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KV PRAXIS | September 2017

Vorwort

Peter Andreas Staub

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

"Wenn die Digitalisierung gut läuft, nutzt sie dem Patienten. Wenn das System schlecht ist, wird es zur Belastung." Dieses Zitat aus der FAZ vom 21. August 2017 stelle ich unserer aktuellen Ausgabe der KV PRAXIS mit dem Schwerpunktthema Telematik-Infrastruktur voran. Denn mit der Einführung der von den Krankenkassen finanzierten Konnektoren gegen Ende dieses Jahres und zu Beginn des nächsten Jahres kommt die Digitalisierung im Gesundheitswesen so langsam in Schwung. Wenn auch anfangs nur mit dem Abgleich der Versichertenstammdaten, so auch ziemlich bald mit dem eNotfalldatensatz, dem eMedikationsplan und der elektronischen Patientenakte.

"Gut laufen" bedeutet für unsere Praxen, dass sie am Ende nicht draufzahlen oder komplizierte Prozeduren für die Vergütung der technischen Ausgestaltung durchlaufen müssen. Hier haben wir in der KBV und der KV RLP dafür gesorgt, dass die Kosten und der erhebliche Aufwand der Erstausstattung adäquat in der ausgehandelten Kostenerstattung berücksichtigt werden. Aber auch, dass das Geld der Krankenkassen ohne bürokratische Antragsverfahren nach dem ersten digitalen Abgleich der Versichertendaten direkt an die Mitglieder ausgezahlt wird. Ebenso sind die bisherigen Bedenken im Sinne des Datenschutzes berücksichtigt worden: Gerade die extremen Sicherheitsvorschriften und Zulassungsbedingungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sorgten in den vergangenen Jahren für eine heilsame Verzögerung der gesetzlich schon längst geplanten Informationstechnologie.

Natürlich wird es an der einen oder anderen Stelle beim ersten Anlauf der neuen Technik noch etwas stottern. Aber ich kann mir vorstellen, dass eine gut laufende Digitalisierung den Arbeitsfluss in den Praxen deutlich unterstützen wird. Dafür werden wir den Praxen in der KV RLP nicht nur durch diese KV PRAXIS mit Rat und Tat an der Seite stehen.

Herzliche Grüße aus Mainz

Peter Andreas Staub
Mitglied des Vorstandes

Schwerpunkt "Digitalisierung"

Inkompatible Schnittstellen

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kommt schleppend voran. Es fehlt an kompatiblen digitalen Schnittstellen zwischen den Sektoren. Das wird vor allem am eingeführten Medikationsplan deutlich.

Bei einer Veranstaltung auf dem Deutschen Ärzteforum/Hauptstadtkongress in Berlin waren sich Vertreter der Ärzteschaft, der Apothekerschaft sowie der medizinischen Wissenschaft einig: Seinen Praxistest hat der Medikationsplan bislang nicht bestanden. Patienten, die dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel einnehmen, haben seit Oktober 2016 Anspruch auf einen Medikationsplan. Praxen müssen dafür seit April den bundeseinheitlich gestalteten Medikationsplan verwenden. Von einer digitalisierten Kommunikation zwischen den Heilberufen ist das Gesundheitswesen allerdings noch weit entfernt. Zwar sieht der zeitliche Ablauf im E-Health-Gesetz vor, dass der Medikationsplan im Laufe des Jahres 2018
auch auf der elektronischen Gesundheitskarte abrufbar sein soll. Doch muss dafür eine technische Infrastruktur zum datenschutzkonformen Austausch zwischen dem Praxisverwaltungs- und Apothekenverwaltungssystem vorhanden sein – bisher Fehlanzeige.

Keine gemeinsame Sprache zwischen Praxis- und Apothekencomputer

Erste Auswertungen eines Modellprojekts zur Erprobung des Medikationsplans fallen hierzu äußerst ernüchternd aus: In dem vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Projekt PRIMA wurde untersucht, wie ein elektronischer Medikationsplan von Ärzten und Apothekern gemeinsam nach definierten Qualitätsstandards erstellt und fortgeschrieben werden kann. Elf Paare aus je einem Arzt und einem Apotheker testeten den elektronischen Austausch von Medikationsplänen mit rund 200 Patienten. "Wir haben schnell gemerkt: Bei vielen Arzneimitteln unterscheiden sich Angaben in der Arztpraxis-Software von denen der Apotheken. Da sind Missverständnisse unvermeidlich", so das Zwischenfazit des Studienleiters Prof. Dr. Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Arztpraxen- und Apothekencomputer könnten laut Schulz nur dann miteinander richtig kommunizieren, wenn sie eine gemeinsame Sprache sprechen.

Ist der Medikationsplan korrekt und auf dem aktuellen Stand?

Ein weiteres Problem bei der Erstellung des Medikationsplans sprach ABDA-Vorstandsmitglied Stefan Fink auf dem Hauptstadtkongress an: So gebe es internationalen Untersuchungen zufolge Diskrepanzen bei den Medikationsangaben von Arzt, Apotheke und Patient. Häufig komme es vor, dass ein Patient ein nicht bekanntes oder nicht dokumentiertes Arzneimittel einnimmt. "Was man dem Medikationsplan nicht ansieht, ist, ob die Arzneimittel des Patienten richtig und vollständig angegeben und auf dem aktuellen Stand sind. Und kann der Patient den Medikationsplan überhaupt richtig lesen und die Angaben verstehen?", fragte der ABDA-Vertreter. Ein Plan mit ungesicherten Daten biete nur einen geringen Mehrwert.

In einer Langzeitstudie im Saarland hatten 22,7 Prozent von 2.470 Patienten, die im Zeitraum 2011 bis 2013 befragt wurden, einen Medikationsplan in Papierform. Die Klinikapothekerin Dr. Hanna Seidling verwies auf dem Berliner Kongress darauf, dass die Verständlichkeit des Plans für die Patienten essenziell sei. In einer Lesbarkeitsprüfung wurde unter anderem die Verständlichkeit der Darreichungsform, aber auch der Dosierung als eine Herausforderung genannt. Für den Bundesmedikationsplan, der von mehreren Heilberuflern ausgestellt werden kann, ist es zusätzlich wichtig, dass die Informationen und Bezeichnungen in den jeweils verwendeten Arzneimitteldatenbanken aufeinander abgestimmt werden. "Dabei braucht es auch klare Prozessbeschreibungen im Zusammenspiel von Arzt, Apotheker und Patient, um die Aktualität und Vollständigkeit des Planes sicherzustellen", merkt Dr. Seidling an.

Hausärzte plädieren für Echtzeit-Kommunikation zwischen Ärzten und Kliniken

Dr. Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, stellte auf dem Kongress den neuen Plan grundsätzlich infrage und nannte das Projekt ein "Phantom der Oper". "Zum einen kommunizieren die Ärzte untereinander überwiegend per Fax. Zum anderen scheitert der elektronische Datenverkehr bereits am Datenschutz." Das E-Health-Gesetz müsse in Wahrheit Papier-Health-Gesetz heißen, zumal der Medikationsplan nach wie vor in Papierform ausgestellt werde. "Ob Hausärzte den Medikationsplan vom Patienten erhalten, ist Zufall. Was wir stattdessen brauchen, ist eine Echtzeit-Kommunikation zwischen Hausärzten, Fachärzten, Krankenhäusern und Apothekern." Um die Arzneimitteltherapiesicherheit zu steigern, sieht Dr. Weigeldt den Einsatz einer digitalen Patientenakte als zwingend erforderlich an. Der gematik sei es bisher nicht gelungen, eine einheitliche Telematik-Infrastruktur zu etablieren.

Grundsätzlich stehen die Ärzte digitalen Angeboten positiv gegenüber, schenkt man aktuellen Umfragen Glauben. So hat eine Befragung des IT-Branchenverbandes Bitkom zusammen mit dem Hartmannbund unter 477 niedergelassenen Ärzten und Krankenhausärzten ergeben, dass 65 Prozent von der Akte eine einfachere Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen erwarten. 54 Prozent meinen, dass es so zu weniger Doppeluntersuchungen komme. Als größte Hürde beim Rollout der eAkte wird die Gefahr des Datenmissbrauchs (75 Prozent) gesehen.

So offen die Ärzte grundsätzlich der Digitalisierung gegenüberstehen, eines macht die Befragung auch deutlich: Papier und Stift haben in den Praxen noch lange nicht ausgedient. Beispielsweise erfolgen Notizen noch überwiegend analog (52 Prozent). Das Gleiche gilt für den Schriftverkehr (47 Prozent). Beim Kontakt zu Krankenkassen, anderen Arztpraxen oder Patienten dominieren Brief und Fax weiterhin deutlich gegenüber der E-Mail-Kommunikation. Ebenso erfolgt der Versand von Medikationsplänen zu 42 Prozent noch analog (digital: 43 Prozent).

Politik bringt Gesetz zu offenen Schnittstellen auf den Weg

Ein wichtiger Grund für die schleppende Entwicklung in der digitalen Kommunikation dürfte auch mit der fehlenden Interoperabilität zwischen den unterschiedlichen Praxis-IT-Systemen zu tun haben. Es mangelt an offenen Schnittstellen zum Datenaustausch. Um Bewegung in die Sache zu bringen, hat der Bundestag im "Gesetz zur Modernisierung der epidemiologischen Überwachung übertragbarer Krankheiten" den Paragrafen 291d des SGB V neu gefasst. Ziel ist die „Integration offener und standardisierter Schnittstellen“ in die IT-Systeme der Arztpraxen und Krankenhäuser, die zum Erheben, Verarbeiten und Nutzen patientenbezogener Daten eingesetzt werden. Künftig werden es niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten dann leichter haben, den IT-Anbieter zu wechseln.

Für die Integration hat der Gesetzgeber den Software-Herstellern eine zweijährige Umsetzungsfrist gesetzt. Nachdem auch der Bundesrat Anfang Juli grünes Licht für die Änderung gegeben hat, läuft die Frist, sobald eine entsprechende Schnittstelle von der Selbstverwaltung empfohlen wird.

Telematik: erste Praxistests bestanden

Im Herbst vergangenen Jahres gingen die ersten Praxen in der Testregion Nordwest für das Pilotprojekt Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) ans Netz. Einer der Teilnehmer, der Allgemeinarzt Dr. Michael Siegert aus Trier, zieht eine positive Zwischenbilanz.

