht zu interpretieren.

Derzeit werden im Unternehmen im Rahmen einer Testphase mehrere Millionen bakteriologische Befunde und Antibiogramme vom KI-Programm erfasst. Rund 20.000 mikrobiologische Befunde täglich müssen dabei von Laborärzten validiert werden, was einem zeitlichen Aufwand von rund 16 Stunden pro Tag entspricht. Da in der Regel nur etwa drei Prozent der Befunde auffällig sind, also vom Standard abweichen, erfordert das Auslesen dieser Befunde besondere ärztliche Aufmerksamkeit.

"Mithilfe von 'Machine Learning' der KI-Programme hoffen wir, auffällige Befunde besser identifizieren und separieren zu können", betonte der Geschäftsführer von Labor Berlin. "Unsere Fachärzte für Mikrobiologie können sich somit auf die wenigen Befunde konzentrieren, die Auffälligkeiten aufweisen. Wir sparen dadurch erheblich redundante Routinetätigkeiten ein und die Ärzte können ihre Kompetenz dort einsetzen, wo sie wirklich erforderlich ist." Darüber hinaus helfe künstliche Intelligenz bei der Standardisierung und Verbesserung der Qualität.

Geriatrisches Netzwerk setzt auf digitalen Austausch

Die vom Innovationsfonds geförderte elektronische Fallakte der Universitätsmedizin Mainz soll die digitale Kommunikation zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor verbessern. Versprochen wird eine Kooperation auf Augenhöhe zwischen Klinik- und weiterbehandelndem Hausarzt.

Der Krankenhausreport 2017 der Barmer Ersatzkasse brachte es ans Tageslicht: In Deutschland liegen immer mehr über 70-jährige multimorbide Patienten im Krankenhaus. So stieg ihre Zahl in den Jahren 2006 bis 2015 um 80 Prozent von 1,1 auf zwei Millionen bettlägerige Personen. "Finanzielle Fehlanreize können jedoch dafür sorgen, dass Geriatrie-Patienten länger als nötig oder kürzer als erforderlich im Krankenhaus versorgt werden", merkt der Report an. In Rheinland-Pfalz begibt sich jeder Geriatrie-Patient, der aus dem Krankenhaus entlassen wird, im Folgejahr durchschnittlich rund zwei Mal erneut in stationäre Behandlung (Rehospitalisation).

Webbasierte Akte enthält alle wichtigen Patientenunterlagen

Ein ganz wesentliches Ziel des E-Health-Projektes GerNe (Geriatrisches Netzwerk) ist es daher, die Rate der stationären Einweisungen geriatrischer Patienten, vor allem die hohe Rate von Rehospitalisationen, zu verringern. Teilnehmende Projektpartner sind neben der Universitätsmedizin Mainz die Geriatrische Fachklinik Rheinhessen-Nahe in Bad Kreuznach, das Marienkrankenhaus Nassau und das St. Marien- und Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen. Zentrale Kommunikationsplattform in dem Netzwerk ist eine webbasierte, elektronische Fallakte. Wird ein Patient aus der stationären Behandlung entlassen, stellt die jeweils teilnehmende Klinik dem weiterbehandelnden Hausarzt die aufbereitete Akte komplett elektronisch zur Verfügung. Dies umfasst alle erhobenen Untersuchungsbefunde, Assessmentergebnisse, Verlaufsberichte, den Medikationsplan zum Zeitpunkt der Entlassung sowie die Empfehlungen zur weiteren Therapie.

Bisher verläuft die Kommunikation zwischen der stationären geriatrischen Fachabteilung und dem niedergelassenen Hausarzt als Einbahnstraße: Im Idealfall bekommt der Patient einen vollständig ausgefüllten Arztbrief mit. "Damit ist die Kommunikation jedoch beendet. Wir wissen nicht, welche Informationen bei den niedergelassenen Kollegen ankommen und wie diese beispielsweise mit dem von uns aufgestellten Medikationsplan umgehen", erläutert Prof. Dr. Roland Hardt, Leiter der Abteilung für Geriatrie an der Universitätsmedizin Mainz, die gegenwärtige Situation. "Unser Ansatzpunkt ist, aus der unidirektionalen Kommunikation eine Kommunikation zu machen, die zwei Wege kennt. Wir wollen wissen, was mit dem Patienten im poststationären Verlauf passiert."

Geriatrischer Konsildienst ist Ansprechpartner bei Rückfragen

Über die webbasierte Fallakte findet ein direkter Austausch statt. "In dem interaktiven Medikationsplan als integraler Bestandteil der Akte kann der niedergelassene Arzt zum Bei- spiel durch Klicks Änderungen vornehmen und Eintragungen machen. Er soll dort im Rahmen des Projektes quartalsweise den Patientenstatus aktualisieren. Außerdem hat er die Möglichkeit, jederzeit in der Klinik zum Patientenfall anzurufen", beschreibt Prof. Dr. Hardt die Vorgehensweise. Ein geriatrischer Konsildienst steht hier zu den Praxissprechzeiten telefonisch für eventuelle Nachfragen zur Verfügung. Alternativ enthält die eFallakte eine Messenger-Funktion, über die der Hausarzt mit dem Konsildienst kommunizieren kann.

Das Monitoring dieser Eintragungen erfolgt durch einen erfahrenen Geriater. Die aktuelle Medikationsliste wird zusätzlich von einem Apotheker der Universitätsmedizin Mainz gesichtet. Durch diese unterstützende Medikationsanalyse wird angestrebt, insbesondere Nebenwirkungen durch potenziell ungeeignete Arzneimittel für ältere Patienten, Wechselwirkungen bei Polymedikation und fehlende Dosierungsanpassungen bei eingeschränkter Nierenfunktion zu vermeiden. "Jeder unnötige Klinikaufenthalt soll verhindert werden. Zugleich wird bei einem positiven Verlauf des Projektes die Rolle des Hausarztes gestärkt", ist Prof. Dr. Hardt überzeugt.

Kein spezielles technisches Equipment für Praxen gefordert

Für den Zugriff auf die Fallakte benötigen die teilnehmenden niedergelassenen Kollegen lediglich einen internetfähigen Computer. Eine spezielle Soft- oder Hardware ist nicht erforderlich. Der Arzt erhält eine Webadresse, mit der er sich auf der Plattform einloggen kann. Wenn der erste Patient eingeschlossen wird, bekommt er zusätzlich ein Passwort und kann dann seine Akte einsehen und gegebenenfalls ändern. Auch der Patient erhält ein Einsichtsrecht in seine Akte, allerdings ohne Bearbeitungsfunktion. Beim Datenschutz würden die strengen Vorgaben der neuen EU-DSGVO beachtet, versichert Prof. Dr. Hardt. "Die Daten befinden sich auf verschiedenen Servern am Interdisziplinären Zentrum Klinische Studien (IZKS) der Unimedizin Mainz. Nur wenn an der Fallakte gearbeitet wird, werden die Befund- und Patientendaten zusammengeführt." Krankenkassen haben keinen Zugriff auf die Daten.

Das Projekt wird vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz unabhängig evaluiert. Zuschussgelder für die Forschungsarbeiten kommen aus dem Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss. Die prospektive Kohortenstudie wird für drei Jahre mit insgesamt rund 3,8 Millionen Euro gefördert. "Voraussetzung ist, dass der Patient in die Teilnahme aktiv einwilligt. Es wird viel Beratungsaufwand nötig sein, die Patienten davon zu überzeugen, dass das Projekt einen konkreten Nutzen für sie hat. Und natürlich müssen die niedergelassenen Kollegen mitmachen. Der betreuende Hausarzt wird vor der Entlassung des Patienten direkt kontaktiert und um Beteiligung gebeten." Einen finanziellen Anreiz gibt es: Die Pflege der Akte durch die niedergelassenen Ärzte wird extrabudgetär mit 54,20 Euro pro Quartal vergütet.

Ziel ist die Senkung der Rehospitalisierung

Bewährt sich die elektronische Fallakte in der Praxis und kommt es zu signifikant weniger zusätzlichen Einweisungen oder Rücküberweisungen, stehen die Chancen gut, dass das Angebot als Selektivvertrag in die Regelversorgung überführt wird. Projektleiter Prof. Dr. Hardt gibt sich optimistisch: "Falls es uns gelingt, die Rehospitalisierungsrate pro geriatrischem Patienten von durchschnittlich 1,85 auf 1,5 zu senken, rechnet sich das bereits ökonomisch für das Gesundheitswesen."

Derzeit sei das IZKS der Unimedizin Mainz mit Volldampf dabei, die elektronische Fallakte zu erstellen. "Wir hoffen, dass wir spätestens im September loslegen können."

Kontakt

Dr. Michael Mohr
Telefon 06131 17-7931
gerne@unimedizin-mainz.de

Weiterführende Links

www.unimedizin-mainz.de | GerNe

Bundesregierung strebt Ausbau von E-Health an

Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen will das Bundesgesundheitsministerium aufs Tempo drücken. Erste konkrete Pläne wurden nun bekannt. Im Fokus stehen dabei mobile Anwendungen, der Ausbau der Telemedizin und Nutzbarkeit von Big Data für die Gesundheitsversorgung.

Bereits im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf verständigt, die Telematik-Infrastruktur weiter auszubauen und eine elektronische Patientenakte (ePA) für alle Versicherten in der laufenden Legislaturperiode einzuführen. "Wir wollen neue Zulassungswege für digitale Anwendungen schaffen, die Interoperabilität herstellen und  die  digitale  Sicherheit  im Gesundheitswesen stärken", heißt es dazu im Kapitel "E-Health und Gesundheitswirtschaft". Ebenso sollen die Anwendung und Abrechenbarkeit telemedizinischer Leistungen ausgebaut werden. Die Koalitionäre versichern, dass die Datenspeicherung dabei den strengen Anforderungen des Datenschutzes unterliegt.

Persönliche Gesundheitsdaten sollen über mobile Anwendungen einsehbar sein

Konkreter wird das Bundesgesundheitsministerium (BMG) in seinem vorgelegten Strategiepapier "Digitalisierung als Schlüssel für unser Gesundheitswesen von morgen". Damit der Aufbau einer sicheren Infrastruktur für den Austausch von Patientendaten "schnellstmöglich" erfolgen kann, sollen Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenkassen miteinander vernetzt werden. Die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur ist dabei nur der erste Schritt. Im nächsten Schritt soll dann die elektronische Patientenakte realisiert werden.

Gegenüber der Presse hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hierzu genauer positioniert. Vorgesehen ist, dass Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen spätestens ab 2021 auch per Handy und Tablet ihre Gesundheitsdaten einsehen können. Dies solle "nicht das Ende der Gesundheitskarte, aber eine zusätzliche Option" sein, sagte der Minister im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Spahns Äußerung deckt sich mit Punkt 2 des Strategiepapiers, nämlich die "Vorteile mobiler Anwendungen zu erschließen und Marktzugänge für gute digitale Anwendungen zu erleichtern". Patienten sollen mehr Möglichkeiten erhalten, für ihre Erkrankung relevante Daten zu erfassen und zu speichern, ihren Verlauf zu kontrollieren und die Daten mit den sie Behandelnden zu teilen.

Als weiteres Ziel nennt das BMG, die Telemedizin weiter voran- zubringen. Das dafür wichtige Instrument, der Innovationsfonds, fördert Versorgungsansätze, die über die derzeitige Regelversorgung hinausgehen. "Wir wollen die positiven Signale des Deutschen Ärztetages zur Änderung zum Fernbehandlungsverbot  aufnehmen",  greift  das  Strategiepapier  den Beschluss auf. Dazu will sich der Bundesgesundheitsminister mit Vertretern der Ärzteorganisationen, der Krankenkassen und des BMG und des Deutschen Pflegerates am runden Tisch über Lösungsansätze und bestehende Hürden bei der Anwendung und Abrechenbarkeit telemedizinischer Leistungen austauschen.