Am 18. November 2016 war es so weit: Um 12:15 Uhr startete die Installation des Konnektors mit den zugehörigen Komponenten in der Praxis von Dr. Siegert. Außer ihm waren im Herbst 22 weitere niedergelassene Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten sowie ein Krankenhaus der Testregion Nordwest – die neben Rheinland-Pfalz auch Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein umfasst – in die Pilotphase eingebunden. Rund zweieinhalb Stunden dauerten die Installation der Hardware und die Einrichtung des Systems in der Trierer Testpraxis.

Online-Abgleich ohne größere Komplikationen

Nach über einem halben Jahr seit Start des Pilotprojekts zeigt sich Dr. Michael Siegert insgesamt zufrieden. "Alles in allem kann man sagen, dass die Erprobung in unserer Praxis ohne wesentliche Probleme stattgefunden und mittlerweile einen absolut stabilen Status erreicht hat." Das VSDM ermöglicht Ärzten und Psychotherapeuten zu überprüfen, ob die auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeicherten Versichertenstammdaten aktuell sind beziehungsweise ob ein gültiges Versichertenverhältnis besteht. Melden Patienten ihrer jeweiligen Krankenkasse Änderungen ihrer Daten, sei es Adresse oder Versichertenstatus, werden diese automatisch beim nächsten Besuch auf der Karte aktualisiert. Die Arztpraxis selbst ändert keine Daten.

Für Dr. Michael Siegert verlief der Online-Abgleich bisher ohne größere Komplikationen. "In der Anfangszeit kam es immer wieder mal vor, dass sich beim Einlesen der eGK unser Praxisverwaltungssystem Albis aufgehängt hat. Diese Probleme wurden aber umgehend behoben und durch entsprechende Updates ist das System seit Februar dieses Jahres absolut stabil", berichtet der Allgemeinarzt. In der Regel dauerten das Einlesen der eGK und der Online-Abgleich ohne Aktualisierung zwischen zwei und vier Sekunden – und damit genauso lang wie die Vorgänge mit der früheren Versichertenkarte.

"Beim Aktualisieren von Daten, zum Beispiel geänderten Adressdaten, dauern die Vorgänge einschließlich dem Übertragen auf die eGK inzwischen in der Regel maximal 10 Sekunden. Der Vorteil besteht auch für die Praxis darin, dass diese Daten dann auch in die Praxisverwaltungssoftware übernommen werden, also die Zeit für eine händische Korrektur durch die Helferinnen entfällt", sagt Dr. Siegert.

Steuernde Komponente ist der Konnektor

Mit dem automatischen Online-Abgleich der Versichertenstammdaten werden die Stabilität des digitalen Netzes des deutschen Gesundheitswesens sowie die Praxistauglichkeit der damit verbundenen Prozesse getestet und wissenschaftlich evaluiert. Das umfasst das Zusammenwirken aller von der gematik zugelassenen Geräte und Dienste und die technischen Abläufe beim Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte bis hin zur Schulung der Ärzte, Zahnärzte und des medizinischen Personals. Die steuernde Komponente für die Anbindung an das digitale Netzwerk des deutschen Gesundheitswesens ist der Konnektor. Er verbindet die Praxis beziehungsweise Krankenhaus-IT-Systeme mit der Außenwelt, der Telematik-Infrastruktur.

Bei dem Konnektor handelt es sich um eine Art Router, ähnlich einem DSL-Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Die genauen Sicherheitsanforderungen haben die Betreibergesellschaft gematik und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) definiert und stellen sicher, dass diese strengen Kriterien auch eingehalten werden. Als Firewall schützt der Konnektor das lokale IT-System und die zentrale Plattform gleichermaßen. Zugleich stellt der Konnektor ein sogenanntes virtuelles privates Netzwerk (VPN) her, das es ermöglicht, elektronische Anwendungen unter Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologien völlig abgeschirmt vom sonstigen Internet zu nutzen. Daneben erfüllt der Konnektor noch andere Sicherheitsaufgaben, beispielsweise die Verschlüsselung und die qualifizierte elektronische Signatur von Dokumenten.

Weitere eGK-Anwendungen ab dem nächsten Jahr

Der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten ist die erste Anwendung der Telematik-Infrastruktur. Perspektivisch kommen im Laufe der nächsten Jahre noch weitere Anwendungen hinzu, für die sich der Einsatz der eGK eignet. Geplant ist, dass Patienten ihren Medikationsplan 2018 auf der Gesundheitskarte speichern können. Ab dem 1. Januar 2019 müssen dann alle Vertragsärzte und Apotheker in der Lage sein, einen mittels der eGK gespeicherten Medikationsplan zu aktualisieren. Ebenfalls will die gematik bis Ende dieses Jahres alle notwendigen Voraussetzungen für das Notfalldatenmanagement schaffen. Ein Praxistest ist dazu positiv verlaufen. Das Bundesgesundheitsministerium plant, Patienten die Speicherung der Notfalldaten auf der eGK ebenfalls im nächsten Jahr zu ermöglichen. Schließlich sollen Versicherte ab dem Januar 2019 auch Anspruch auf eine elektronische Patientenakte haben, in der wichtige Dokumente wie Arztbriefe, Medikationsplan oder Impfausweis aufbewahrt werden können.

Den Ausbau medizinischer Anwendungen im Rahmen der Telematik-Infrastruktur wie die ePatientenakte oder den Medikationsplan befürwortet auch Dr. Siegert. "Die Patientenakte wird aber aufgrund von Speicherplatzbegrenzung sicherlich nicht auf der eGK gespeichert werden, sondern diese sollte dann als Schlüsselkarte für den Zugang zu einer zentral durch die Ärzteschaft verwalteten Online-Speicher-Infrastruktur realisiert werden." Im Vier-Augen-Prinzip unter Beteiligung des Patienten und des Heilberuflers, der sich mit einem elektronischen Arztausweis (eHBA) gegenüber dem System authentifiziert, könne dann unabhängig von persönlicher Verfügbarkeit auf Befunddaten des Patienten zugegriffen werden. "Dies erhöht die Qualität der medizinischen Versorgung aufgrund der besseren Verfügbarkeit von anamnestischen Daten, Diagnosen, Medikation und anderen wichtigen Befunden", ist Dr. Siegert überzeugt.

Ärztetag macht Vorgaben für den Ausbau der Digitalisierung

Auf dem Deutschen Ärztetag in Freiburg im Mai 2017 hatten die Delegierten "grundsätzlich die Möglichkeiten dieser digitalen Anwendungen" begrüßt, da sie die Chance böten, bessere Informationen als Grundlage für diagnostische und therapeutische Entscheidungen zur Verfügung zu stellen. Allerdings knüpfen sie den Ausbau daran, dass die ärztliche Schweigepflicht weiter gewährleistet und Gesundheitsdaten vor dem Zugriff unberechtigter Dritter geschützt sind. Auch müsse die Benutzerfreundlichkeit der Anwendungen für Ärzte und Patienten gleichermaßen gegeben sein; Letztere müssten das Recht behalten, sich freiwillig für oder gegen die Nutzung der Anwendungen entscheiden zu können.

Skeptische Stimmen zum Projekt eGK und dem Rollout der Telematik-Infrastruktur gibt es in der Ärzteschaft nach wie vor. Doch sei Angst ein schlechter Berater, meint Dr. Siegert. "Sorge und Vorsicht sind sicherlich immer angebracht. Daher sollte aber gerade in einem System wie der jetzt aufgebauten Telematik-Infrastruktur, die ein Höchstmaß an Sicherheit bietet, der Datenaustausch besser und sicherer ablaufen, als das bisher über Fax, Post und Telefon läuft." Und Dr. Florian Muhß von der CompuGroup Medical, die mit der Installation der TI beauftragt ist, ergänzt: "Für die Akzeptanz der TI bei allen Teilnehmern ist es erforderlich, dass auf Basis einer stabilen Spezifikationslage sowohl weitere zugelassene dezentrale Komponenten als auch weitere, für Ärzte und Patienten relevante Anwendungen verfügbar sind."

Anfang Juni hat die Gesellschafterversammlung der gematik den Produktivbetrieb der Telematik-Infrastruktur mit der VSDM-Anwendung freigegeben und damit den gesetzlichen Auftrag erfüllt. Nun ist die Industrie am Zug: Die gematik geht davon aus, dass die ersten Konnektoren ab Herbst auf dem Markt sein werden. Erst dann kann die Ausstattung der Praxen beginnen. Ursprünglich war die gesetzliche Vorgabe, dass alle Praxen bis zum 1. Juli 2018 an die TI angebunden sein müssen, um den VSDM-Abgleich umsetzen zu können. Nach Gesprächen der KBV mit dem Bundesgesundheitsministerium wird die Frist nun voraussichtlich um ein halbes Jahr verlängert.

Weiterführende Informationen

KBV | Telematikinfrastruktur

Fünf Schritte zur Telematik-Infrastruktur

Die KBV und die gematik erläutern, wie Ärzte Schritt für Schritt vorgehen, um ihre Praxis an die Telematik-Infrastruktur anzuschließen.

Bis Mitte nächsten Jahres müssen Praxen ihre EDV technisch erweitern, um den Online-Versichertenstammdatenabgleich mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) zu ermöglichen. Für den Anschluss an die Telematik-Infrastruktur (TI) sind bestimmte Komponenten erforderlich. Welche das sind und wie die Installation abläuft, erläutern die KBV und die mit dem eGK-Projekt betraute Betreibergesellschaft gematik.

Erster Ansprechpartner für die Installation wird in der Regel der Hersteller oder Betreuer des Praxisverwaltungssystems (PVS) sein. Grob skizziert sieht der idealtypische Ablauf so aus:

1. Zeitpunkt für Einstieg festlegen

Zunächst besteht kein Anlass zur Hektik: Warten Sie ab, bis alle benötigten Produkte (siehe Kasten) von der gematik zugelassen und verfügbar sind. Die ersten TI-Komponenten, ein stationäres Kartenterminal, ein Konnektor und der benötigte Praxisausweis werden voraussichtlich ab Herbst 2017 bereitstehen. Listen der zugelassenen Komponenten und Dienste werden nach und nach auf der Website der KV RLP veröffentlicht.

Fragen Sie darüber hinaus bei dem Hersteller Ihres Praxisverwaltungssystems nach, ab wann er das Software-Update bereitstellen kann. Das Update ist für den Anschluss an die Telematik-Infrastruktur erforderlich, ebenso wie ein Internetanschluss.