Zweites E-Health-Gesetz soll bis Ende 2018 stehen

In den Blick nimmt das Papier unter Punkt 4 die Big-Data-Technologien, die "für geeignete Indikationen am Punkt der Regelversorgung in Klinik und Niederlassung nutzbar" gemacht werden sollen. "Unser Ziel muss es sein, die Daten in Zukunft zu nutzen, um Zusammenhänge aufzuzeigen und neue Ansätze zu finden, Krankheiten noch besser zu erkennen sowie Behandlungen frühzeitiger einleiten zu können", schreibt das BMG. Aktuell fördert das Ministerium beispielsweise das Projekt "Data Box", in dem modellhaft für die Indikation Lungenkrebs ein neuer, patientenzentrierter Ansatz für den Einsatz intelligenter Systeme zum Nutzen der Patienten in Prävention, Diagnostik und Therapie entwickelt wird. Ziel des "Data Box"-Projektes  ist es, aus den Informationen verschiedener Datenquellen Erkenntnisse zu gewinnen, die die Versorgung der an Lungenkrebs erkrankten Menschen verbessern sollen.

Bis Ende dieses Jahres will das BMG im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie ein "E-Health-Gesetz II" vorlegen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Tino Sorge, Berichterstatter seiner Fraktion für Digitalisierung und Gesundheitswirtschaft, sieht es als notwendig an, technische Insellösungen miteinander kompatibel zu machen. Andere Medien wie Smartphones  und implantierbare Chips sollten ergänzend zur elektronischen Gesundheitskarte an das System angeknüpft werden. "Die Zersplitterung der technischen Lösungen im Markt mit Abschottungsstrategien muss beendet werden", forderte der CDU-Gesundheitspolitiker auf dem Gesprächskreis Gesundheit des Bundesverbandes Medizintechnologie.

KBV-Vorstoß für Datenaustausch über eArztakte

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht es ebenfalls als problematisch an, dass Dokumente verschiedener Praxisverwaltungssysteme (PVS) oder Geräte oft nicht kompatibel sind oder weiterverarbeitet werden können. Daher hat die KBV ein Konzept für eine elektronische Arztakte ausgearbeitet, um den Austausch von Befunden zu standardisieren. "Wir möchten, dass in jedem PVS ein EKG sofort als EKG erkannt und eingelesen werden kann", betont Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. "Für den Arzt verändert sich erst mal nicht viel, außer dass seine Daten elektronisch strukturiert und indexfähig suchbar abgelegt werden." Denkbar sei, dass die KBV für die Ablage einheitlicher Dateiformate im PVS eine technische Richtlinie erstellt.

Mit der sogenannten eArztakte könne der Arzt seine Daten aus dem PVS sowohl exportieren als auch andere Arztdaten importieren, erklärt Dr. Hofmeister. Dabei sollen sich durch einheitliche Dateiformate beispielsweise Laborbefunde, Röntgen-Bilder und EKG nahtlos in die entsprechenden Bereiche des PVS einsortieren. Auf Wunsch des Patienten ist ein Datenaustausch mit der vom Gesetzgeber vorgesehenen ePA möglich – sowohl Import als auch Export. Hierbei würde es sich lediglich um unveränderbare Befundkopien handeln, die der Patient abspeichern und auf eigenen Wunsch an andere Ärzte weiterleiten kann.

KVen lehnen einen Datenzugriff von außen strikt ab

Bezüglich eines strukturierten und sicheren Austausches von medizinischen Behandlungsdaten haben sich sowohl die Vorstände der KBV als auch der KVen eindeutig positioniert: Sie erteilen einem direkten Zugriff in die PVS der Vertragsärzte und -psychotherapeuten von außen und dem Auslesen von Behandlungsdaten eine klare Absage. "Wir werden im Sinne unserer Mitglieder nicht zulassen, dass diese besondere Beziehung zu unseren Patienten durch technische Lösungen aufgebrochen wird, die einen direkten Zugriff in die vertrauliche Arztdokumentation beinhalten", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Die Datenhoheit für die ePatientenakte müsse beim Patienten liegen.

Unterstützung für diese Position signalisierten politische Vertreter. "Transparenz heißt für mich, dass der Patient Souverän seiner Daten ist. Er soll eben nicht zum gläsernen Bürger werden. Vielmehr soll er den Anspruch haben, alle seine Daten zu kennen", bekannte sich der Leiter der neuen Abteilung Digitalisierung im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Gottfried Ludewig, im Interview mit der Ärztezeitung. Auch von Krankenkassenseite kommen beruhigende Stellungnahmen. "Auf die medizinischen Daten der Versicherten haben zu jedem Zeitpunkt nur sie selbst oder die von ihnen ermächtigte Ärzte Zugriff, niemals die Krankenkasse oder ein von ihr beauftragter Betreiber", bestätigte der AOK-Vorstandsvorsitzende Martin Litsch.

Materialien

BMG (Hrsg.): Digitalisierung als Schlüssel für unser Gesundheitswesen von morgen. Zur Digitalisierungsstrategie des Bundesministeriums für Gesundheit. Berlin, Mai 2018.

Weitere Produkte im Telematik-Markt

Der Markt für die Komponenten zur Anbindung an die Telematik-Infrastruktur (TI) ist in Bewegung. Bei den Konnektoren und den mobilen Kartenterminals wurden weitere Hersteller zugelassen.

Nach den abgeschlossenen Nachverhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband zur Kostenerstattung der TI-Installation steigt die Zahl an Neuzulassungen wichtiger Komponenten. So hat der VSDM-Konnektor der T-Systems International GmbH das Zulassungsverfahren der Betreibergesellschaft gematik erfolgreich durchlaufen. Das Gerät kam im August flächendeckend auf den Markt. Damit könnten weitere Ärzte und Psychotherapeuten ihre Praxis möglichst bald an die TI anschließen lassen.

Für die Anbindung der Arztpraxen an die Telematik-Infrastruktur sind mehrere Produkte und Dienste der Industrie notwendig, die von der gematik zugelassen werden müssen, wie beispielsweise der Konnektor. Er verbindet die IT-Systeme medizinischer Einrichtungen mit der Telematik-Infrastruktur. Der Konnektor ist mit einem Router vergleichbar, jedoch mit einem deutlich größeren Funktionsumfang und einem sehr hohen Sicherheitsniveau. Dabei wird ein sogenanntes virtuelles privates Netzwerk (VPN) zur TI hergestellt, was eine Kommunikation unter Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologien völlig abgeschirmt vom Internet ermöglicht.

Mobile Kartenterminals nur für den mobilen Einsatz geeignet

Darüber hinaus hat die gematik insgesamt drei mobile Kartenterminals zugelassen. Es stehen somit alle erforderlichen Komponenten für die Anbindung einer medizinischen Einrichtung an die Telematik-Infrastruktur zur Verfügung. Aktuell haben drei Hersteller mobile Kartenterminals auf den Markt gebracht; Bestandsgeräte zweier Firmen können mit einem Update nach- gerüstet werden (siehe Tabelle). Das  mobile  Kartenterminal ist nur für den mobilen Einsatz vorgesehen; das Versichertenstammdaten-Management (VSDM) ist darüber nicht möglich. Für den Betrieb eines mobilen Kartenterminals wird ein Praxisausweis oder ein eHBA zur Identifikation benötigt. Anspruch auf ein mobiles Kartenterminal haben Ärzte, die Haus- und Pflegeheimbesuche durchführen, die meisten Anästhesisten sowie Praxen mit ausgelagerten Praxisstätten.

Unerlässlich zur TI-Anbindung ist der elektronische Praxisausweis. Ärzte und Psychotherapeuten benötigen hier die sogenannte SMC-B (Security Module Card Typ B). Dadurch wird es überhaupt erst möglich, dass sich Praxen gegenüber dem digitalen Gesundheitsnetzwerk als medizinische Einrichtung authentifizieren können. In Rheinland-Pfalz wurden mit Stand zum 5. September jedoch erst 1.617 Praxisausweise beantragt; den Bescheid zur Refinanzierung erhielten 927 Praxen. Bundesweit hat die CompuGroup Medical nach eigenen Angaben (Stand 13. August 2018) rund 17.500 ärztliche und 7.500 zahnärztliche Praxen mit dem Konnektor ausgestattet. Vor diesem Hintergrund ist es weiterhin äußerst fraglich, dass bis Jahresende alle Praxen flächendeckend ausgestattet werden können.

Forderungen nach Verschiebung der Sanktionsfrist stoßen auf Widerhall

Seit Langem fordern die KBV wie auch die KV RLP daher, den Zeitpunkt für die verpflichtende Anbindung aller Praxen und Medizinischen Versorgungszentren an die TI erneut um ein halbes Jahr zu verschieben. Das E-Health-Gesetz sieht Honorarkürzungen vor, wenn Praxen ab 2019 nicht die Versichertendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte online abgleichen können. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel wies darauf hin, dass es nicht die Schuld der Ärzte und Psychotherapeuten sei, wenn der Termin nicht eingehalten werden kann. Die meisten von ihnen hätten bereits Vorbereitungen getroffen, bekämen jedoch keine Geräte. Aus der Politik kommen inzwischen vereinzelt Stimmen, die auf die Ärzteseite zugehen wollen. Zum Beispiel äußerte der CDU-Bundestagsabgeordnete und Gesundheitspolitiker Tino Sorge, dass Ärzte vor ungerechtfertigten Sanktionen zu schützen seien. "Ab sofort sollte bereits der Zeitpunkt der verbindlichen Bestellung des Konnektors aus- schlaggebend sein für die Erstattung – und nicht erst der Moment der Inbetriebnahme. Sonst werden Ärzte für Verzögerungen auf Herstellerseite bestraft, die sie nicht zu verantworten haben."

Kostenerstattung notfalls per Vertragsklausel garantieren lassen

Zugleich setzt sich die KBV dafür ein, dass die mit den Krankenkassen ausgehandelten höheren Erstattungsbeiträge alle entstandenen TI-Kosten abdecken. Die beiden großen Konnektor- Hersteller hätten laut Dr. Kriedel bereits erklärt, ihre Geräte innerhalb der neu vereinbarten Pauschalen liefern zu wollen. Diese Zusage gelte allerdings zunächst für das dritte Quartal 2018. Deshalb hat sich der Vorstand der KBV an den Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg gewandt. Der Branchenverband solle seinen Mitgliedern empfehlen, von ihren Kunden nur die Beiträge zu verlangen, die durch die Zahlungen der Krankenkassen gedeckt seien.

Generell rät die KBV, die notwendige TI-Ausstattung jetzt beim PVS-Hersteller oder IT-Betreuer zu bestellen. Sofern von Anbieterseite nicht gewährleistet, sollten Praxen sich in einer Klausel schriftlich zusichern lassen, dass sie nur so viel bezahlen müssen, wie sie von den Krankenkassen erstattet bekommen. Andernfalls sei es besser, mit der Bestellung noch zu warten.

Kontakt

Telematik-Hotline
Telefon 0651 4603 200

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Online-Terminservice stärkt Profil der Arztpraxis

Der Anteil der Praxen mit einer eigenen Internetpräsenz steigt. Da liegt es nahe, als besonderen Service für Patienten mit einem Online-Terminbuchungssystem zu punkten.

Einen Termin per Mausklick beim Haus- oder Facharzt buchen – diese Möglichkeit bietet nur ein kleiner Teil der Praxen an. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom von 2016 haben erst 13 Prozent der Deutschen die Online-Terminvereinbarung genutzt. Weitere 33 Prozent konnten sich vorstellen, dies in Zukunft zu tun. Immerhin jeder zehnte Verbraucher hat sich schon einmal per SMS oder E-Mail an Termine oder fällige Vorsorgeuntersuchungen erinnern lassen, 49 Prozent sind an diesem Service interessiert. "Patienten sind damit wichtige Treiber der Digitalisierung im Gesundheitswesen", stellt der Bitkom-Geschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder fest.