2. Angebot einholen

Holen Sie sich ein oder mehrere Angebote für die Erstausstattung und den laufenden Betrieb ein. Dann in Ruhe prüfen:

  • Sind die Kosten mit der Erstausstattungspauschale gedeckt? Die Höhe der Pauschale richtet sich danach, wann die Praxis das erste Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) umgesetzt hat, und nicht danach, wann Sie die Technik bestellt haben. Lassen Sie sich deshalb schon im Vertrag zusichern, in welchem Quartal die Geräte installiert werden.

  • Ist ein kostenloses Update für die qualifizierte elektronische Signatur (QES) des Konnektors enthalten?

  • Ist bei einem Defekt ein zeitnaher Austausch der Komponenten (Konnektor, Kartenterminal, Praxisausweis) festgelegt?

  • Vertragslaufzeit: Verträge über mehrere Jahre schränken Optionen für einen Wechsel auf bessere Komponenten oder günstigere Betriebskosten stark ein.

  • Ist die kostenlose Nutzung des Sicheren Netz der KVen über den Konnektor beziehungsweise VPN-Zugangsdienst eingeschlossen oder werden hierfür extra Gebühren erhoben?

  • Ist ein geeigneter Aufstellort für den Konnektor vorhanden? Der Konnektor sollte genauso schützenswert behandelt werden wie Patientenakten – digital oder auf Papier. Abschließbare Schränke sind jedoch nicht erforderlich.

3. Praxisausweis bestellen

Für die Anmeldung in die TI ist ein Praxisausweis (SMC-B-Karte) notwendig. Beantragen Sie Ihre(n) Praxisausweis(e) rechtzeitig bei einem von der gematik zugelassenen und zertifizierten Kartenhersteller, damit er und die PIN rechtzeitig zur Installation des TI-Anschlusses vorliegen. Beachten Sie: Von der Antragstellung bis zum Empfang müssen Sie etwa mit zwei Wochen Wartezeit rechnen.

Die zugelassenen Kartenhersteller wird die KV RLP ab Herbst auf ihrer Website veröffentlichen und verlinken. Über diese Verlinkungen gelangen Sie auf das Webportal des jeweiligen Herstellers, um dort Ihren Praxisausweis zu beantragen. Um sicherzustellen, dass nur berechtigte Nutzer Zugang zur TI erhalten, holt dieser bei der KV RLP die Bestätigung darüber ein, dass der Antragsteller tatsächlich Vertragsarzt/-psychotherapeut ist und damit Anspruch auf einen Praxisausweis hat.

Sie erhalten danach per Einschreiben eigenhändig den Praxisausweis sowie per Post in einer separaten Sendung den dazugehörigen PIN/PUK-Brief. Nach Erhalt müssen Sie den Praxisausweis bei Ihrem ausgewählten Anbieter freischalten. Bewahren Sie bitte den Praxisausweis und den PIN/PUK-Brief unbedingt an einem sicheren Ort auf, da sie sowohl für die Installation als auch für den laufenden Betrieb der TI erforderlich sind. Über den genauen Ablauf wird Sie Ihr Kartenhersteller informieren.

4. Termin für Installation vereinbaren

Praxisinhabern ist davon abzuraten, die Komponenten für die TI eigenständig zu installieren. Die KV RLP empfiehlt, frühzeitig einen EDV-Experten zu kontaktieren. Vereinbaren Sie mit dem PVS-Betreuer einen Termin für die Installation der TI-Komponenten (Konnektor, Kartenterminal(s) etc.). Halten Sie für die Installation die Administrator-Passwörter für die Praxis-IT, die Passwörter für Internet und Internet-Router sowie die PIN für den Praxisausweis bereit. Mit Ihrem PVS-Betreuer können Sie vorab klären, ob und wie der Praxisbetrieb am Installationstag aufrechterhalten werden kann. Manche Installationen sind zeitgleich zum Praxisbetrieb umsetzbar. Nach dem erfolgreichen Anschluss an die TI kann der Abgleich der Versichertendaten auf der eGK gestartet werden.

5. Finanzierungspauschalen erhalten

Das Geld für die Erstausstattung und den laufenden Betrieb erhalten Sie über die KV RLP. Ein gesonderter Antrag ist hierfür nicht notwendig.

Zwei mögliche Szenarien für den Anschluss an die Telematik

Integriertes Szenario

In diesem standardmäßig gewählten Szenario kann das Praxisverwaltungssystem (PVS) über den Konnektor die TI erreichen. Aufgrund der aufwendigen Sicherheitstechnik ist die Praxis vor Zugriffen von außen geschützt. Es sind alle zukünftigen Anwendungen der TI vollumfänglich nutzbar. Ebenfalls ist möglich, das Sichere Netz der KVen (SNK) und den sicheren Internet Service (SIS) zu nutzen.

Stand-alone-Szenario mit physischer Trennung

In diesem Szenario ist das PVS nicht an die TI angebunden, Praxis-LAN und TI sind physisch komplett getrennt. Dies erfolgt mittels Einsatzes eines weiteren Konnektors und eines weiteren stationären Kartenterminals. Entstehende Zusatzkosten sind nicht über die TI-Finanzierungsvereinbarung abgedeckt und müssen selbst getragen werden.

Verwandte Themen

Bereit für die Datenautobahn

Folgende technische Komponenten und Dienste benötigt eine Praxis zum Anschluss an die TI:

Konnektor

Über ihn erfolgt die Anbindung an die TI. Bei dem Konnektor handelt sich um eine Hardware-Box, die einem DSL-Router ähnelt, jedoch auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau arbeitet. Der von der gematik zugelassene Konnektor erfüllt die hohen Datenschutzanforderungen und ist vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert. Es wird ein sogenanntes virtuelles privates Netzwerk (VPN) zur TI hergestellt, was eine Kommunikation unter Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologien ermöglicht. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem PVS per Netzwerk verbunden. Praxisgemeinschaften können einen Konnektor auch gemeinsam verwenden. Mit dem Konnektor ist aber noch keine qualifizierte elektronische Signatur (QES) möglich. Beachten Sie: Dafür wird später ein Update notwendig, welches der Hersteller kostenneutral zusagen sollte.

Stationäres Kartenterminal

Es wird mit dem Konnektor beziehungsweise dem Praxisnetzwerk (LAN) verbunden und ist nicht direkt am PC angeschlossen. Über das Kartenterminal erfolgt auch die Anmeldung der Praxis an der TI: Dazu wird der neue Praxisausweis (SMC-B) – eine Chipkarte, die die Praxis für die Teilnahme an der TI authentifiziert – in das Kartenterminal eingesteckt. Der elektronische Heilberufsausweis kann ebenfalls über die Terminals eingelesen werden.

Mobiles Kartenterminal (optional)

Dieses wird Ärzten, die Haus- und Pflegeheimbesuche durchführen, reisenden Anästhesisten sowie Praxen mit ausgelagerten Praxisstätten ebenfalls erstattet, um abrechnungsrelevante Versichertenstammdaten zu lesen und zwischenzuspeichern. Das Gerät arbeitet im Offline-Betrieb. Daher ist kein Abgleich der Versichertenstammdaten möglich und erforderlich; dies erfolgt ausschließlich in der Praxis. Zum Auslesen einer eGK ist ein weiterer Praxisausweis erforderlich. Da erst im Verlauf des Jahres 2018 mit neuen mobilen Kartenlesegeräten zu rechnen ist, können Bestandsgeräte vorerst weiterverwendet werden. Mobile Kartenterminals können zeitlich unabhängig von den anderen Komponenten bestellt und angebunden werden.

Praxisverwaltungssystem (PVS)

Auch das PVS muss angepasst werden, damit eine Verbindung zur TI hergestellt wird und die Versichertenstammdaten auf der eGK importiert werden können. Ein spezielles Update ist Grundvoraussetzung für alle weiteren Schritte der TI-Anbindung.

Praxisausweis (SMC-B-Karte)

Jede Betriebsstätte benötigt für den autorisierten Zugang zur TI einen Praxisausweis, damit der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen kann. Dieser wird bei der Installation der TI-Komponenten in eines der stationären Kartenterminals gesteckt und über eine PIN freigeschaltet. Wie bei der SIM-Karte eines Smartphones muss die PIN nur dann neu eingegeben werden, wenn das Gerät neu eingeschaltet wird.
VPN-Zugangsdienst

Er ist vergleichbar mit einem KV-SafeNet*-Provider, der den Zugang sowohl zur TI als auch zum Sicheren Netz der KVen bereitstellt. Als Transportinfrastruktur zwischen dem Netz der Praxis auf der einen Seite und dem VPN-Zugangsdienst auf der anderen Seite wird in der Regel das öffentliche Internet genutzt. Praxisgemeinschaften können einen gemeinsamen VPN-Zugangsdienst verwenden.

Elektronischer Heilberufsausweis (optional)

Damit kann sich der Arzt/Psychotherapeut innerhalb der TI identifizieren. Für die Anbindung an die TI wird der Ausweis nicht gebraucht, jedoch für die QES, zum Beispiel für den eArztbrief, für Laborüberweisungen oder Anforderungen von Telekonsilen. Der Ausweis kann bei der jeweiligen Bezirksärztebeziehungsweise bei der Psychotherapeutenkammer beantragt werden.

*KV-SafeNet steht mit der Firma SafeNet, Inc., Belcamp, Maryland, USA, in keiner firmenmäßigen oder vertraglichen Verbindung.

Praxen bekommen Pauschalen ausgezahlt

Die finanziellen Aufwendungen für die Installation der Telematik-Infrastruktur erhalten die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten unbürokratisch erstattet. Wer die Online-Abrechnung nutzt, kommt schneller an sein Geld.

Jede an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Praxis hat Anspruch auf eine Erstausstattungspauschale für die Anschaffung eines Konnektors und mindestens eines stationären Kartenterminals. Im dritten Quartal 2017 beträgt die Pauschale 3.055 Euro für eine Einzelpraxis, für Berufsausübungsgemeinschaften mit mehreren Ärzten (Vollzeitäquivalente) erhöht sich die Pauschale. In den kommenden drei Folgequartalen bis einschließlich II/2018 werden die Erstattungsbeträge jeweils um zehn Prozent abgesenkt. Hintergrund ist die Erwartung, dass die Preise für die Konnektoren fallen, sobald mehr Anbieter auf den Markt kommen. Andernfalls wollen die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV Spitzenverband neu verhandeln. Darauf weist die KBV in ihrer Praxisinformation von Juli 2017 ausdrücklich hin.

Zusätzlich erhalten die Praxen eine einmalige Starterpauschale von 900 Euro. Darin enthalten sind die Kosten für das PVS-Software-Update, die Installation der Technik sowie den Zusatzaufwand der Praxen in der Startphase des Versichertenstamm-datenmanagements (VSDM).

Auch für die laufenden Betriebskosten, die beispielsweise die Wartung und die notwendigen Updates des Konnektors sowie den VPN-Zugangsdienst betreffen, erhalten Praxen Geld. Diese Pauschale beträgt vom dritten Quartal 2017 bis zum zweiten Quartal 2018 298 Euro je Quartal. Ab dem dritten Quartal 2018 sind es 248 Euro je Quartal, da mit dem günstigeren Konnektor auch geringere Betriebskosten zu erwarten sind. Weitere laufende Pauschalen wird es für den Praxisausweis (SMC-B) und den elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) geben. Für den Praxisausweis werden 23,25 Euro je Quartal und berechtigtem Ausweis finanziert. Für den eHBA gibt es eine Pauschale von 11,63 Euro pro Quartal und Ausweis.

Wenn eine der nachfolgend aufgeführten Voraussetzungen erfüllt ist, haben alle in der Praxis tätigen Vertragsärzte mit mindestens hälftiger Zulassung Anspruch auf die Pauschale eines mobilen Kartenterminals in Höhe von 350 Euro:

  • mindestens drei nachgewiesene Hausbesuche im vergangenen oder aktuellen Quartal

  • abgeschlossener Kooperationsvertrag zur Pflegeheimversorgung (nach § 119b SGB V)

  • Versorgung von Patienten in anderen Praxen (zum Beispiel Anästhesisten)

Auch ausgelagerte Praxisstätten – sie werden nicht mit Konnektor und stationärem Kartenterminal ausgestattet – erhalten diese Pauschale. Für den Betrieb eines mobilen Kartenterminals wird ein weiterer Praxisausweis zur Identifikation benötigt. Die Kosten hierfür werden ebenfalls erstattet.

Es muss kein Finanzierungsantrag gestellt werden

Anspruch auf finanzielle Förderung haben in Rheinland-Pfalz alle Ärzte und Psychotherapeuten, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen. Jede genehmigte Betriebs- und Nebenbetriebsstätte erhält nach erstmaliger Nutzung die Pauschalen für notwendige TI-Komponenten und deren laufenden Betrieb. Ausgelagerte Praxisstätten erhalten lediglich eine Pauschale für ein mobiles Kartenterminal und einen Praxisausweis.

Wichtig für alle Mitglieder der KV RLP: Sie müssen für die Auszahlung der Pauschale kein Antragsformular ausfüllen. Ebenso muss der Kauf der einzelnen Komponenten nicht nachgewiesen werden. Bei dem erstmaligen Versichertenstammdatenabgleich wird ein Prüfnachweis erzeugt, der über die Abrechnung an die KV RLP übermittelt wird. Ab diesem Zeitpunkt besteht ein Anspruch auf die Pauschalen für die Erstausstattung sowie für den laufenden Betrieb, die anschließend ohne Finanzierungsantrag von der KV RLP ausgezahlt werden. Dies gilt übrigens auch für berechtigte Praxisausweise und eHBAs. Die Höhe der Pauschalen richtet sich somit nicht nach dem Zeitpunkt des Kaufs oder der Lieferung, sondern nach der Inbetriebnahme der neuen Technik.

Praxen, die keinen VSDM-Prüfnachweis erzeugen können, da sie keinen Arzt-Patienten-Kontakt haben, erbringen den  Nachweis der TI-Anbindung durch einmalige Anmeldung am Mitgliederbereich der KV RLP. Durch die Anmeldung über das Netzwerk der TI ist für die KV RLP der Zugangsweg über die TI ersichtlich. In solchen Ausnahmefällen erfolgt die Erstattung der Pauschalen für die Erstausstattung sowie für den laufenden Betrieb ohne VSDM-Prüfnachweis.

Verzögerte Auszahlung bei herkömmlicher Abrechnung

Konkret läuft es so ab: Sobald die Praxen an die TI angeschlossen sind, kommen sie über den Konnektor in das Sichere Netz der KVen (SNK). Das gilt im Übrigen auch für Praxen, die derzeit nicht an das Sichere Netz angeschlossen sind. Auch sie haben dann die Möglichkeit, Zugangsdaten zum Mitgliederbereich der KV RLP zu beantragen. Für den Zugang zum SNK entstehen möglicherweise monatliche Zusatzkosten. Wenn Praxisinhaber auf die TI umsteigen und das SNK bereits nutzen, sollten sie prüfen, ob ihr Vertrag für diesen Fall ein ordentliches Kündigungsrecht für ihren KV-SafeNet*-Anschluss vorsieht. So müssen nicht zwei Anschlüsse parallel betrieben und finanziert werden. Dieser Anschluss sollte jedoch frühestens nach Anbindung an die TI und erfolgreicher Anmeldung im Mitgliederbereich der KV RLP gekündigt werden.

Bereits vier Wochen vor Quartalsende können Praxen eine Testabrechnung hochladen, über die die KV RLP den VSDM-Prüfnachweis auslesen kann. Im Anschluss erhält die Praxis automatisiert eine Nachricht über das Fehlerprotokoll im Mitgliederbereich der KV RLP zugestellt, die den Eingang des erforderlichen Nachweises bestätigt und grob über den Auszahlungszeitraum informiert.

Praxen, die die Online-Abrechnung nutzen, haben also den Vorteil, schneller in den Genuss der Pauschale zu kommen als solche, die noch auf herkömmlichem Weg abrechnen. Wird beispielsweise über einen Datenträger abgerechnet, ist ein zeitlicher Verzug bei der Auszahlung bis zu sechs Wochen möglich. Diese Praxen müssen warten, bis die reguläre Abrechnung eingereicht wird. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die KV RLP berechnet bei online abrechnenden Praxen den ermäßigten Verwaltungskostensatz von 2,3 Prozent – statt 2,5 Prozent – bezogen auf das erwirtschaftete Honorar.

Eckdaten E-Health-Gesetz

Oktober 2016

Patienten haben Anspruch auf einen Medikationsplan. Betroffen sind alle GKV-Versicherten, die regelmäßig mindestens drei verordnete Medikamente dauerhaft gleichzeitig anwenden.

Januar 2017

Praxen erhalten bis Ende 2017 einen Zuschuss für die Übermittlung des eArztbriefes. Danach wird zwischen der KBV und dem GKV-Spitzenverband neu verhandelt.

April 2017

Die GOP für die Telekonsile bei der Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen wird in den EBM aufgenommen.

Ärzte können auch Online-Videosprechstunden abrechnen.

Juli/Dezember 2018

Ärzte und Psychotherapeuten sind gesetzlich zur Prüfung der Versichertenstammdaten auf der eGK verpflichtet.

2019

Elektronische Patientenakte und elektronisches Patientenfach sollen zur Verfügung stehen.

Verwandte Themen

KV PRAXIS Juni 2017 | Telematik-Infrastruktur: kein Grund zur Eile

Weiterführende Links und Dokumente

  • KV KOMPAKT | Übersicht Erstattung für Komponenten der Telematik-Infrastruktur | Seiten 19 und 20 | siehe Dokument weiter unten auf dieser Seite

*KV-SafeNet steht mit der Firma SafeNet, Inc., Belcamp, Maryland, USA, in keiner firmenmäßigen oder vertraglichen Verbindung.

Politisch

Kostenbewusstsein statt Flatrate

Eigenbeteiligungen von Patienten beim Haus- und Facharzt sind in vielen anderen Ländern gang und gäbe. Der Vorstand der KV RLP plädiert dafür, auch in Deutschland auf alle Gesundheitsleistungen eine sozial abgefederte prozentuale Selbstbeteiligung einzuführen.

Als KV PRAXIS im Sommer die gesundheitspolitischen Sprecher der Parteien nach ihrer Position zu einer möglichen Selbstbeteiligung von Patienten befragte, fiel die Antwort einhellig aus: Keine von ihnen sieht derzeit einen Anlass, nach der im Jahr 2013 abgeschafften Praxisgebühr wieder ein gleichgeartetes oder ähnliches Modell zur Patientensteuerung einzuführen. Einzig die CDU-Sprecherin Maria Michalk bedauerte rückblickend die damalige Bundestagsentscheidung. Sie spricht sich für eine "indirekte Patientensteuerung, etwa durch mehr Entscheidungssouveränität der Patienten in Verbindung mit einer guten Patienteninformation" aus. Sie glaubt aber, "wir können uns nicht dem Diskussionsbedarf über weitere Steuerungselemente entziehen".

Ausschlaggebend für die damalige Entscheidung der Abgeordneten, sich wieder von der Praxisgebühr zu verabschieden, war die mangelnde Steuerungsfunktion. "Auch wir hatten die patientensteuernde Wirkung stets bezweifelt und daher abgelehnt", so der Vorstandsvorsitzende der KV RLP, Dr. Peter Heinz. Die Praxisgebühr als feststehender Fixbetrag, der beim ersten Arztkontakt im Quartal fällig wurde, berechtigte zur uneingeschränkten Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen im gleichen Quartal. "Die Praxisgebühr wurde daher von vielen Patienten als Flatrate angesehen", erinnert sich Dr. Heinz. "Ein Anreiz zum kostenbewussten Umgang mit den Ressourcen des Gesundheitswesens ist so kaum gegeben."

Selbstbeteiligung in vielen Ländern selbstverständlich

Nach Einschätzung des Vorstandes der KV RLP würde eine sozial abgefederte prozentuale Selbstbeteiligung auf alle Gesundheitsleistungen für die Patienten Transparenz über die von ihnen ausgelösten Kosten schaffen. "Die Höhe der Selbstbeteiligung wäre abhängig von der Zahl der Inanspruchnahmen. Je höher die Zahl der Inanspruchnahmen, desto höher wäre die Summe der Selbstbeteiligungen bis zu einer politisch festgelegten, individuellen Belastungsgrenze", erläutert Dr. Heinz. Der Anreiz für einen Homo oeconomicus sei, die Zahl der Inanspruchnahmen und so die Höhe der Summe der Selbstbeteiligungen zu minimieren, ohne auf notwendige Untersuchungen zu verzichten.