Zahl der Anrufe kann sich laut Studie deutlich verringern

Für das Marketing einer Arztpraxis eignet sich die Einführung eines Online-Terminmanagementsystems (OTMS) hervorragend, wie schon eine Forschungsarbeit des Karlsruher Instituts für Technologie von 2015 als Fazit zog. Zugleich können OMTS dazu beitragen, das Serviceangebot für Patienten zu verbessern und interne Prozesse im Praxismanagement zu optimieren. Eine Pilotstudie kam zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der geführten Telefonate in der Rheumatologie (-11 Prozent) und in der Dermatologie (-25 Prozent) deutlich verringerten. Entscheidend für den Erfolg sei dabei, dass das Terminbuchungsformular prominent auf der Praxiswebsite verlinkt ist und bei besetzter Leitung oder außerhalb der Sprechstundenzeiten auf dem Anrufbeantworter ein entsprechender Hinweis gegeben wird.

Wenn Arztpraxen kein eigenes Online-Terminmanagement vorhalten wollen, haben Sie die Möglichkeit, mit externen Dienstleistern zu kooperieren, die entsprechende kostenpflichtige Online-Services anbieten. In der Regel loggen sich Patienten über eine Online-Plattform ein und suchen an ihrem Wohnort nach einem freien Termin. Dieser wird dann in Echtzeit abgeglichen und entsprechend vergeben. Alle Terminbuchungen laufen in einem zentralen elektronischen Kalender zusammen, die der Arzt bei kurzfristigen Änderungen aktualisieren kann. Viele Anbieter ermöglichen es, dass der Arzt bestimmte Buchungsregeln anlegen kann. Ein weiteres häufig angebotenes Feature ist, dass Patienten einen Tag vorher eine automatische Terminerinnerung erhalten, sei es per E-Mail oder SMS.

Informationspflichten bei Kooperation mit Dienstleistern

Entscheiden sich Praxisinhaber für ein Online-Terminbuchungssystem und greifen dabei auf externe Dienstleister zurück, müssen sie die Nutzer auf ihrer Website darauf hinweisen. Dies
ist immer dort der Fall, wo der Webserver nicht selbst durch die und in der Arztpraxis betrieben wird, sondern diese auf sogenannte Hosting-Provider zurückgreift. Im Kern geht es darum, die Nutzer darüber zu informieren, dass ihre personenbezogenen Daten gegebenenfalls anderen Stellen als dem Anbieter der Homepage zur Kenntnis gelangen. Von besonderer Bedeutung ist dies dann, wenn Serviceleistungen wie Terminbuchung oder Rezeptbestellung angeboten werden. Aber auch bei der Erfassung und Auswertung der Zugriffe auf die Praxis-Homepage bestehen nach der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (Art. 13, 14) nun deutlich ausgeweitete Informationspflichten.

Sinnvollerweise sollten die Informationen daher in einer "Datenschutzerklärung" vorgehalten werden, die analog den Anforderungen an das Impressum leicht erkennbar und unmittelbar erreichbar sein soll. Werden für die Terminreservierung Online-Formulare zur Übertragung von Daten an die Praxis angeboten, so sollte ein Hinweis auf den Sicherheitsstandard der Übermittlung (verschlüsselte Übertragung) und die Verwendung der übermittelten Daten und deren eventuelle Weitergabe erfolgen.

Weiterführende Links

www.mit-sicherheit-gut-behandelt.de

Zuckerbrot und Peitsche

Das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgelegte Eckpunktepapier zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) ist unter Ärzten umstritten. Die KV RLP sieht zwar erste Schritte zur Entbudgetierung, kritisiert aber Eingriffe in die Praxisorganisation.

Der wohl am meisten diskutierte Punkt im Spahn´schen Gesetzesentwurf dürfte die Ausweitung des Sprechstundenangebots sein. Bereits im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, das Mindestsprechstundenangebot der Vertragsärzte für die Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten von 20 auf 25 Stunden zu erhöhen. Dieses Vorhaben findet sich nun eins zu eins im Eckpunktepapier wieder. Hierzu soll die Zulassungsverordnung für Ärzte entsprechend geändert werden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen werden verpflichtet, die Sprechstundenzeiten der Vertragsärztinnen und Vertragsärzte zu veröffentlichen.

Offene Sprechstunde mindestens fünf Stunden wöchentlich

Darüber hinaus müssen Arztgruppen der "grundversorgenden und wohnortnahen Patientenversorgung" mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde anbieten. Diese werden "unter bestimmten Voraussetzungen extrabudgetär vergütet". Bis spätestens 31. März 2019 müssen die Bundesmantelvertragspartner regeln, inwieweit Besuchszeiten auf die Mindestsprechstundenzeiten angerechnet werden und welche Arztgruppen diese offenen Sprechstunden anzubieten haben.

Ganz nach dem Prinzip "Zuckerbrot und Peitsche" setzt das Eckpunktepapier aber auch auf Honoraranreize in Form von extra- budgetären Vergütungen. Im Einzelnen sind folgende Leistungen gemeint:

  • Vermittlung von dringlichen Terminen durch den Hausarzt an den Facharzt. Hierzu muss bis zum 1. April 2019 im EBM eine Regelung getroffen werden. Andernfalls können Hausärzte für diese Leistung jeweils einen Betrag in Höhe von zwei Euro abrechnen.

  • Behandlung von Patienten, die über die Terminservicestelle (TSS) vermittelt wurden

  • Versicherten- und Grundpauschale

    - sowie deren erhöhte Bewertung bei neuen Patienten der Arztpraxis
    - in der „zusätzlichen“ offenen Sprechstunde

  • Behandlung von Akut- und Notfällen während der Sprechstundenzeiten

Einen höheren Stellenwert im Sprechstundenangebot sollen die TSS erhalten, die zu "neuen Servicestellen mit zusätzlichen Aufgaben" weiterentwickelt werden. Künftig müssen die Terminservicestellen auch Termine bei Haus- und Kinderärzten vermitteln. Um diese neue Servicestelle besser erreichen zu können, ist vorgesehen, dass die bundesweit einheitliche Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117, die bisher außerhalb der üblichen Sprechzeiten galt, nun rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche erreichbar ist. Dabei soll die neue Servicenummer in das Konzept der gemeinsamen Notfallleitstellen des Sachverständigenrats integrierbar sein. Ergänzend zur TSS soll ein Angebot für ein elektronisch gestütztes Wartezeitenmanagement bei der Terminvermittlung geschaffen werden.

Warnung vor Eingriff in die Praxisorganisation

Dr. Andreas Bartels, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV RLP, kritisiert die angedachte Erhöhung des Mindestsprechstundenangebotes als viel zu kurz gedacht: "Abgesehen von der fehlenden Finanzierungsfrage wird vollkommen außer Acht gelassen, dass die niedergelassenen Mitglieder schon heute über 50 Stunden arbeiten." Zwangsmaßnahmen wie Eingriffe in das Sprechstundenangebot der Praxen würden nur dazu führen, weitere Ärzte von einer Niederlassung abzuschrecken. In den extrabudgetären Vergütungskonzepten sieht die KV RLP erste Schritte zur Entbudgetierung.

Ablehnend äußert sich der KV RLP-Vorstandsvorsitzende Dr. Peter Heinz zum Vorhaben, die 116117 mit der 112 zusammenzulegen. Dies sei eine "folgenschwere Bevormundung" des Patienten. "Bisher wird dem Patienten zugetraut, selbst einzuschätzen, ob in der jeweiligen Krankheitssituation ein bedrohlicher Notfall vorliegt. Diese Selbstselektion des Patienten würde bei einer einheitlichen Rufnummer komplett entfallen."

Auch der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen sieht die Gefahr, dass die Politik viel zu stark in die Abläufe der einzelnen Praxis eingreift. Ärzte seien Freiberufler und müssten ihre Arbeit frei gestalten können. Eine Verbesserung der Versorgung sei dadurch nicht zu erwarten – im Gegenteil. Chaos und längere Wartezeiten würden die Folge sein. Angesichts der Personalknappheit in den Praxen warnte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister: "Die offenen Sprechstunden werden in der Regel nicht die Kranken nutzen, die schnell ärztliche Hilfe benötigen. Denn diese Menschen sollen und können nicht stundenlang im Wartezimmer sitzen." Das Gleiche gelte für chronisch Kranke, für die die Praxen dann weniger freie Termine hätten. Gleichwohl sieht die KBV als positiven Effekt, dass diese Mehrleistung mit deutlich mehr Geld vergütet werden soll.

Mit dem TSVG sollen zugleich weitere Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der flächendeckenden vertragsärztlichen Versorgung beschlossen werden. Das Gesetz sieht im Einzelnen vor:

Regionale Zuschläge

Sie sind zur Sicherstellung bei eingetretener oder drohender ärztlicher Unterversorgung sowie bei einem zusätzlichen lokalen Versorgungsbedarf obligatorisch zur besonderen Unterstützung von Ärzten zu zahlen. Wann eine Unterversorgung vorliegt oder droht, stellt der Landesauschuss der Ärzte und Krankenkassen fest.

Strukturfonds verbindlicher, finanzstärker und flexibler

Die Bildung eines Strukturfonds wird künftig für alle KVen verpflichtend. Die Mittel hierfür werden von mindestens 0,1 Prozent auf bis zu 0,2 Prozent der vereinbarten Gesamtvergütung verdoppelt. Die möglichen Verwendungszwecke werden erweitert, beispielsweise für Investitionskosten bei Praxisübernahmen oder die Förderung von lokalen Gesundheitszentren für die medizinische Grundversorgung.

Eigeneinrichtungen durch KVen

Die KVen werden verpflichtet, Eigeneinrichtungen in unterversorgten oder in drohend unterversorgten Gebieten zu betreiben. Dies kann durch Kooperationen oder gemeinsam mit Krankenhäusern erfolgen. Alternativ können KV-Eigeneinrichtungen durch Patientenbusse, mobile Praxen oder digitale Sprechstunden betrieben werden.

Medizinische Versorgungszentren

  • Die bisherige generelle Möglichkeit zur Nachbesetzung einer Angestellten-Arztstelle wird auf ein sachgerechtes Maß beschränkt.

  • Um zu verhindern, dass einem MVZ im Falle des Ausscheidens aller Gründer eines MVZ die Zulassung entzogen wird, können angestellte Ärzte Gesellschafteranteile übernehmen, solange sie im MVZ tätig sind.

  • Der Zulassungsausschuss hat auf einen im Rahmen eines Nachbesetzungsverfahrens ausgeschriebenen Vertragsarztsitz das besondere Versorgungsangebot des MVZ zu berücksichtigen.

  • Die Möglichkeit der Gründung eines MVZ durch Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen wird auf fachbezogene MVZs begrenzt.

  • Praxisnetzen wird ebenfalls künftig die Möglichkeit gegeben, in unterversorgten Regionen MVZ zu gründen.

Bedarfsplanung

Zulassungsbeschränkungen für Rheumatologen, Psychiater und Pädiater werden zunächst befristet aufgehoben. In ländlichen Gebieten sollen Zulassungssperren für die Neuniederlassung von Ärzten entfallen. Welche Gebiete betroffen sind, werden die betroffenen Bundesländer entscheiden. Sie können trotz Zulassungsbeschränkungen für Planungsbereiche zusätzliche Arztsitze in den von ihnen bestimmten ländlichen Regionen beantragen. Dafür erhalten die Länder gleichzeitig Mitberatungs- und Antragsrecht im Zulassungsausschuss. Generell sollen bis Mitte nächsten Jahres die Bedarfsplanungs-Richtlinie weiterentwickelt und die Regelungskompetenzen des Gemein- samen Bundesausschusses erweitert werden.

Sektorenübergreifende Verträge und EBM-Reform

Das Eckpunktepapier enthält noch weitere Reformansätze. Zu den für die Vertragsärzte relevantesten dürfte zum einen die Aufwertung der zuwendungsorientierten ärztlichen Leistungen – sogenannte sprechende Medizin – zählen. Der Bewertungsausschuss wird damit beauftragt, dem BMG bis zum 31. März 2019 eine kostenneutrale EBM-Reform vorzulegen. Um die sprechende Medizin im EBM höher zu vergüten, sollen ausgleichend mögliche Über- und Fehlversorgungen in der technisch-apparativen Diagnostik abgebaut und die Bewertung der Leistungen aufgrund des technischen Fortschritts aktualisiert werden.