Würde eine Selbstbeteiligung für Patienten im Gesundheitswesen Realität, befände sich Deutschland durchaus in bester Gesellschaft. Zahlreiche andere europäische Länder kennen eine Selbstbeteiligung von Patienten beim Arztbesuch beziehungsweise bei den Behandlungskosten. In einer international vergleichenden Untersuchung hat das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (PKV) die Zugangshürden in der Gesundheitsversorgung in 23 europäischen beziehungsweise OECD-Ländern untersucht. Besonders hoch seien demnach Selbstbeteiligungen in Frankreich, wo das öffentliche Gesundheitssystem nur etwa drei Viertel der Kosten medizinisch notwendiger Behandlungen übernimmt.

Gedanke des Gatekeepings in vielen Ländern

Wie aus der PKV-Studie weiter hervorgeht, begrenzen Länder, die keine oder nur geringe Selbstbeteiligungen für ärztliche Behandlungen einfordern, den Zugang zur Versorgung über ein Gatekeeping-System. Das bedeutet, dass der Patient nicht ohne hausärztliche Überweisung einen Facharzt aufsuchen darf. Grundgedanke dabei ist, dass der Gatekeeper einen koordinierten und sektorenübergreifenden Behandlungsablauf sicherstellen soll. Selbst in den Gesundheitssystemen, in denen ein Zugang zum Facharzt trotz Gatekeeping möglich ist, ist der direkte Besuch beim Facharzt für Patienten mit spürbaren finanziellen Nachteilen verbunden.

Deutschland ist laut der Untersuchung neben Österreich und Tschechien das einzige Land, in dem in der ambulanten ärztlichen Versorgung weder Selbstbeteiligungen vorgesehen sind, noch zwangsläufig ein Gatekeeping stattfindet. Darüber hinaus verfüge das deutsche Gesundheitswesen im internationalen Vergleich über eine der umfangreichsten Leistungskataloge.

Selbstbeteiligungen in der Arzneimittelversorgung üblich

Aus Sicht von Dr. Peter Heinz besteht aufgrund politisch definierter Belastungsgrenzen keine Gefahr, dass auf notwendige medizinische Untersuchungen und Behandlungen verzichtet werde. Der Eigenanteil pro Medikament beträgt derzeit zehn Prozent des Arzneimittelpreises, mindestens fünf und maximal zehn Euro. Durch die Begrenzung auf zehn Euro werde der Patient vom Gesetzgeber allerdings nur unzureichend am Marktgeschehen beteiligt. "Durch eine nach oben offene Eigenbeteiligung oder zumindest die spürbare Anhebung der Maximalselbstbeteiligung hätte er ein spürbares Interesse an gleichwertigen günstigen Präparaten. Er wäre so ein ernsthafter Akteur bei der Preisgestaltung am Markt und würde in die Verantwortung für das Solidarsystem ‚Gesetzliche Krankenversicherung‘ einbezogen", erläutert der Vorstandsvorsitzende.

Dr. Heinz fordert die stärkere Einbeziehung finanzstarker Patienten in die Solidarverantwortung

"Durch Nachfragen beim Arzt oder Apotheker lassen sich prinzipiell günstigere Medikamente mit der gleichen Wirkung wählen. Dies wäre ein zutiefst demokratischer Prozess und würde die Möglichkeiten von marktbasierten Kosteneinsparungen und somit Beitragssatzstabilität oder gegebenenfalls auch Senkungen der Beiträge zur Gesetzlichen Krankenkasse eröffnen." Dass sozial schwache und chronisch kranke Menschen aufgrund von Selbstbeteiligungen grundsätzlich nicht auf die Einnahme notwendiger Medikamente verzichten, zeigt die Studie Gesundheitsmonitor 2013: Etwa 70 Prozent dieser Patienten haben noch nie auf verordnete Medikamente verzichtet, 90 Prozent noch nie die Dosierung verringert. Aufgrund von Höchstbelastungsgrenzen und Befreiungswirkungen dürften bei den restlichen 10 bis 30 Prozent jedoch andere als finanzielle Gründe für den Verzicht eine Rolle spielen.

Ergebnis der Studie ist auch, dass 61- bis 70-jährige chronisch Kranke rund 70 Prozent mehr Eigenbeteiligungen leisten als die Referenzgruppe der 18- bis 30-Jährigen. Dass Eigenbeteiligungsmodelle derzeit vor allem auf solche Gesundheitsleistungen ausgerichtet sind, die chronisch Kranke besonders treffen, ist laut Dr. Heinz zutiefst unsozial. Die Konsequenz müsse sein, dass gesündere, finanzstärkere Patienten durch die Ausweitung der Selbstbeteiligung auf alle Gesundheitsleistungen stärker in die Solidarverantwortung einbezogen werden.

Durch Selbstbeteiligungen lassen sich übrigens im europäischen Vergleich keine negativen Auswirkungen auf die Lebenserwartung feststellen. Beispielsweise liegt die Lebenserwartung in Frankreich, wo die Selbstbeteiligung besonders hoch ist, sogar höher als in Deutschland. Zum Vergleich: Die Lebenserwartung bei Männern beträgt dort 79,2 Jahre und bei Frauen 85,5 Jahre. In Deutschland liegt die Lebenserwartung bei 78,3 Jahren (Männer) und 83,1 Jahren (Frauen).

Gesetzliche Regelung schützt bereits vor Überforderung

"Sozial abgefederte Selbstbeteiligungen tragen dazu bei, die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung sozialer zu gestalten", argumentiert Dr. Heinz. Sogar der Gesetzgeber habe Regelungen für Selbstbeteiligungen bis zu einer festgelegten Belastungsgrenze vorgesehen. Das Fünfte Sozialgesetzbuch (§ 62 Abs. 1 Satz 2 SGB V) sieht eine Überforderungsklausel vor, nach der kein Versicherter mehr als zwei Prozent beziehungsweise bei chronisch Kranken ein Prozent seiner Bruttoeinnahmen als Selbstbeteiligung leisten muss. "Diese Regelung würde damit auch für prozentuale Selbstbeteiligungen gelten und somit besonders schutzbedürftige Patientengruppen wie ältere, einkommensschwache Personen weiterhin vor Überforderung schützen", führt Dr. Heinz aus.

Nach wie vor ist die Inanspruchnahme ambulanter ärztlicher Leistungen in Deutschland recht hoch. Laut dem Arztreport 2017 der Barmer GEK wurden für das Jahr 2015 durchschnittlich 8,51 Behandlungsfälle pro Patient abgerechnet. Gegenüber dem Vorjahr ist die Fallzahl um 0,21 Prozent gestiegen. Dies sei ein neuer Höchststand seit 2005, fasst der Report zusammen. In einer Rückschau zu acht Jahren Praxisgebühr stellen die beiden Gesundheitsökonomen Thomas Gerlinger und Wolfram Burkhardt fest, dass ein einfacher und kostenfreier Zugang zur ärztlichen Versorgung generell eine höhere Inanspruchnahme bewirke. Entsprechend war die damalige sehr hohe Zahl der Arztbesuche durch die Praxisgebühr zunächst deutlich zurückgegangen.

Wenn ein ärztliches Vergütungssystem häufige Wiedereinbestellungen belohnt, könne es zu Fehlentwicklungen kommen, betonen die Gesundheitsökonomen. Die Zahl der Arztkontakte steigt dann über das medizinisch wirklich notwendige Maß hinaus. Es sollte also Aufgabe der Politik sein, in der nächsten Legislaturperiode ein Modell einer echten Patientensteuerung zu
entwickeln, das dazu beiträgt, dass Patienten verantwortungsbewusster mit den vorhandenen Ressourcen im Gesundheitswesen umgehen.

Literaturhinweis

Verena Finkenstädt
"Zugangshürden in der Gesundheitsversorgung. Ein europäischer Überblick." März 2017.

Mehr Befugnisse für Psychotherapeuten

Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten dürfen erstmals bestimmte Leistungen verordnen und erhalten damit mehr Entscheidungsspielraum. Zugleich werden psychisch schwer kranke Menschen umfassender versorgt.

Im Juni 2017 trat der im März gefasste Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in Kraft, wonach Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ihren Patienten Soziotherapie, Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, Krankenhausbehandlung sowie Krankentransport verschreiben können. Die vier G-BA-Richtlinien fußen auf einer Regelung im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, die den Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mehr Befugnisse zugesteht. Durch die Konkretisierungen des zugrunde liegenden Gesetzes wurden die rechtlichen Voraussetzungen für Verordnungen geschaffen, so der unparteiische G-BA-Vorsitzende Josef Hecken. "Patienten werden hiervon profitieren. So ist nun zum Beispiel für eine Krankenhauseinweisung nicht mehr der Umweg über einen Vertragsarzt notwendig."

Positiv sieht auch KV RLP-Vorstandsmitglied Peter Andreas Staub die neuen Befugnisse. "Es ist aus unserer Sicht zu begrüßen, dass der Gesetzgeber die Befugnisse und damit die medizinische Entscheidungsverantwortung auf diese Fachgruppe erweitert hat. Für Psychotherapeuten ist das Thema Verordnung allerdings noch Neuland. Wir werden daher die betroffenen Mitglieder im Herbst in acht Veranstaltungen über die Änderungen detailliert informieren." Bei bestimmten Indikationen sind ab sofort Verordnungen erlaubt. Die neuen Vorgaben sehen wie folgt aus:

Krankenhauseinweisungen in bestimmten Fällen

Psychotherapeuten dürfen Patienten in eine Klinik einweisen, wenn diese aufgrund psychischer Erkrankungen und Störungen stationär behandelt werden müssen. Zulässig sind Verordnungen für Krankenhausbehandlungen für solche Diagnosen, bei denen nach der Psychotherapie-Richtlinie eine Psychotherapie indiziert ist. In diesen Fällen bedarf es keiner gesonderten Abstimmung mit dem behandelnden Arzt. Für alle übrigen Indikationen in Kapitel V "Psychische und Verhaltensstörungen" der ICD-10-GM muss sich der Psychotherapeut mit dem behandelnden Arzt abstimmen. Dazu gehört zum Beispiel Demenz.

Generell müssen Vertragsärzte und auch -psychotherapeuten vor einer Einweisung ins Krankenhaus alle ambulanten Behandlungsangebote in Erwägung ziehen und sich daher über sämtliche Angebote informieren.