Peter Andreas Staub, Mitglied im Vorstand der KV RLP, beurteilt die Überprüfung der technischen und nicht technischen Anteile der Vergütung mit einer Fristsetzung Mitte 2019 als sinnvoll. Staub: "Gerade die Vorgaben hinsichtlich einer angemessenen Vergütung aller zeitgebundenen psychotherapeutischen und psychiatrischen Leistungen sollten allerdings präziser ausfallen, so reicht das nicht aus." Außerdem sollten diese Leistungen dauerhaft extrabudgetär vergütet werden, um eine bedarfsgerechte Finanzierung sicherzustellen. Die im TSVG vorgesehenen finanziellen Anreize zur Aufnahme neuer Patienten sollten auch auf die Psychotherapie ausgedehnt werden. Dazu sollten die Bewertungen der sehr zeitaufwendigen psychotherapeutischen Sprechstunde und der Akutbehandlung angehoben werden.

Eine weitere relevante Änderung betrifft die sektorenübergreifende Versorgung: Bei dreiseitigen Verträgen zwischen KBV, GKV-Spitzenverband und Deutscher Krankenhausgesellschaft entscheidet im Konfliktfall ein eigenständiges sektorenübergreifendes Schiedsgremium. "Mit dem neuen sektorenübergreifenden Entscheidungsgremium zur Konfliktlösung werden Kompetenzen gebündelt und eine sachgerechte, interessengerechte und zügige Konfliktlösung sichergestellt", so der Wortlaut im Eckpunktepapier.

Vorstand der KV RLP: Umfassende Entbürokratisierung ist erforderlich

Beim Vorstand der KV RLP lösen die geplanten Reformansätze ein geteiltes Echo aus. Ausdrücklich wird begrüßt, dass zumindest für einzelne Fachgebiete die Zulassungsbeschränkungen in ländlichen Gebieten aufgehoben werden sollen. Damit fühlt sich der Vorstand in seiner Forderung nach einer Reform der als Niederlassungsverhinderungsinstrument eingeführten Bedarfsplanung bestätigt. Grundsätzlich offen zeigt sich der Vorstand für neue Versorgungsformen wie KV-Eigeneinrichtungen. Entscheidend sei, dass diese in ärztlicher Hand blieben. Langfristiges Ziel sei es, Eigeneinrichtungen so zu konstruieren, dass sie später wieder an selbstständig tätige Ärzte übergeben werden könnten.

Auf ein klares Nein stößt beim Vorstand der Spahnsche Gesetzesvorstoß, dass KVen Eigeneinrichtungen in unterversorgten oder in drohend unterversorgten Gebieten gründen müssen. "Unerlässlich für uns ist, dass die KV RLP nach wie vor aus einem Strauß an Sicherstellungsinstrumenten wählen kann, passend für die jeweilige Versorgungssituation in der Region", unterstreicht Dr. Heinz. Auch gebe es bei der Finanzierung des laufenden Betriebs einer solchen Einrichtung noch Klärungsbedarf.

Insgesamt bedarf es zur Bekämpfung des Ärztemangels deutlich mutigerer Weichenstellungen wie eine umfassende Entbürokratisierung und eine finanzielle wie unternehmerische und vor allem medizinische Handlungsfreiheit innerhalb des freien Arztberufs.

Politik

Jobsharing-Urteil hat Folgen für Gemeinschaftspraxen

In seinem Urteil vom 24. Januar 2018 fordert das Bundessozialgericht (BSG), die bisherige arztbezogene Berechnung beim Jobsharing auf die gesamte Praxis auszuweiten. Das macht Jobsharing vor allem für Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) unattraktiv.

Beim Jobsharing teilen sich zwei Ärzte derselben Fachrichtung einen Arztsitz. Dadurch besteht auch in gesperrten Planungsbereichen für den Jobsharing-Junior die Möglichkeit, vertragsärztlich tätig zu werden. Allerdings ist die Praxis in ihrem Leistungsumfang durch eine Punktzahlobergrenze eingeschränkt. Diese Obergrenze wird auf Basis der letzten vier Abrechnungsquartale vor Beginn des Jobsharings berechnet. Wird die Obergrenze durch Ausweitung des Leistungsumfangs überschritten, werden die zusätzlichen Leistungen nicht vergütet. Jobsharing eignet sich daher vor allem als Form einer mittelfristigen Praxisübergabe oder um Beruf und Familie besser miteinander zu vereinbaren. In Rheinland-Pfalz bildeten bisher zwei Ärzte ein Jobsharer-Paar. Diese beiden Ärzte mussten sich mit der vom Zulassungsausschuss festgelegten Punktzahlobergrenze einverstanden erklären. Einige Leistungen blieben bei der Punktzahlobergrenze unberücksichtigt, sodass die Ärzte diese Leistungen ohne Begrenzung erbringen konnten. Sowohl für die Bildung des Jobsharings als auch für die zu berücksichtigenden Leistungen gibt es mittlerweile präzisierende Urteile des Bundessozialgerichts.

Bestehende Jobsharing-Konstellationen genießen Vertrauensschutz

Das aktuelle BSG-Urteil von Anfang dieses Jahres stellt nun klar, dass die Punktzahlobergrenze als Begrenzungsmaßnahme für die gesamte Praxis gilt. Bisher konnte in Rheinland-Pfalz ein Jobsharer-Paar mit einer Punktzahlobergrenze praktizieren, während weitere Ärzte derselben Praxis ohne Einschränkung abrechnen konnten. Dieses BSG-Urteil wird mittlerweile in den Beschlüssen des Zulassungsausschusses für neue Jobsharing-Konstellationen umgesetzt. Bereits bestehende Jobsharing- Konstellationen und die bislang nicht begrenzten Partner der Praxis genießen Vertrauensschutz und sind zunächst durch das BSG-Urteil nicht betroffen.

Erst bei einer Änderung der Jobsharing-Konstellation wird der Zulassungsausschuss eine neue Punktzahlobergrenze für die Gesamtpraxis festlegen. Für Einzelpraxen, die ein Jobsharing eingehen möchten, hat dies keine Auswirkungen. Für Gemeinschaftspraxen macht das BSG-Urteil das Jobsharing zukünftig jedoch weniger attraktiv, da jetzt die gesamte Praxis der Punktzahlobergrenze und damit einer Leistungsbegrenzung unterliegt. Daher scheidet das Jobsharing für viele Gemeinschaftspraxen in gesperrten Planungsbereichen als Möglichkeit aus, neue Ärzte in das KV-System zu integrieren.

Auch extrabudgetäre Leistungen fallen unter die Punktzahlobergrenze

In einem älteren Urteil vom 15. Juli 2015 hatte das Bundessozialgericht außerdem festgestellt, dass keine vertragsärztlichen Leistungen von der Punktzahlobergrenze ausgenommen werden dürfen. Dies gilt selbst dann, wenn diese Leistungen von den Krankenkassen extrabudgetär vergütet werden. In Rheinland-Pfalz galt die Punktzahlobergrenze bisher nicht für das ambulante Operieren gemäß Kapitel 31 EBM, belegärztliche Leistungen, kurative Koloskopie, Hautkrebsscreening, Palliativversorgung, Früherkennung U7a, MRSA, künstliche Befruchtung und Notfallleistungen. Auch diese Ausnahmeregelungen kann die KV RLP nicht mehr aufrechterhalten.

Um den Praxen ausreichend Zeit zu geben, sich auf diese veränderte Ausgangslage einzustellen, wird die KV RLP die Einbeziehung aller vertragsärztlichen Leistungen in die Leistungsbeschränkung erst mit dem ersten Quartal 2019 umsetzen. Da mit Ausnahme der belegärztlichen Leistungen auch die bislang ausgenommenen Leistungen bei der Festsetzung der Punktzahlobergrenze berücksichtigt wurden, behalten die mitgeteilten Punktzahlobergrenzen der Praxen ihre Gültigkeit. Für Praxen, die belegärztliche Leistungen erbringen, werden die Punktzahlobergrenzen auf Basis der abgerechneten belegärztlichen Leistungen des Jahres 2017 angehoben. Hierzu stellt die KV RLP einen entsprechenden Antrag an den Zulassungsausschuss.

KV RLP bedauert BSG-Urteil

Die KV RLP sieht diese Urteile insbesondere mit Blick auf die negativen Auswirkungen für die Gewinnung neuer Ärzte für die vertragsärztliche Versorgung in gesperrten Planungsbereichen sehr kritisch. Da es sich aber um eine höchstrichterliche und damit bindende Rechtsprechung handelt, müssen diese Urteile in der beschriebenen Form umgesetzt werden. Die betroffenen Praxen wurden bereits Ende Juni 2018 in einem Sonderrundschreiben über die Auswirkungen auf die jeweilige Praxis informiert. Die Praxen haben damit ausreichend Vorlauf, um mögliche Alternativen mit den Zulassungs- und Kooperationsberatern der KV RLP zu besprechen.

Kontakt

Zulassungs- und Kooperationsberatung
Telefon 06131 326-304

Arzneimittelkosten mit zunehmender Tendenz

Das mit den gesetzlichen Krankenkassen vereinbarte Ausgabenvolumen könnte 2018 gesprengt werden.

In Rheinland-Pfalz stiegen die Arzneikosten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 zwischen 4,7 und 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, ist im Jahr 2018 mit einer Überschreitung des zwischen der KV RLP und den Krankenkassenverbänden vereinbarten Ausgabenvolumens und infolgedessen mit Wirtschaftlichkeitsprüfungen – nach Zielquoten beziehungsweise fachgruppenspezifischen Fallwerten – zu rechnen. Somit kommt der Beachtung der fachgruppenspezifischen Zielquoten bei der Vermeidung von Prüfungen eine verstärkte Bedeutung zu.

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Arzneimittel-Vereinbarung

Arzneimittelsicherheit in Gefahr?

Der Rückruf verunreinigter Valsartan-haltiger Arzneimittel auf Apotheken- und Großhandelsebene und der illegale Handel mit onkologischen Arzneimitteln aus Griechenland lassen aufhorchen: Ist die Arzneimittelsicherheit durch den globalen Handel und die preisregulierenden Maßnahmen der Krankenkassen gefährdet?

Das Arzneimittelgesetz verfolgt den Zweck, "im Interesse einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung von Mensch und Tier für die Sicherheit im Verkehr mit Arzneimitteln, insbesondere für die Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Arzneimittel nach Maßgabe der folgenden  Vorschriften zu sorgen" (§ 1 AMG). Die für die nationale Arzneimittelzulassung zuständige Bundesoberbehörde, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), kann gemäß § 28 AMG vor und nach der Zulassung von Arzneimitteln bestimmte Auflagen anordnen, wenn dies im Interesse der Arzneimittelsicherheit erforderlich ist. Wird die Zulassung für ein außerhalb des Geltungsbereichs des Arzneimittelgesetzes hergestelltes Arzneimittel beantragt, so ist der Nachweis zu erbringen, dass der Hersteller nach den gesetzlichen Bestimmungen des Herstellungslandes berechtigt ist, Arzneimittel herzustellen.

Im Falle des Imports aus einem Land außerhalb der Europäischen Union, zum Beispiel China, muss der Einführer eine Erlaubnis besitzen, die zum Verbringen des Arzneimittels in den Geltungsbereich dieses Gesetzes berechtigt (§ 22 Absatz 5 AMG). Die Durchführung der Überwachung der Betriebe und Einrichtungen, in denen Arzneimittel hergestellt, geprüft, gelagert, verpackt oder in den Verkehr gebracht werden, oder die Arzneimittel einführen, unterliegt der Überwachung der zuständigen Behörde (§ 64 AMG).

Landesbehörden überwachen Herstellungsbetriebe und Einrichtungen

In Deutschland dürfen Arzneimittel nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie gemäß den Vorschriften des AMG zum Verkehr zugelassen oder wie zum Beispiel als homöopathische Arzneimittel registriert sind. Folglich dürfen solche Arzneimittel ohne Zulassung oder Registrierung nicht nach Deutschland eingeführt werden (§ 73 Abs. 1 AMG). Dieses Verbringungsverbot dient dem Schutz des Verbrauchers vor Gesundheitsschäden. Auch Ausnahmen wie zum Beispiel Arzneimittel für den persönlichen Bedarf für maximal drei Monate bei Einreise beziehungsweise der Versandhandel sind im AMG geregelt.

Die Überwachung der Vorschriften des AMG ist Ländersache und obliegt in Rheinland-Pfalz dem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV). Dazu gehören unter anderem Inspektionen der Herstellungsbetriebe und Einrichtungen vor Ort, ob die Vorschriften der Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung sowie die europaweit gültigen "GMP-Vorschriften" (Good Manufacturing Practice) eingehalten werden.

Die Frage stellt sich, wie die jüngsten Verunreinigungen über so lange Zeit unentdeckt bleiben konnten. Anscheinend reichten die Prüfungsmaßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene nicht aus, um die Verunreinigungen festzustellen.

Preisregularien als Risiko für die Arzneimittelsicherheit?

Nach dem im Sozialgesetzbuch V verankerten Wirtschaftlichkeitsgebot müssen die Leistungen "ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich" sein und dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Der Gesetzgeber lässt dazu Hersteller-, Apothekenrabatte, Importquoten und Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern zu. Die Bemühungen der Krankenkassen um Kosteneinsparungen – beispielsweise durch Import-Arzneimittel – können zur Arzneimittelknappheit in anderen (Entwicklungs-)Ländern führen. Aber auch in Deutschland resultieren Lieferengpässe, wenn nur wenige pharmazeutische Unternehmen bei den Rabattvertrags-Ausschreibungen der Krankenkassen den Zuschlag erhalten und andere Unternehmen ihre Produktion entsprechend reduzieren (müssen). Da verwundert es nicht, wenn Generika-Firmen ihre Arzneimittelproduktion ganz oder teilweise ins Ausland verlagern und Wirkstoffe oder fertig konfektionierte Arzneimittel aus weltweiten Quellen beziehen, um Produktionskosten zu senken und Gewinne zu steigern.

Bei Parallel- und Reimporten besteht durch komplexe Vertriebswege und das Umpacken/Umportionieren zugelassener parallel importierter Arzneimittel die Gefahr, dass Fälschungen eingeschleust werden.

Erhöhte Anfälligkeit für Lieferengpässe durch Rabattverträge

Naturkatastrophen oder menschliches Versagen wie Produktionsfehler können zu Produktionsausfällen und weltweiten Versorgungslücken führen. Die regelmäßige Arzneimittelüberwachung durch deutsche Landesbehörden vor Ort im Herstellungsland, zum Beispiel China, scheint nur schwierig durchführbar zu sein.

Dies lassen die Erfahrungen der vergangenen Wochen erahnen: Genannt sei hier die Einfuhr kanzerogen verunreinigten Valsartans. Für Schlagzeilen sorgte auch der illegale Handel mit gestohlenen Krebsmitteln aus Kliniken in Griechenland. Lieferengpässe gefährden durch vermeidbare Umstellungen von Patienten die Arzneimittelsicherheit. Nicht immer können Patienten zum Beispiel in Krankenhäusern auf therapeutisch gleichwertige Alternativpräparate umgestellt werden. Solche Engpässe führen in Arztpraxen und Apotheken, aber auch in Kliniken und der Verwaltung zu erheblichen organisatorischen und finanziellen Belastungen.

Informationen des BfArM zum Valsartan-Rückruf

Pharmaunternehmen nutzen oft mehrere Wirkstoffquellen für die Arzneimittelproduktion, um bei Produktionsausfällen die Arzneimittelversorgung sicherstellen zu können. Der Wirkstoff Valsartan kann aus unterschiedlichen Wirkstoffquellen mit verschiedenen Verfahren hergestellt werden. Derzeit wird auf europäischer Ebene geprüft, ob bei anderen Syntheseverfahren auch N-Nitrosodimethylamin (NDMA) entstehen kann, wie das mögliche Gesundheitsrisiko zu bewerten ist und ob andere Sartane betroffen sein könnten. Bis zum 1. August 2018 lagen dem BfArM hierzu keine Anhaltspunkte vor, auch wenn die Firma Hormosan Pharma GmbH einzelne Irbesartan-Chargen eigenverantwortlich am 26. Juli 2018 zurückgerufen hat. Nach einer Information der Deutschen Apotheker-Zeitung vom 7. August konnte "nach dem heutigen Stand der Untersuchungen" keine NDMA-Verunreinigung nachgewiesen werden.

Aufgrund von Tierstudien werden hohe NDMA-Dosen als möglicherweise kanzerogen für den Menschen eingeschätzt. Die US- amerikanische Zulassungsbehörde für Lebens- und Arzneimittel FDA hat eine vorläufige theoretische Berechnung des möglichen Krebsrisikos durchgeführt. Unter der Annahme, dass NDMA-verunreinigtes Valsartan in der Maximaldosierung von 320 mg eingenommen wurde, könnte nach der Schätzung der FDA-Wissenschaftler bei 8.000 solcher Patienten ein zusätzlicher Krebsfall auftreten. Nach Schätzung der europäischen Zulassungsbehörde EMA auf Basis vorläufiger Auswertungen könnte ein zusätzlicher Krebsfall pro 5.000 betroffenen Patienten auftreten, die über sieben Jahre täglich das verunreinigte Valsartan in der (höchsten) 320-mg-Dosierung eingenommen haben.

Krankenkassen ohne einheitliches Notfallkonzept

Nachdem inzwischen bekannt ist, welche Valsartan-Präparate nicht vom Rückruf betroffen sind, empfiehlt das BfArM die Umstellung auf ein solches Arzneimittel. Nach wie vor besteht kein akutes Patientenrisiko. Weil die Vorgehensweise der verschiedenen Krankenkassen sehr unterschiedlich ist und die KV RLP auf ihre gezielte Nachfrage bei den Kassen nur wenige Rückmeldungen erhalten hat, ist es empfehlenswert, dass sich die Patienten an ihre Krankenkasse wenden, um abzuklären, ob und wie die Zuzahlung zurückerstattet wird und welche Unterlagen dafür vorzulegen sind. Sofern den Vertragsärzten keine eindeutige Handlungsempfehlung vorliegt, sollte die Nachverordnung für ein noch vorhandenes Valsartan-Präparat im Zweifelsfall privat verordnet werden.

Anwendungsgebiete bei alternativem Präparat beachten

Sollte ein Rabattarzneimittel in der Apotheke nicht verfügbar sein, kann der Apotheker ein anderes identisches Präparat entsprechend dem Rahmenvertrag abgeben. Sofern der Arzt statt Valsartan ein therapeutisch vergleichbares Arzneimittel verordnet, zum Beispiel ein anderes Sartan, sind die möglicherweise abweichenden Anwendungsgebiete sowie die unterschiedlichen Wirkungen und Dosierungen etwa bei eingeschränkter Nierenfunktion der anderen Sartane zu berücksichtigen. Dieser Ausnahmefall sollte vorsorglich in der ärztlichen Patientenakte dokumentiert werden, um Auffälligkeiten in der Wirtschaftlichkeit der Arzneiverordnungen begründen zu können.

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Chargenbezogener Rückruf Valsartan-haltiger Arzneimittel richtet sich an Apotheken | Nachricht vom 18. Juli 2018

Einsparpotenziale in der intersektoralen Vergütung

Deutschland hat im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Krankenhausfälle. Wie das IGES Institut nun in einem Gutachten ermittelt hat, könnte ein Teil der Patienten im niedergelassenen Sektor kostengünstiger behandelt werden.

Was die ambulante und stationäre Versorgung trennt, wird in erheblichem Umfang durch die Vergütung definiert. Derzeit unterscheiden sich die Kosten für Behandlungen, die prinzipiell sowohl stationär als auch ambulant möglich wären, teilweise erheblich. Das IGES Institut hat deshalb im Auftrag des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) die bestehenden Unterschiede in der ambulanten und stationären Vergütungsstruktur genauer analysiert. Dies erfolgte anhand von Fallbeispielen im Bereich Diabetes mellitus, nicht schwere kardiale Arrhythmien, Schlafapnoe/Polysomnographien sowie gastroenterologische Erkrankungen. Die Autoren der Studie weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Auswahl keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Repräsentativität hat. Eine Hochrechnung auf bundesweite Einsparpotenziale enthält die Studie daher nicht.

Die ermittelten Unterschiede zwischen den ausgewählten Bereichen variieren allerdings: Das Spektrum der Mehrkosten der stationären gegenüber der ambulanten Behandlung reicht von etwas über 10 Prozent bis zum 16,5-Fachen. Im Vergleich zu anderen Bereichen relativ gering ausgeprägt ist die Kostendifferenz zwischen den Sektoren beispielsweise bei gastroenterologischen Erkrankungen, wenn die stationäre Verweildauer maximal eine Übernachtung enthält. In diesem Fall übersteigt die Vergleichsgröße für die stationäre Vergütung die ambulante Vergütung um lediglich rund 13,5 Prozent.

Doch schon die Kosten für die stationäre Behandlung von Schlafapnoe übertreffen bei der gleichen Übernachtungsdauer die Kosten der ambulanten Behandlung um mehr als ein Drittel (34 Prozent). Zum Vergleich: Im niedergelassenen Sektor liegt der finanzielle Aufwand bei 477 Euro, im Krankenhaus dagegen bei 640 Euro. Bei den nicht schweren kardialen Arrhythmien fallen die Abrechnungsunterschiede schon gravierender aus. Die am häufigsten dokumentierte Hauptdiagnose war das anfallartige Vorhofflimmern (rund 40 Prozent aller Fälle), gefolgt vom persistierenden Vorhofflimmern (knapp 20 Prozent). Pauschal wurde diese DRG F71b mit 646 Euro bei einer Verweildauer von einem Tag und mit 1.529 Euro bei zwei Tagen vergütet. Im vertragsärztlichen EBM ist dieses Krankheitsbild mit 289 Euro kalkuliert.

Vergütung von Krankenhausleistungen regional verschieden

Am höchsten erwies sich der Kostenabstand laut Untersuchung in Fällen mit Diabetes mellitus bei einer Verweildauer von zwei Tagen. Hier wird die ambulante Versorgung konkret mit 139 Euro vergütet, die stationäre mit 2.299 Euro, dem rund 16,5-Fachen. Bei nur einem Tag in der Klinik verringern sich die Kosten auf 520 Euro, was das 3,8-Fache der ambulanten Kosten beträgt. Die Kosten für Patientenschulungen sind dabei in den Kosten für die ambulante Versorgung nicht enthalten; sie würden den Abstand jeweils um rund 100 Euro verringern.

Aus Sicht des Zi gelten für Krankenhäuser nicht die mittleren Kostenveränderungen (stationärer Orientierungswert), sondern die höhere Grundlohnrate (Meistbegünstigungsklausel). Bei der Berechnung des ambulanten Orientierungswertes werden zudem Wirtschaftlichkeitsreserven gegengerechnet. Die Folge ist, dass der Krankenhaus-Basisfallwert systematisch stärker als der Orientierungswert der Vertragsärzte steigt. Die Preisbildung für stationäre Leistungen ist nach Einschätzung des Zi derzeit mehr als kostendeckend.

Regional betrachtet gibt es innerhalb Deutschlands ebenfalls Unterschiede: So liegt die Vergütung von Krankenhausleistungen in Rheinland-Pfalz derzeit noch über dem Bundesdurch- schnitt und einzelne betrachtete ambulante Leistungen werden innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung aufgrund regionaler Honorarverteilungssystematiken mit weniger als dem Orientierungswert vergütet.