Krankenfahrten zur stationären und ambulanten Behandlung

Ab sofort können Psychotherapeuten eine Krankenbeförderung verordnen, wenn diese im Zusammenhang mit einer psychotherapeutischen Leistung der Krankenkasse zwingend notwendig ist. Welches Beförderungsmittel verordnet wird, richtet sich unter anderem nach der medizinischen Notwendigkeit für den Patienten. Fahrten zur ambulanten Behandlung sind verordnungsfähig, wenn Patienten einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen "aG" (außergewöhnlich gehbehindert), "BI" (blind) oder "H" (hilflose Person) oder einen Pflegebescheid mit Pflegegrad 3, 4 oder 5 vorlegen und dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Letztendlich müssen Krankenfahrten in diesen Fällen immer von den Krankenkassen genehmigt werden. Darüber hinaus genehmigen die Krankenkassen Fahrten zur ambulanten Behandlung, wenn Patienten von einer vergleichbaren Beeinträchtigung der Mobilität betroffen sind und einer ambulanten Behandlung über einen längeren Zeitraum bedürfen.

Fahrten zu einer Krankenhausbehandlung sind ebenfalls verordnungsfähig, sofern der Patient aus medizinischen Gründen nicht selbst fahren kann, zum Beispiel mit seinem Pkw oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Hierfür ist keine Genehmigung durch die Krankenkasse des Versicherten erforderlich.

Medizinische Rehabilitation

Das Verordnungsrecht von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation hat der G-BA jetzt auch auf die Gruppe der Psychotherapeuten ausgeweitet. Eine Verordnung durch Psychotherapeuten ist – anders als bei Ärzten – nur aufgrund psychischer Erkrankungen oder Störungen möglich, bei solchen, die zur Inanspruchnahme einer Psychotherapie berechtigen. Entsprechend umfassen die Leistungen sowohl die psychosomatische als auch die psychiatrische Rehabilitation. Weitere Diagnosen auf dem Gebiet der psychischen oder psychiatrischen Erkrankungen erfordern jedoch eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt. Ferner müssen die Psychotherapeuten ärztliche Informationen heranziehen, um eine Verordnung ausstellen zu können. Sie müssen beispielsweise abklären, ob weitere rehabilitationsrelevante Diagnosen vorliegen, ob es Risikofaktoren gibt und welche ärztlichen Maßnahmen bislang erfolgt sind. Informationen aus Fremdbefunden sind auf der Verordnung zu vermerken.

Derzeit verhandeln die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband im Bewertungsausschuss über eine Vergütungsregelung, da das Ausstellen dieser Verordnungen gesondert honoriert wird. Die Verhandlungspartner haben dazu bis Ende dieses Jahres Zeit.

Soziotherapie

Eine Soziotherapie soll psychisch schwer kranke Patienten dabei unterstützen, allein zum Arzt zu gehen, sich behandeln zu lassen und ärztlich verordnete Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Das Verordnungsrecht für Psychotherapeuten hat der G-BA dem Umfang des ärztlichen Verordnungsrechts entsprechend ausgestaltet. Dabei hat der G-BA klargestellt, dass die Soziotherapie zum Beispiel auch dazu dienen kann, die Inanspruchnahme von psychotherapeutischen Leistungen zu ermöglichen. Die Regelversorgung mit Soziotherapie richtet sich an Patienten mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis und der Gruppe der affektiven Störungen mit psychotischen Symptomen, die in ihren Fähigkeiten und Funktionen maßgeblich eingeschränkt sind.

Mit der Verordnung können die Psychotherapeuten auch hier erst loslegen, sobald die Vergütungsvereinbarung zwischen KBV und GKV-Spitzenverband steht.

Vertiefende Seminare der KV RLP

Zu den neuen Verordnungsbefugnissen für Psychotherapeuten bietet die KV RLP ab Oktober an allen vier Standorten Fortbildungsveranstaltungen an. Damit möglichst alle Interessenten teilnehmen können, finden jeweils zwei identische Veranstaltungen pro Fortbildungstag statt.

  • Neustadt: Donnerstag, 19. Oktober, 15:00 Uhr oder 18:00 Uhr
  • Koblenz: Freitag, 3. November, 15:00 Uhr oder 18:00 Uhr
  • Mainz: Freitag, 10. November, 15:00 Uhr oder 18:00 Uhr
  • Trier: Freitag, 17. November, 15:00 Uhr oder 18:00 Uhr

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Im Schulterschluss für eine wohnortnahe Versorgung

Auf der Auftaktveranstaltung zur Kampagne "KV initiativ" traf die KV RLP Politiker und Experten, um mit ihnen Strategien für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung in der Zukunft zu erörtern.

Die derzeitige, wohnortnahe Versorgung sieht in Rheinland-Pfalz gut aus. Dennoch warnen Experten: In den nächsten Jahren gehen sehr viele Ärzte in den Ruhestand. Vor allen Dingen die Kommunalpolitiker in strukturschwachen Regionen sind gefordert, jetzt schon niederlassungsfreundliche Maßnahmen einzuleiten. Welche Regionen betroffen sind und welche Maßnahmen helfen können, stellte die KV RLP jetzt auf der Auftaktveranstaltung "KV initiativ" vor.

Dr. Bartels: Großer Handlungsbedarf in einigen Regionen

"Auch wenn die Ausgangslage in Rheinland-Pfalz noch gut ist, kann die Sicherstellung in Zukunft nur gelingen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das betrifft nicht nur die KV und die Ärzte, die ihre Praxen in naher Zukunft abgeben wollen, sondern beispielsweise auch die Kommunalpolitiker", begründet Dr. Andreas Bartels, Vorstandsvorsitzender der KV RLP, das Engagement in KV initiativ. "Zahlen aus unserer modernen und komplexen Versorgungsforschung erlauben einen Blick in die Zukunft. Hier hat sich gezeigt, dass zukünftig in einigen Regionen in Rheinland-Pfalz großer Handlungsbedarf besteht, um die wohnortnahe Versorgung weiterhin auf hohem Niveau sicherstellen zu können", fügt Dr. Nadja Moreno, Leitung Abteilung Sicherstellung der KV RLP, hinzu.

Zur Auftaktveranstaltung hatte die KV RLP Kommunalpolitiker aus acht ausgewählten rheinland-pfälzischen Regionen geladen, um aufzuzeigen, warum Handlungsbedarf besteht. Auch wurde vorgestellt, was Kommunalpolitiker tun können, damit sich Ärzte für ihre Regionen interessieren und eine Niederlassung in Erwägung ziehen.

Ein Arzt in Weiterbildung kann bis zu 42 Monate finanziell gefördert werden

Zahlreiche Kommunalpolitiker folgten der Einladung der KV RLP. Neben Zahlen aus der Versorgungsforschung aus den einzelnen Regionen stellte die KV RLP auch Förderprogramme vor. "Es ist möglich, von der Famulatur über die Weiterbildung bis hin zur Niederlassung beachtliche Fördergelder zu erhalten, um sich einen erfolgreichen Start in die berufliche ärztliche Zukunft zu sichern", machte Dr. Moreno aufmerksam. Bereits niedergelassenen Ärzten ist es möglich, Nachfolger für ihre Praxis zu gewinnen, indem sie beispielsweise einen Arzt in Weiterbildung beschäftigen. Dessen Beschäftigung in der Praxis kann mit 4.800 Euro monatlich (mancherorts sogar mehr) bis zu 42 Monate lang gefördert werden. Insbesondere der Quereinstieg Allgemeinmedizin, der es einer großen Gruppe von Fachärzten ermöglicht, innerhalb von meist 24 Monaten Weiterbildung den Facharzt für Allgemeinmedizin zu erwerben, ist für hausärztliche Praxen eine gute Möglichkeit, einen Nachfolger für ihr Lebenswerk zu finden.

Auch die Förderpakete und Maßnahmen durch das Land Rheinland-Pfalz, die Dr. Silke Heinemann, Leiterin Abteilung Gesundheit des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz, vorstellte, stießen bei den Kommunalpolitikern auf großes Interesse.

Besonderes Gehör fanden Erfahrungsberichte von Bürgermeistern aus Nachbargemeinden, die bereits mit der KV RLP enger zusammenarbeiten. "Wir haben von den Mitarbeitern der KV RLP sehr wichtige, uns bis dahin unbekannte Informationen erhalten", erklärte Georg Dräger, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rhaunen, in seinem Vortrag. Matthias Schardt, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rülzheim, lobte unter anderem die von der KV RLP betriebene Website www.ort-sucht-arzt.de, auf der Kommunen ihre Vorzüge präsentieren können. Über das Portal habe die Verbandsgemeinde Rülzheim bereits zwei Ärzte gewinnen können.

Harald Allmendinger, Leiter des Ressorts Beratung der KV RLP, mahnte die anwesenden Vertreter der Verbandsgemeinden aber auch dazu, sich Gedanken über die Niederlassungsfreundlichkeit ihrer Gemeinden zu machen. Ohne schnelles Internet, einen Arbeitsplatz für den Ehepartner, Schul- und Betreuungsangebote, gute Anbindungen an Verkehrsnetze etc. haben Kommunen schlechte Karten, wenn sie langfristig die medizinische Versorgung vor Ort sicherstellen wollen. Dabei ist es immer wichtig, die individuelle Situation zu betrachten. Am besten, sind sich die Referenten der Veranstaltung einig, gelingt die Sicherstellung gemeinsam. Die KV RLP steht dabei mit Rat und Tat zur Seite und erarbeitet individuelle Vorschläge: Welche Kooperationen vor Ort bieten sich an? Können Teilzeitstellen für Ärzte geschaffen werden? Ist es möglich, überörtlich, beispielsweise zusammen mit anderen Gemeinden, Angebote für Ärzte zu erarbeiten?

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Bedarfsplanung in ihrer jetzigen Form ein Sicherstellungshindernis darstellen kann. Regionen, die zwar von der KV RLP als förderwürdig eingestuft wurden, gelten von der Bedarfsplanung her noch als überversorgt. Zumindest für die hausärztliche und psychotherapeutische Versorgung empfiehlt der Vorstand der KV RLP deshalb die Abschaffung oder zumindest Modifikation der Bedarfsplanung.

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"KV-TV PRAXIS – Das Magazin" vom 10. Juli 2017 | Beitrag "Wohnortnahe Versorgung sichern"

Haus- und Fachärzte werden gefördert

Die Koordinierungsstelle der KV RLP verzeichnet eine steigende Nachfrage für Weiterbildungen.