Grundlegende Unterschiede sowohl in ökonomischer als auch organisatorischer Hinsicht

Ursachen für die aufgezeigten intersektoralen Vergütungsunterschiede sind die ökonomischen, organisatorischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, wie die Autoren der Studie herausgearbeitet haben. Bezüglich der Kostenstrukturen fallen im stationären Sektor deutlich höhere Gemeinkosten an. So erfüllen Krankenhäuser beispielsweise höhere Anforderungen an die apparative Ausstattung, die auch für die Behandlung schwerer (Not-)Fälle geeignet sein muss. Schließlich ist mehr ärztliches, Pflege- und Funktionspersonal rund um die Uhr und über ein breiteres fachliches Spektrum verfügbar zu halten.

Kostenunterschiede resultieren auch aus unterschiedlichen Vergütungssystemen. Zwar basieren sowohl die Vergütung nach DRG als auch die Vergütung nach EBM auf dem Prinzip einer Vollkostenrechnung, dennoch gibt es grundlegende Unterschiede der Kalkulationssystematik. Die DRG-Fallpauschalen resultieren größtenteils aus einer Zuschlagskalkulation, mit der die Gemeinkosten auf die Fallgruppen als Kostenträger nach einem Verrechnungsschlüssel zugeordnet werden. Kostenträger im vertragsärztlichen Vergütungssystem ist dagegen die einzelne EBM-Leistung; ihr werden die einzelnen Kosten direkt zugerechnet. Bei den regulatorischen Aspekten werden als Beispiel die budgetbegrenzenden Maßnahmen aufgeführt, die in den beiden Sektoren jedoch jeweils anders ausgestaltet sind.

Katalog prinzipiell ambulant durchführbarer Leistungen als Lösungsansatz

Für Dr. Peter Noack, Vorstandsmitglied im Zi, ist die vertragsärztliche Versorgung der maßgebliche Wirtschaftsfaktor in der gesetzlichen Krankenversicherung. Würden überall die im stationären Sektor geltenden Preise angewendet, wäre das derzeitige Gesundheitssystem kaum finanzierbar. "Die bestehenden Vergütungsunterschiede zwischen den Sektoren sind in höchstem Maße ineffizient und kontraproduktiv. Vorschläge für eine Reform der Vergütung müssten insofern an einem Katalog prinzipiell ambulant durchführbarer Leistungen ansetzen. Für die Vergütung dieser Leistungen müssen unabhängig vom Leistungsort die in der vertragsärztlichen Versorgung maßgeblichen Bestimmungen gelten. Sie müssen damit aus den DRGs ausgegliedert werden", sagte Dr. Noack auf einer Zi-Tagung am 12. Juni 2018.

Dringenden Reformbedarf in der Vergütungsstruktur sehen die Studienautoren des IGES Instituts ebenfalls. Den Vorteil einer eigenständigen Vergütung für gleichwertige stationäre und ambulante Leistungen sehen sie darin, dass eine solche Reform nicht einen Sektor einseitig und übermäßig finanziell belaste. "Läge das Niveau dieser neuen Honorierung zwischen den derzeitigen Vergütungshöhen in den jeweiligen Sektoren, wäre es vor allem für Krankenhäuser in strukturschwachen Regionen finanziell attraktiver, ambulant behandelbare Fälle auch ambulant zu behandeln. Umgekehrt verringert dies bei niedergelassenen Ärzten Anreize, Patienten ins Krankenhaus einzuweisen", lautet ihr Fazit. Ein solches Vergütungssystem setze jedoch voraus, grundlegende konzeptionelle Fragen zu klären. Dazu gehörten Fragen der Abgrenzung der Behandlungsanlässe, die orts- beziehungsweise sektorenunabhängig zu vergüten wären, und die Frage, welche Kostenstrukturen als Referenz für eine einheitliche Vergütung herangezogen werden sollen.

Weiterführende Links

Ausführliches Gutachten zum Herunterladen

Service

Zur Weiterbildungsförderung Schritt für Schritt

Die Anstellung von Ärzten in Weiterbildung eignet sich hervorragend, um später Mitarbeiter für die Praxis zu gewinnen. Voraussetzung dafür sind eine Weiterbildungsbefugnis des Praxisinhabers und eine Genehmigung zur Beschäftigung. KV PRAXIS erläutert das genaue Antragsprozedere.

Nach der derzeit gültigen Weiterbildungsordnung für Rheinland-Pfalz werden Befugnisse zur Weiterbildung nur noch befristet vergeben. Bei Antrag auf eine vorläufige Befugnis ist diese auf zwei Jahre befristet, bei einer endgültigen Befugnis auf sieben Jahre. Will eine Praxis eine Weiterbildungsbefugnis beantragen, muss sie sich zunächst an die zuständige Bezirksärztekammer wenden. Der Antrag besteht zum einen aus dem allgemeinen Erhebungsbogen und zum anderen aus dem speziellen Erhebungsbogen. So müssen beispielsweise der berufliche Werdegang des Praxisinhabers, eine Geräteliste und das gegliederte Programm der Weiterbildung dokumentiert werden. Wird nur eine vorläufige Befugnis gewünscht, sind der Lebenslauf und der allgemeine Erhebungsbogen ausreichend.

Auf dem Gebiet der Allgemeinmedizin ist es außerdem erforderlich, dass zwei aktuelle KV-Statistiken (Anlage 6a) vorgelegt werden. Aber auch für alle anderen Fachrichtungen kann die Bezirksärztekammer diese Statistiken anfordern. Die KV RLP erstellt für die Praxis eine sogenannte Gebührennummernstatistik aus den zuletzt abgerechneten zwei Quartalen. Diese Statistik dient dem Praxisinhaber als Nachweis der von ihm erbrachten Leistungen in den Fachgebieten. Die Statistik lässt sich übrigens auch bequem aus dem Praxisverwaltungssystem heraus erstellen.

Grundsätzlich nimmt die Bearbeitung für die Weiterbildungsbefugnis einige Zeit in Anspruch. Es hängt davon ab, wie rasch die Unterlagen vollständig bei der Kammer vorliegen und wann die nächste Sitzung des Weiterbildungsausschusses stattfindet, in der der Antrag besprochen wird. Durchschnittlich dauert die Erteilung einer Befugnis etwa drei Monate. Befugnisse sind immer gebunden an die Weiterbildungsstätte und an die Person. Wechselt der Befugte beispielsweise die Praxis, dann erlischt die Befugnis.

Unterlagen sollten vier Wochen vor Beschäftigungsbeginn vorliegen

Sobald die Weiterbildungsbefugnis vorliegt, stellt die Praxis den Antrag auf Genehmigung zur Beschäftigung eines Arztes in Weiterbildung und finanzielle Förderung bei der KV RLP. Entsprechende Musterformulare können auf der Website heruntergeladen werden. Die Anträge werden zügig bearbeitet; die Unterlagen sollten jedoch rund vier Wochen vor geplantem Beschäftigungsbeginn bei der KV RLP eintreffen, damit bei eventuell fehlenden Unterlagen oder Daten noch genügend Zeit zur Klärung vorhanden ist. Die Genehmigung erfolgt befristet, wobei sich die Dauer nach der benötigten Weiterbildungszeit richtet.

Nach Ablauf der eigentlichen Weiterbildung besteht die Möglichkeit, bei der KV RLP einen Antrag auf Weiterbeschäftigung als Arzt in Weiterbildung bis zur Facharztprüfung zu stellen. Die Genehmigung kann auf Antrag bis zur Sitzung des Zulassungsausschusses (ZA) verlängert werden. Bedingung ist jedoch für beide Genehmigungen, dass eine ärztliche Tätigkeit in der Praxis geplant ist.

Die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin wird maximal 42 Monate in der ambulanten Versorgung für eine Vollzeitkraft von bis zu 4.800 Euro monatlich gefördert. Die Zahl der geförderten Stellen ist dabei unbegrenzt. Gebiete der fachärztlichen Grundversorgung wie Augenheilkunde, Kinder- und Jugendmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie  werden  gemeinsam von der KV RLP und den Krankenkassen zum genannten Betrag bezuschusst. Neu hinzu kam die Förderung für Chirurgie und Nervenheilkunde mit jeweils bis zu vier beziehungsweise fünf Stellen in bestimmten Planungsbereichen (siehe KV PRAXIS JUNI 2018). Alle weiteren Gebiete der fachärztlichen Weiterbildung unterstützt die KV RLP alleine mit ihrem Förderanteil in Höhe von bis zu 2.400 Euro monatlich für eine Vollzeitstelle.

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Anträge zur Weiterbildung

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Weiterbildungsbefugnisse

Schwanger – und dann?

Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung haben Anspruch auf Weiterbeschäftigung nach der Elternzeit.

Zum Zweck der Weiterbildung sind Arbeitsverträge in der Regel befristet. Werden angehende Ärztinnen während ihrer Weiterbildung schwanger, so sind Zeiten eines Beschäftigungsverbotes und die Elternzeit auf die Vertragsdauer nicht anzurechnen. Somit hat die Ärztin in Weiterbildung auch nach Ablauf des befristeten Arbeitsvertrages einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung für die Dauer des Beschäftigungsverbots und der Elternzeit. Dies gilt im Übrigen auch für die männlichen Kollegen, die eine Elternzeit nehmen. Rechtliche Grundlage ist das Gesetz über befristete Arbeitsverträge mit Ärzten in der Weiterbildung (ÄArbVtrG).

Praxisinhaber sollten die beschäftigte Ärztin in Weiterbildung darauf hinweisen, dass sie frühzeitig über eine eventuelle Schwangerschaft informiert werden. Erst dann greifen die gesetzlichen Schutzregelungen. Die Schwangere ist über das Mutterschutzgesetz aufzuklären. Außerdem sollten die Schwangerschaft und der voraussichtliche Tag der Entbindung der KV RLP schriftlich (nicht telefonisch) mitgeteilt werden. Unterbricht die angehende Fachärztin ihre Weiterbildungszeit aufgrund von Beschäftigungsverbot oder der Schutzfristen nach dem Mutterschutzgesetz, wird nach der Richtlinie zur Förderung der Weiterbildung gemäß § 75a SGB V der Förderbetrag nur dann weitergezahlt, wenn die weiterbildende Praxis einen Nachweis darüber erbringt, dass Arbeitgeberaufwendungen hierfür nicht von anderer Seite erstattet werden. Förderzuschüsse werden für den Monat, in dem der Anspruch endet, anteilig gezahlt.

Nach der Entbindung tritt laut § 3 Mutterschutzgesetz eine achtwöchige Schutzfrist ein, in der ein absolutes Beschäftigungsverbot besteht. Diese Frist kann sich auf zwölf Wochen verlängern, beispielsweise bei einer medizinischen Frühgeburt oder Mehrlingsgeburt. Entscheidet sich die Ärztin in Weiterbildung für eine Teilzeittätigkeit beziehungsweise will Elternzeit in Anspruch nehmen, muss sie dies bis sieben Wochen vor Beginn mitteilen – das heißt, in der Regel bereits eine Woche nach der Geburt. Es ist aber auch möglich, nach Ablauf der Schutzfrist an den Arbeitsplatz zurückzukehren und die Elternzeit zu einem späteren Zeitpunkt anzutreten.

Für die Wiederaufnahme der KV-Förderung ist eine Vorlaufzeit von rund vier Wochen nötig. Verlängert sich durch die Unterbrechung die Weiterbildungszeit, gilt dies auch entsprechend für den Zeitraum der Förderung. Zur Wiederaufnahme der Weiterbildung nach Ablauf eines ersten befristeten Vertrages müssen Arbeitgeber und Ärztin beziehungsweise Arzt in Weiterbildung einen Anschlussvertrag schließen.

So klappt es mit der Praxisübergabe

Wer seine Praxis abgeben möchte, sollte rechtzeitig Vorkehrungen treffen und vor allem viel Zeit einplanen. Unterstützung erhalten Ärzte von der Zulassungs- und Kooperationsberatung der KV RLP.