Seitdem die Koordinierungsstelle Weiterbildung Allgemeinmedizin, ein Partnerverbund von KV RLP, Krankenhausgesellschaft und Landesärztekammer in Rheinland-Pfalz, im Frühjahr dieses Jahres ihre Arbeit aufgenommen hat, ist die Resonanz interessierter Ärzte enorm. Die Koordinierungsstelle hilft als zentrale Anlaufstelle bei allen Fragen rund um die Weiterbildung
zur Hausärztin/zum Hausarzt und soll den Weg in die spätere Niederlassung erleichtern. Dabei richtet sie sich sowohl an die Vertragsärzte als auch an die Krankenhäuser, die befugt sind, den Nachwuchs weiterzubilden. Wie die Leiterin der Koordinierungsstelle, Sandra Goldzinski, berichtet, sind die Nachfragen der Hausärzte zur Erlangung der Weiterbildungsbefugnis deutlich angestiegen. Erste Gespräche mit Krankenhäusern wurden bereits geführt.

Zu den Aufgaben der Koordinierungsstelle zählen auch, neue Weiterbildungsverbünde zu initiieren und bereits bestehende zu unterstützen. Erste Auftaktveranstaltungen zur Frage der Gründung eines Weiterbildungsverbundes fanden unter anderem in Altenkirchen/Hachenburg statt. Weitere Veranstaltungen, zum Beispiel in Grünstadt, sind in Planung.

Neben der Allgemeinmedizin fördert die KV RLP seit dem 1. Oktober 2016 sechs weitere Facharztgruppen, und zwar aus folgenden Fachgebieten:

  • Augenheilkunde
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • Haut- und Geschlechtskrankheiten
  • Frauenheilkunde und Geburtshilfe
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die Zahl der Förderplätze ist für Rheinland-Pfalz auf 49,4 Stellen begrenzt. Um gefördert zu werden, muss das Weiterbildungsverhältnis grundsätzlich mindestens zwölf zusammenhängende Monate dauern. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Praxis überwiegend konservativ und nicht spezialisiert ausgerichtet ist.

Im Einsatz für die Mitglieder

Im zweiten Teil der Serie stellt KV PRAXIS die Beratenden Fachausschüsse für die fachärztliche Versorgung, für Psychotherapie sowie den neu eingerichteten Ausschuss für angestellte Ärzte vor.

Beratender Fachausschuss für die fachärztliche Versorgung

Der Ausschuss setzt sich aus acht Mitgliedern und vier Stellvertretern zusammen und tagt in der Regel einmal im Quartal. Der VV-Vorsitzende und sein Stellvertreter – für diese Amtsperiode Dr. Olaf Döscher und Dr. Karlheinz Kurfeß – können als kooptierte Mitglieder an der Sitzung teilnehmen, sind aber nicht stimmberechtigt.

Auch in diesem Ausschuss kommen honorarpolitische Fragen und Entscheidungen zur Sprache, beispielsweise vorgeschlagene Änderungen der Honorarstruktur und -verteilung. Weitere Themen sind Fragen zur Bedarfsplanung, zur Weiterbildung in den Arztpraxen, Fragen zur ICD-Kodierung, zur Terminservicestelle oder zu KBV-Angelegenheiten. "Der beratende fachärztliche Ausschuss ist von großer Bedeutung für die Vermittlung der individuellen Detailkenntnisse der fachärztlichen Versorgung und die damit verbundenen Probleme aus den verschiedenen Fachgruppen", unterstreicht Dr. Wolfram Schaeben. Der Radiologe aus Koblenz ist seit sechs Jahren Vorsitzender des Ausschusses und wurde in dieser Funktion im Juni 2017 wiedergewählt. "Jeder Vorstand ist gut beraten, hier genau hinzuhören und insbesondere die honorarpolitischen Entscheidungen vorab mit dem Fachausschuss abzustimmen."

An den wesentlichen Zielen des Ausschusses – nämlich fachärztliches Know-how zu vermitteln und mit dem Vorstand konstruktiv zusammenzuarbeiten – hat sich auch in dieser Amtsperiode nichts geändert. Bei aller notwendigen Kooperation sei immer auch die erforderliche kritische Distanz geboten, so Dr. Schaeben. Ein Engagement für die Ausschussarbeit lohne sich in jeder Hinsicht: Denn bei der Arbeit für die Fachärzte profitiere am Ende jedes einzelne Mitglied. Zugleich könnten allzu gravierende Ungerechtigkeiten "im leider zum großen Teil budgetierten Honorarsystem" vermieden werden.

Kontakte zu anderen KV-Regionen bestehen insbesondere fachgruppenspezifisch. So existieren Kontakte zu den angrenzenden KVen Saarland und Nordrhein. "Dazu kommt, dass ich als Mitglied im beratenden Fachausschuss der Fachärzte auf Bundesebene (KBV) in Berlin das dort vermittelte aktuelle honorarpolitische Know-how mit einbringen kann", ergänzt Dr. Schaeben.

Beratender Fachausschuss für Psychotherapie

Der Ausschuss besteht sowohl aus fünf Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als auch einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie sechs psychotherapeutisch tätigen Ärztinnen und Ärzten, von denen eine beziehungsweise einer vorwiegend auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie praktizieren muss.

Für jedes Mitglied wird eine persönliche Stellvertreterin beziehungsweise ein persönlicher Stellvertreter gewählt. Der VV-Vorsitzende und sein Stellvertreter können als kooptierte Mitglieder an der Sitzung teilnehmen, sind jedoch nicht stimmberechtigt.

Zum Vorsitzenden des Beratenden Fachausschusses für Psychotherapie wurde aus den Reihen der Ärztinnen und Ärzte im Mai dieses Jahres Dr. Siegfried Stephan gewählt, zur Vorsitzenden aus den Reihen der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Dipl.-Psych. Sabine Maur. Jährlich wechseln sich die beiden gewählten Psychotherapeuten mit dem Ausschussvorsitz ab (derzeit Dr. Siegfried Stephan). Themen der vergangenen Sitzungen waren neben der Konstitution des neu besetzten Ausschusses erste Tendenzen, die sich aus der seit 1. April 2017 gültigen neuen Psychotherapie-Richtlinie ergeben. "Dabei wurden Mängel und Nachbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt", erläutert Dr. Stephan. "Auch die immer noch nicht ausreichend geklärte Vergütungsfrage der zeitgebundenen Leistungen wurde besprochen."

Die zunehmend schlechtere psychiatrische Versorgung in der Region beschäftigt auch den Ausschuss. Dieser Umstand werde von psychotherapeutischen Ärzten sowie den Psychologischen sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gleichermaßen kritisiert. Wichtiges Ziel des Ausschusses ist daher die Aufrechterhaltung einer guten psychiatrischen Versorgung und eine angemessene Vergütung.

"Eine sektorenübergreifende Versorgung wird uns sicherlich besonders beschäftigen", so seine Einschätzung. "Auch ist die reale Unterversorgung in unserem Fachgebiet in den sogenannten überversorgten Regionen weiter ein wichtiges Thema, zumal der von der Politik festgelegte Versorgungsgrad keiner sachlichen Prüfung standhält."

Dr. Stephan lobt den "sehr guten Kontakt" sowohl zum Vorstand der KV RLP als auch zu den Delegierten der Vertreterversammlung und den KV-Mitarbeitern. "Es ist hier ein gutes Vertrauensverhältnis für mich erkennbar." Derzeit sind noch keine Kontakte zu den Fachausschüssen anderer KV-Regionen entwickelt.

Beratender Fachausschuss für angestellte Ärzte

Dieser noch recht junge Ausschuss für diese Zielgruppe wurde erst Anfang dieses Jahres eingerichtet. Damit setzte die KV RLP eine Vorgabe aus dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz um, das 2016 in Kraft trat.

Im Mai 2017 fand die erste konstituierende Sitzung statt, bei der der Allgemeinarzt Dr. Hans-Dieter Grüninger zum Vorsitzenden gewählt wurde. Dem Ausschuss gehören acht Mitglieder und vier Stellvertreter an. Der VV-Vorsitzende und sein Stellvertreter können als kooptierte Mitglieder an der Sitzung teilnehmen, sind aber nicht stimmberechtigt. Auf der Agenda des Ausschusses steht vorrangig ein Tarifvertrag für angestellte Ärztinnen und Ärzte. Zurzeit wird die Vergütung in den Arbeitsverträgen zwischen Praxisinhaber und angestelltem Arzt frei ausgehandelt.

"In diesem Bereich gibt es keine Transparenz, diese wollen wir versuchen herzustellen", formuliert Dr. Grüninger als Ziel. Ebenso sei die Vergütung der Weiterbildungsassistenten im fachärztlichen Segment eine "Black Box", die geöffnet werden müsse.

In Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand erhofft sich Dr. Grüninger einen "befruchtenden Austausch". Mit der neuen Zielgruppe der angestellten Ärzte betrete der Ausschuss Neuland. Mittelfristig wird außerdem eine Zusammenarbeit mit den anderen Beratenden Fachausschüssen für angestellte Ärzte der FALK-KVen angestrebt, um sich über zu beratende Themen beziehungsweise schon gefundene Lösungsansätze auszutauschen.

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Hauptsatzung der KV RLP

Panorama

Angestellte Ärzte gewinnen an Einfluss

In Rheinland-Pfalz haben mittlerweile 22 Prozent der KV-Mitglieder einen Angestelltenstatus. Einer von ihnen vertritt diese Gruppe an repräsentativer Stelle: Dr. Karlheinz Kurfeß, stellvertretender Vorsitzender der Vertreterversammlung (VV), ist zugleich Oberarzt der Inneren Abteilung in der Hunsrück Klinik Simmern. Berufspolitisch engagiert sich der Internist bereits seit vielen Jahren im Marburger Bund, dem Verband der angestellten Ärzte. Darüber hinaus ist er Vorsitzender der Bezirksärztekammer Koblenz und zugleich im Vorstand der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz aktiv.

Herr Dr. Kurfeß, es ist ja eher ungewöhnlich, dass sich ein Arzt aus dem Krankenhaus berufspolitisch in einer Kassenärztlichen Vereinigung engagiert. Was waren Ihre Beweggründe?

Karlheinz Kurfeß: Ich war schon immer der Auffassung, dass auch die ermächtigten Krankenhausärzte in der KV RLP eine vernehmbare Stimme bekommen sollten. Meine Wahl zum stellvertretenden VV-Vorsitzenden betrachte ich daher nicht nur für mich persönlich als großen Erfolg. Nach meiner Überzeugung sind die ermächtigten Krankenhausärzte kein Lückenbüßer, sondern ein Lückenfüller in der ambulanten Versorgung. Ich halte es für sehr wichtig, dass die niedergelassenen Ärzte regelmäßig mit ihren Krankenhauskollegen in Gremien wie der KV und den Ärztekammern zusammenkommen, um sich gegenseitig auszutauschen.