Der Fall schlug bundesweit hohe mediale Wellen: Weil er keinen Nachfolger für seine Hausarztpraxis fand, inserierte der Allgemeinarzt Dr. Günter Theis mit Sitz in Pirmasens in mehreren ärztlichen Fachzeitschriften mit dem Titel "Praxis zu verschenken!" Seine Beweggründe für diesen ungewöhnlichen Schritt erläuterte Dr. Theis im Juni 2018 gegenüber der Rheinpfalz: "Neben der Nachfolgersuche wollte ich (…) darauf aufmerksam machen, dass das ganze Gesundheitssystem krankt, die Politik mit ihrem eingeschlagenen Weg bei der medizinischen Versorgung falsch liegt". Inzwischen hat sich eine Interessentin gemeldet, die den Sitz von Dr. Theis in eine ländliche Region verlegen will.

Werbung im Anzeigenmarkt und über Ort sucht Arzt

Das Beispiel von Dr. Theis zeigt, wie wichtig es ist, beim Thema Praxisabgabe schon frühzeitig nach einem geeigneten Nachfolger zu suchen und dafür mindestens zwei Jahre – idealerweise fünf Jahre – vor dem Eintritt in den geplanten Ruhestand einzuplanen. Die KV RLP empfiehlt, mit der Zulassungs- und Kooperationsberatung rechtzeitig Kontakt aufzunehmen. Sie berät und koordiniert die formalen Erfordernisse bei Praxisübernahme beziehungsweise -abgabe, berät bei der Anstellung von Ärzten mit beziehungsweise ohne Leistungsbegrenzung. Gerade in der Übergangsphase vor der Praxisabgabe ist es sinnvoll, Strukturen zu schaffen, die den Wünschen der nachfolgenden Generation entgegenkommen. Die Zulassungs- und Kooperationsberatung hält eine Vermittlungsliste für Interessenten und Abgeber vor, in die sich die abzugebende Praxis aufnehmen lassen kann.

Sinnvoll ist es, zunächst die betreffende Gemeinde zu informieren. Im darauffolgenden Schritt können Gemeindevertreter über die Seite "Ort sucht Arzt" für ihre Region werben und die hiesigen Vorzüge bei einer Niederlassung herausstellen. Der Online-Anzeigenmarkt bietet eine zusätzliche Möglichkeit, auf Pläne zur Praxisabgabe aufmerksam zu machen.

Befindet sich die Praxis in einer ausgewiesenen Förderregion, besteht die Möglichkeit über die Förderung nach dem Strukturfonds. Eine Praxisneugründung und -übernahme wird mit einmalig bis zu 60.000 Euro bezuschusst, die Einrichtung einer Nebenbetriebsstätte mit einmalig bis zu 20.000 Euro. Auch die Anstellung eines Arztes rentiert sich: Hier gibt es bis zu 1.000 Euro monatlich bei einem vollen Versorgungsauftrag für längstens 60 Monate.

Nicht nur der Kaufpreis entscheidet über die Zulassung

Verlaufen die Gespräche zwischen dem abzugebenden Praxisinhaber und dem zu übernehmenden Praxisinhaber erfolgreich, ist dies allerdings noch keine Garantie, dass der Interessent am Ende auch tatsächlich den Zuschlag erhält. "Ärzte sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie mit allen Bewerbern verhandeln. Der Kaufpreis alleine entscheidet nicht über die Zulassung", betont Harald Allmendinger, Leiter des Ressorts Beratung. Im Auswahlverfahren bestimmt der Zulassungsausschuss über die Vergabe der Vertragsarztpraxis. Vor dem Ausschreibungsverfahren richtet der Arzt zuerst einen Antrag auf Ausschreibung der Vertragsarztpraxis an den Zulassungsausschuss. Dieser entscheidet, ob ein Nachbesetzungsverfahren überhaupt umgesetzt werden kann. Der Zulassungsausschuss kann den Antrag ablehnen, wenn eine Nachbesetzung aus Versorgungsgründen nicht erforderlich ist. Mit dem Antrag auf Ausschreibung erklärt der Vertragsarzt zugleich seinen Verzicht auf die Zulassung.

Vor einer Praxisabgabe sollten Praxisinhaber daran denken zu prüfen, inwiefern bestehende Verträge wie der Mietvertrag für die Praxisimmobilie und gegebenenfalls vorhandene Versicherungen vom Nachfolger übernommen werden können oder müssen. Bei der Übergabe ist auch zu klären, ob der Nachfolger das vorhandene Praxispersonal übernimmt. Erklärt sich dieser dazu bereit, müssen die Mitarbeiter schriftlich informiert werden. Sie haben dann das Recht, dem Übergang des Arbeitsverhältnisses auf den neuen Praxischef innerhalb eines Monats schriftlich zu widersprechen.

Den Nachwuchs bereits frühzeitig an die Praxis binden Um die Praxisnachfolge sicherzustellen, ist immer die beste Lösung, den jungen Kollegen oder die Kollegin in die Praxis frühzeitig einzuarbeiten. Hier bietet es sich beispielsweise an, mit einem Partner in Kooperation zusammenarbeiten. In einem offenen Planungsbereich kann der Partner eine eigene Zulassung beantragen und gegebenenfalls eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) mit dem potenziellen Abgeber gründen. Eine Variante besteht darin, dass sich der neue Partner zunächst anstellen lässt; alternativ wäre es auch möglich, dass sich der bisherige Praxisinhaber vom neuen Partner anstellen lässt.

In einem gesperrten Planungsbereich kann der potenzielle Praxisnachfolger keine reguläre Zulassung im Rahmen der Existenzgründung erhalten. Hier gibt es die Option der Jobsharing-Zulassung, die sowohl an den Praxisinhaber als auch den Praxissitz gebunden ist. Zusätzlich darf hierbei der Leistungsumfang der bisherigen Praxis nicht ausgeweitet werden. Allerdings hat diese Variante den Vorteil, dass im Falle einer Öffnung des Planungsbereichs die Jobsharing-Zulassung Vorrang vor einer regulären Zulassung hat. In einem späteren Nachbesetzungsverfahren hat die Konstellation des Jobsharings gute Aussichten, dass der Zulassungsausschuss bei der Auswahl der Bewerber um die Praxisnachfolge des Senior-Partners die gemeinsame Tätigkeit bevorzugt berücksichtigt.

Noch besser zur Nachwuchsgewinnung eignet sich die Anstellung eines Weiterbildungsassistenten. Bereits jungen Medizinern kann man über eine Famulatur die Niederlassung schmackhaft machen und unverbindlich testen, ob man gut zusammenpasst. Sowohl die Weiterbildung als auch die Famulatur werden von der KV RLP finanziell gefördert.

Kontakt

Zulassungs- und Kooperationsberatung
Service-Center
Telefon 06131 326-326

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Materialien

Beratungsservice für Ärzte | 02
Abgabe und Übernahme einer Praxis
Deutscher Ärzteverlag, Köln 2017

Rettungsanker bei Engpässen

Praxen können bei Ausfällen über die ärztliche Vertreterliste Hilfe anfordern

Unverhofft kommt oft, heißt es im Volksmund. Das kann auch Praxisinhabern passieren – sei es, weil sie plötzlich erkranken, sich um einen kranken Elternteil oder Verwandten kümmern müssen oder aus anderen Gründen vorübergehend an der Praxisausübung verhindert sind. In solchen Fällen bietet die KV RLP allen ärztlichen Fachgruppen eine Vertretervermittlung an. Aber auch im Todesfall kann von den Hinterbliebenen zur Inanspruchnahme des sogenannten Gnadenvierteljahres der Vermittlungsservice in Anspruch genommen werden.

Basis dafür ist eine Vertreterliste, in die sich ärztliche und psychotherapeutische Kollegen kostenfrei eintragen lassen können. Die Liste wird von Mitarbeitern der KV RLP regelmäßig gepflegt und den Vertragsärzten und Medizinischen Versorgungszentren bei Bedarf zur Verfügung gestellt. Die Ärzte können dann anhand der übermittelten Daten unmittelbar mit den potenziellen Vertretern Kontakt aufnehmen.

Der Vertragsarzt kann sich durch einen anderen Vertragsarzt oder durch einen Arzt vertreten lassen, der die Voraussetzungen für die Eintragung in das Arztregister erfüllt (Approbation und erfolgreich abgeschlossene Weiterbildung). Der Vertreter muss über eine mit der Zulassung des Vertretenen identische oder zumindest fachverwandte Facharztanerkennung verfügen, da sonst die Abrechnungsvoraussetzungen nicht erfüllt sind. Genehmigungspflichtige Leistungen darf der Vertreter nur erbringen, wenn er selbst auch die dafür notwendigen Qualifikationen besitzt. Genehmigungspflichtige Leistungen, für die der Vertragsarzt oder angestellte Arzt keine Qualifikation nachgewiesen hat, dürfen auch von dem Vertreter – unabhängig von dessen eigener Qualifikation – nicht erbracht und abgerechnet werden. Vertretungen ab einer Woche müssen gegenüber der KV RLP angezeigt werden.

Informationen rund um den Vertreterservice mit dem Formular Listeneintrag Praxisvertretung stehen auf der Website der KV RLP bereit.

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Vertreterservice

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Kompetenzzentrum

Das Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin will mehr Ärztinnen und Ärzte in die ambulante medizinische Versorgung bringen.
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Zukunftswerkstätten

Die Landesregierung unterstützt Projekte zu den Themen ärztliche Kooperation, Gesundheitszentren, Delegation, Mobilität und Nachwuchsförderung.
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Fachärzte gesucht

In KV-TV zeigen Fachärzte, warum sich die Niederlassung lohnt. In der ersten Folge der neuen Serie erzählt der Mainzer Psychiater Dr. Siegfried Stephan von seiner Arbeit.
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KV initiativ

Treffpunkt der KV RLP mit Kommunalpolitikern und Experten zur Zukunft der wohnortnahen ambulanten Versorgung in Rheinland-Pfalz.
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KV-TV ist das Web-TV der KV RLP für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz.

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TSS erweitert Dienste

Ab Oktober 2018 werden auch probatorische Sitzungen vermittelt.

Die Terminservicestelle (TSS) der KV RLP muss ab dem 1. Oktober 2018 Termine für probatorische Sitzungen bei Psychotherapeuten vermitteln. Jeder Patient bekommt zum Abschluss der psychotherapeutischen Sprechstunde eine individuelle Patienteninformation auf dem Formular PTV 11. Diese enthält einen Befundbericht mit Ergebnissen und Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Für den neuen, angepassten Vordruck gilt eine Stichtagsregelung. Ab Oktober 2018 müssen die neuen Vordrucke eingesetzt werden, alte Formulare dürfen nicht aufgebraucht werden. Alle psychotherapeutisch tätigen Mitglieder der KV RLP erhalten Mitte September eine Erstausstattung des neuen Vordrucks.

Jeder gesetzlich Versicherte hat ab Oktober Anspruch auf die Vermittlung von probatorischen Sitzungen innerhalb einer Wartezeit von höchstens vier Wochen. Voraussetzung dafür ist, dass der Psychotherapeut auf dem Formular PTV 11 "ambulante Psychotherapie" und "zeitnah erforderlich" ankreuzt und einen Überweisungscode ausstellt. "Es ist wichtig, diese probatorischen Sitzungen verantwortungsbewusst und nur in wirklich psychotherapeutisch begründeten dringenden Fällen zu empfehlen", betont Peter Andreas Staub, Vorstandsmitglied der KV RLP, der ansonsten die Ausdehnung der TSS auf probatorische Sitzungen für wenig sinnvoll hält. Dennoch habe die KV RLP hier einen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen und werde dem auch nachkommen.

Die KV RLP bittet in diesem Zusammenhang darum, freie Termine für psychotherapeutische Sprechstunden, ambulante psychotherapeutische Akutbehandlungen und nun auch von Terminen für probatorische Sitzungen frühzeitig mitzuteilen. Psychotherapeuten können freie Termine direkt selbst im eTerminservice einstellen und verwalten.

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Terminvermittlung

Mit Hautschutz Infektionen vermeiden

Oft kommen durch Stress im Praxisalltag Schutz und Pflege der Haut zu kurz. Im Interesse der Gesundheit sollten alle Praxismitarbeiter vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

Hautschutz und Hautpflege dienen vorrangig dem Arbeitsschutz, sind aber zugleich Voraussetzung für eine effektive Händedesinfektion, da bereits kleinste Risse beziehungsweise Mikrotraumen zu Eintrittspforten für Krankheitserreger und zum Erregerreservoir werden können.

Händewaschen ist grundsätzlich hautbelastend und daher auf ein Minimum zu reduzieren. Eine hygienische Händedesinfektion ist – ohne sichtbare Verschmutzung der Haut – einer Reinigung grundsätzlich vorzuziehen. Dennoch führen auch mehrmals täglich vorgenommene Händedesinfektionen zur Entfettung der Haut. Daher sind intensive Hautschutz- und Hautpflegemaßnahmen zur Kompensation der Hautbelastung und damit auch zur Erzielung eines sicheren Desinfektionsergebnisses zwingend notwendig.

Hautschutzmittel als wichtiger Hygienefaktor

Hautschutzmittel sind spezielle Produkte, welche die Widerstandsfähigkeit der Haut stärken. Bei der Auswahl von Hautschutzmitteln sind duftstoff- und konservierungsfreie Produkte zu bevorzugen, um mögliche Hautreizungen und Allergien zu vermeiden. Hautschutzmittel sollten angewendet werden:

  • vor Arbeitsbeginn
  • vor Feuchtarbeiten
  • vor dem Tragen von Handschuhen
  • nach den Pausen

Darum ist die Hautpflege so wichtig

Hautpflegemittel regenerieren die Haut, indem sie ihr ausgewaschene Fette zurückgeben. Feuchtigkeitsbindende Substanzen verringern die erneute Austrocknung der Haut und diese gewinnt einen Teil ihres natürlichen Schutzes zurück. Eine gepflegte, glatte Haut bietet eine intakte Schutzfunktion, wodurch Keime und Schadstoffe nur erschwert durchdringen können. Auch bei den Pflegemitteln sollten vorzugsweise duftstoff- und konservierungsfreie Produkte ausgewählt und angewendet werden:

  • zu Beginn der Pausen
  • nach Arbeitsende und in der Freizeit

Auf die Auswahl geeigneter Handschuhe achten

Handschuhe bieten Schutz vor Feuchtigkeit, infektiösen Materialien und aggressiven Substanzen. Einerseits bleiben die Hände in Handschuhen sauber und müssen weniger gewaschen werden. Andererseits stellt das Tragen derselben auch eine Belastung für die Haut dar. Nach längerem Tragen bildet sich ein Feuchtigkeitsfilm auf der Haut, der die Hornschicht aufquellen lässt. Bestimmte Materialien können Allergien auslösen. Daher ist darauf zu achten, Handschuhe nur so lange wie nötig zu tragen und für die unterschiedlichen Einsatzzwecke das richtige Material zu wählen.

Laut dem Leitfaden "Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen" sollten die Handschuhe im Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen folgende beide Nummern aufweisen:

  • DIN EN 455 Teile 1 bis 3 "Medizinische Handschuhe zum einmaligen Gebrauch"

  • DIN EN 374-1: "Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen"

Der Arbeitgeber muss:

  • geeignete Hautschutz- und Pflegemittel bereitstellen

  • einen Hautschutzplan zur Auswahl von Präparaten für die Hautreinigung, den Hautschutz und die -pflege erstellen

  • die Mitarbeiter in deren regelmäßige und richtige Anwendung unterweisen

  • bei beginnenden Hautschäden ist eine betriebsärztliche Vorstellung anzuraten

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KRINKO-Empfehlung

Arzt hat Fürsorgepflicht auch nach der Überweisung

Kommt ein Hausarzt gegenüber dem Patienten seinen Informationspflichten auch nach einer Überweisung nicht nach, kann dies im Ernstfall als grober Behandlungsfehler gewertet werden.

Wie der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte, hat der Hausarzt sicherzustellen, dass der Patient von Arztbriefen mit bedrohlichen Befunden – und gegebenenfalls von der angeratenen Behandlung – Kenntnis erhält. Dies gelte auch dann, wenn diese Befunde nach einem etwaigen Ende des Behandlungsvertrags bei ihm eingehen.

Ein Patient hatte seine langjährige Hausärztin wegen eines Behandlungsfehlers verklagt. Der Mann litt zunächst an Schmerzen im linken Bein und Fuß, woraufhin er von seiner Hausärztin in fachärztliche Behandlung und von dort weiter in ein Krankenhaus überwiesen wurde. Die Krankenhausärzte stellten in der linken Kniekehle eine Geschwulst fest, die mikrochirurgisch entfernt wurde. Eine Gewebeuntersuchung ergab, dass es sich bei der Geschwulst um einen malignen Nervenscheidetumor handelte. Der Patient sollte in einem onkologischen Spezialzentrum vorstellig werden. Das Schreiben der Klinik mit dieser Aufforderung ging nur an die Hausärztin, nicht jedoch an den Patienten.

In den folgenden eineinhalb Jahren passierte zunächst nichts. Als der Patient wegen einer Handverletzung nochmals die Hausärztin aufsuchte, kam das Gespräch auf die Bösartigkeit der entfernten Geschwulst. Schließlich musste der Patient im Krankenhaus weiterbehandelt werden. Dort wurde festgestellt, dass sich im Bereich der linken Kniekehle ein Rezidiv des Nervenscheidentumors gebildet hatte.

Nach Ansicht des BGH war die Hausärztin verpflichtet, dem Patienten die Diagnose des Krankenhauses mitzuteilen, da der zweite Arztbrief alleine an sie gerichtet gewesen sei. Aus dem Behandlungsvertrag ergebe sich eine nachwirkende Schutz- und Fürsorgepflicht.

Urteil

vom 26. Juni 2018, Az. VI ZR 285/17

Termine im Überblick

Praxismanagerin – rechte Hand der Praxisinhaber

Ärzte haben immer weniger Zeit, sich im Arbeitsalltag neben der Patientenbehandlung auch noch um die Organisation der Praxis zu kümmern. Eine Praxismanagerin kann viele dieser Aufgaben übernehmen.

Mittwoch, 14. November 2018 | KV RLP in Koblenz | 85 Euro je Teilnehmer | zertifizierte Fortbildung | Online-Anmeldung

Qualitätsmanagement (QM) für Fortgeschrittene

Ein individuelles einrichtungsinternes QM sichert die kontinuierliche Verbesserung der Patientenversorgung. Neben der aktuellen QM-Richtlinie und anderen neuen Gesetzen werden Fallbeispiele vorgestellt und Tipps zur Umsetzung gegeben.

Mittwoch, 14. November 2018 | KV RLP in Mainz | 95 Euro je Teilnehmer | zertifizierte Fortbildung | Online-Anmeldung

Weitere Seminare

Aktuelles zu Verordnungen – Konkret & Kompakt | 17. Oktober 2018 | Mainz | 35 Euro | zertifizierte Fortbildung

Sonographie der Säuglingshüfte | 7. November 2018 | Koblenz | 85 Euro | zertifizierte Fortbildung

Online-Anmeldung und weitere Termine

KV RLP-Terminkalender

Zeit sparen bei Fortbildungen

Die KBV bietet in ihrem Fortbildungsportal im Sicheren Netz der KVen zertifizierte Fortbildungen zu unterschiedlichen Themen.

Regelmäßige Fortbildungen für Ärzte und Psychotherapeuten sind Pflicht. Eine zeit- und kostensparende Alternative zu Präsenzveranstaltungen sind die zertifizierten Online-Fortbildungen des KBV-Fortbildungsportals. Diese befinden sich im Sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen. Um an der Fortbildung teilzunehmen, melden sich Vertragsärzte in ihrem KV-Portal an und wählen aus der Übersicht der Anwendungen das Fortbildungsportal aus.

Punktzertifizierte, unabhängige Fortbildung

Die KBV-Online-Schulungen für Vertragsärzte und -psychotherapeuten sind unabhängig, zertifiziert und kostenfrei. Sie bestehen aus den jeweiligen Lerninhalten und zehn Multiple-Choice-Fragen. Die Ärztekammer Berlin hat die Fortbildungen mit zwei CME-Punkten zertifiziert, die auf Wunsch des Arztes elektronisch an die zuständige Ärztekammer übermittelt werden.

Alle an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte und Psychotherapeuten müssen innerhalb von fünf Jahren mindestens 250 Fortbildungspunkte bei ihrer KV nachweisen. Dies gilt unabhängig davon, ob sie niedergelassen, ermächtigt oder angestellt sind. Zur Bestätigung reicht zum Beispiel ein Zertifikat der Ärztekammer. Nach der Rehabilitations-Richtlinie (§ 11) beispielsweise sollen Vertragsärzte und Psychotherapeuten mindestens einmal jährlich ihre Kenntnisse erweitern und vertiefen.

Aktuell angebotene Fortbildungsthemen:

  • Arzneimittel I Publikation Wirkstoff Aktuell: Sitagliptin
  • Diagnostik und Therapie I Methicillin-resistenter Staphylococcus-aureus-Keim (MRSA)
  • Nationale Versorgungsleitlinie I Nicht-spezifischer Kreuzschmerz
  • Rehabilitation I Online-Fortbildung Rehabilitation

Weiterführende Links

* KV-SafeNet steht nicht mit der Firma SafeNet, Inc., USA, in firmenmäßiger oder vertraglicher Verbindung.

Häufige Fragen

Den Informationsflyer zur Darmkrebsfrüherkennung gibt es nicht mehr – wie können die Patienten informiert werden?

Eine Patienteninformation zur Darmkrebsfrüherkennung stellt die KBV auf ihrer Website als Download zur Verfügung.

Patienteninformation Darmkrebs

Ein Patient mit Europäischer Krankenversichertenkarte kommt in die Praxis. Was ist zu beachten und wie muss vorgegangen werden?

Die ehemaligen Vordruck-Muster 80/81 sind seit 2017 entfallen. Bei Vorlage einer Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) muss diese zweifach kopiert und mit Datum, Unterschrift und Stempel versehen werden.

Das im Praxisverwaltungssystem zur Verfügung stehende Formular „Patientenerklärung Europäische Krankenversicherung“ wird dem Patienten in der gewünschten Sprachfassung ausgehändigt. Diese füllt der Patient aus und unterschreibt sie.

Die Kopie der EHIC sowie das Original der Patientenerklärung werden umgehend an die vom Patienten gewählte Krankenkasse gesendet. Die Zweitkopien sind für zwei Jahre in der Praxis aufzubewahren:

Sonstige Kostenträger

Service-Center

Telefon 06131 326-326
Fax 06131 326-327
service@kv-rlp.de

MO | DI | DO 8–18 Uhr
MI 8–17 Uhr
FR 8–16 Uhr

Hotlines für viele Themen

Die KV RLP führt landesweit neue Rufnummern ein.

Ab dem 15. Oktober 2018 sind alle Mitarbeiter der KV RLP unter einer neuen Telefonnummer erreichbar. Alle vier Standorte werden einheitlich mit der Mainzer Vorwahl (06131) und den ersten drei Nummern (326) ausgestattet. Darüber hinaus werden die Hotline-Nummern der KV RLP neu geordnet.

Die landesweite Nummer des Service-Centers bleibt nach wie vor die gleiche. Während der Einführungsphase kann es daher zu einer erhöhten Zahl an Anrufen bei den Mitarbeiterinnen
des Service-Centers kommen. Die KV RLP bittet um Verständnis, wenn Anrufer in den nächsten Wochen mit längeren Wartezeiten rechnen müssen, bevor das Gespräch entgegengenommen werden kann.

Neue Hotlines der KV RLP

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Alle Standorte

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  • DMP 3701
  • Honorar 2400
  • Kommunikation 2800
  • Qualitätsmanagement 3700
  • Qualitätszirkel 3800
  • Telematik 2700
  • Terminservice Praxen 3000
  • Verordnung 4200

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16. November 2018