Ist dieser notwendige Austausch zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhausärzten auch der besonderen Situation geschuldet, dass Rheinland-Pfalz überwiegend ländlich strukturiert ist und in der Fläche eben auch viele Ärzte gebraucht werden?

Das ist denke ich ein ganz wichtiges Zukunftsthema. Wir sind uns hier in Rheinland-Pfalz alle einig, dass die bestehenden Sektorengrenzen auf Dauer keinen Bestand haben werden. Wir müssen die Patienten versorgen, und dafür brauchen wir sowohl die niedergelassenen Kollegen als auch die Krankenhausärzte, in welcher Form auch immer. In Rheinland-Pfalz sehe ich hier überhaupt keine Probleme. Wir kommunizieren sehr viel miteinander, vor allem seit Beginn der neuen Amtsperiode.

Sie haben die Sektorengrenzen angesprochen. Wie erleben Sie denn die noch recht frische Zusammenarbeit in der VV und unter den VV-Mitgliedern?

Lassen Sie es mich so formulieren: Wir arbeiten sehr gut und konstruktiv zusammen. Das muss auch so sein, weil wir sonst keine Ergebnisse erzielen würden. Dabei ist es unerlässlich, dass  die Sicht der Klinikärzte, die ich vertrete, auch zum Tragen kommt.

Als Oberarzt in einer Klinik vertreten Sie zugleich auch die Interessen der angestellten Kollegen im ambulanten Sektor. Ihre Zahl hat ja in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen, auch in Rheinland-Pfalz. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Mit dem neuen Fachausschuss für angestellte Ärzte in der KV RLP tragen wir dieser Entwicklung Rechnung. Ehrlicherweise muss man sagen, dass uns das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz gezwungen hat, diesen Ausschuss einzurichten – ein Zwang, den ich nur befürworten kann. Angestellte Ärzte machen inzwischen einen Anteil von mehr als 20 Prozent in der KV RLP und bundesweit aus und hatten bisher gar kein Sprachrohr in den kassenärztlichen Vereinigungen. Diese Gruppe wird zunehmend wichtiger und steigt in ihrer Zahl exponentiell an. Unser Vorstandsvorsitzender Dr. Heinz hat in einer Sitzung darauf hingewiesen, dass in fünf Jahren wahrscheinlich die Hälfte der Mitglieder der KV RLP angestellte Ärzte sein werden. Sie müssen natürlich die Chance haben, sich zu artikulieren, und das geschieht in diesem Ausschuss.

Auf der konstituierenden Sitzung des neuen Fachausschusses hat sich gezeigt, dass in diesen Mitgliedern unheimlich viel Potenzial steckt. Sie möchten wissen, welchen Beitrag sie zur ambulanten Versorgung leisten können und wie viel sie vom Gesamthonorar erhalten. Hier kommt auf die KV eine Menge Fragen zu, die wir dann beantworten müssen.

Die angestellten Ärzte sind sich ihres Wertes durchaus bewusst. Wenn ich deren Anteil von 22 Prozent auf die insgesamt 40 Sitze in der VV hochrechne, wären das sieben Vertreter. Bisher ist ein Sitz von einer angestellten Kollegin belegt. Es wäre außerdem wünschenswert, wenn sich noch viele jüngere Kollegen für ein berufspolitisches Engagement begeistern würden. Auf die weitere Entwicklung bin ich jedenfalls gespannt.

Zwar ist der Arztberuf seiner Natur nach ein freier Beruf, dennoch ist der Arzt kein Unternehmer im klassischen Sinne, sondern ein halber, quasi angestellter Unternehmer. Wie wird sich der Status in den kommenden Jahren verändern?

Was wir nicht mehr vorfinden werden, ist ein Praxisinhaber, der Tag und Nacht für seine Patienten da sein wird. Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Wir werden gut organisierte Praxen vorfinden, in denen die Patienten von angestellten Ärzten genauso gut versorgt werden wie vom Praxisinhaber. Diese Kollegen werden aber genau darauf achten, dass Familie und Beruf miteinander in Einklang stehen – Stichwort Work-Life-Balance. Schon jetzt arbeitet knapp die Hälfte der angestellten Ärzte in Teilzeit. Dieser Trend wird weiter zunehmen, und zwar nicht nur bei den weiblichen, sondern auch bei den männlichen Kollegen.

Die Gründe dafür sind ja durchaus vielfältig ...

Richtig. Das hat damit zu tun, dass ursprünglich alle Ärzte aus Angestelltenverhältnissen kommen. Wenn sich die jungen Mediziner für den Einstieg in eine Praxis, BAG oder MVZ entscheiden, haben sie zuvor in einer Klinik gearbeitet. Ein tarifierter Bereich, in dem die Arbeitsbedingungen ziemlich genau festgelegt sind. Sie müssen sich dort zunächst bewähren.

Macht es vor diesem Hintergrund Sinn, wenn Medizinstudierende während ihres Blockpraktikums schon einmal ein bisschen Praxisluft schnuppern?

Ja, das halte ich für ungeheuer wichtig. Hingegen wäre es völlig unsinnig, den jungen Medizinern zu befehlen oder sie zu zwingen, in eine Praxis zu gehen. Das muss freiwillig passieren. Immer wenn Zwang ausgeübt wird, ist zugleich mit Widerstand zu rechnen.

Es ist viel besser zu versuchen, den Studierenden und später den jungen Kollegen in der Klinik zunächst einen Einblick in die Arbeit einer Arztpraxis zu gewähren. Warum nicht einfach den Kollegen anbieten: "Kommt einen Tag in die Praxis und schaut es euch einmal an."? In der Regel nehmen sie die Einladung auch wahr. Der eine oder andere wird dann sagen: "Dort ist es ja besser als in der Klinik, wo die Arbeit auch nicht ganz einfach ist."

Welches Motto oder Ziel verfolgen Sie und Ihr VV-Kollege Dr. Döscher für diese Amtsperiode?

Auf ein Motto kann man es nicht eingrenzen, aber ich denke schon, dass wir gemeinsame Ziele haben. Zum einen wollen wir die Sektorengrenzen durchlässiger machen. Und zum anderen sind wir bestrebt, uns intensiv um die angestellten Kollegen in der Ambulanz, also im niedergelassenen Bereich zu kümmern. Insofern sind die Ziele, die ich genannt habe, auch die Ziele von Olaf Döscher. In diesen Punkten sind wir uns vollkommen einig.

Herr Dr. Kurfeß, vielen Dank für das Gespräch.

Video

KV-TV PRAXIS – Das Magazin vom 21. August 2017 | Beitrag "Ambulant angestellte Ärzte"

Ausgabenzuwachs deutlich abgebremst

Im ersten Halbjahr 2017 sind die budgetrelevanten Ausgaben für Arznei- und Verbandmittel ohne Sprechstundenbedarf in Rheinland-Pfalz um 2,1 Prozent auf insgesamt 966 Millionen Euro gestiegen.

Wie aus dem Verordnungsinformationssystem (VIS) der KV RLP hervorgeht, hat sich der Zuwachs der Ausgaben im Verhältnis zum Vorjahreszeitraum (vier Prozent) deutlich verlangsamt. Zum Vergleich: Im Rahmen der Arzneimittelvereinbarung wurde das vereinbarte Ausgabenvolumen aus 2016 prospektiv um 4,2 Prozent für 2017 erhöht.

Wirkstoffgruppen mit relevanten Kostenreduktionen/-zuwächsen

Im Hinblick auf die Ausgabenentwicklung in den einzelnen Wirkstoffgruppen ist im ersten Halbjahr 2017 eine starke Kostenreduktion bei den viralen Arzneimitteln (J05A) zu konstatieren. Der entsprechende Trend zu geringeren Kosten im Bereich Hepatitis C setzt sich damit weiter fort (-23,1 Prozent). Neu ist die Abwärtstendenz bei den Protonenpumpenhemmern (PPI, A02B): Diese Verordnungskosten sind im Verhältnis zum Vorjahreszeitraum deutlich rückläufig (1. Halbjahr 2017: -14,5 Prozent versus 1. Halbjahr 2016: +4,0 Prozent). Bei den Antidepressiva (N06A) sorgt Duloxetin weiterhin für fallende Kosten bezüglich der gesamten Wirkstoffgruppe (-12,6 Prozent).

Die Kostenzuwächse im 1. Halbjahr 2017 sind unter anderem durch die steigenden Verordnungszahlen für Immunsuppressiva (L04A) geprägt (+14 Prozent).

Maßgeblich sind dabei:

  • Interleukin-Inhibitoren (L04AC) mit Secukinumab und Ustekinumab
  • TNF-alpha-Inhibitoren (L04AB) mit Etanercept und Adalimumab
  • Selektive Immunsuppressiva (L04AA) mit Vedolizumab und Eculizumab

Auch die antithrombotischen Mittel (B01A) verbuchen im genannten Zeitraum Kostenzuwächse (+12 Prozent). Hintergrund sind die wachsenden Verordnungen für neue orale Antikoagulantien (NOAK). Apixaban und Edoxaban aus der Gruppe der Faktor-Xa-Inhibitoren sind dabei besonders hervorzuheben.

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Vortrag "Wirtschaftlichkeitsprüfung in Rheinland-Pfalz: Was ist neu ab 2017?"

Qualitätssicherungskommissionen in neuer Besetzung

Einige Mitglieder gaben altersbedingt ihr ehrenamtliches Engagement auf.

Der Vorstand hat für die Amtsperiode 2017-2022 die ehrenamtlichen Qualitätssicherungskommissionen (QS-Kommissionen) der KV RLP mit insgesamt 255 vertragsärztlichen Mitgliedern und elf Medizin-Physik-Experten berufen. Für einige QS-Kommissionen benennen die Kassenverbände Vertreter. Zahlenmäßig ist die Besetzung der QS-Kommissionen konstant geblieben. Änderungen sind durch altersbedingte Verzichte sowie das Enden der vertragsärztlichen Tätigkeit zu verzeichnen, wodurch neue Mitglieder eine Chance zur Mitarbeit in den Kommissionen bekommen. Zu den Aufgaben der QS-Kommissionen gehören:

  • die Beratung des Vorstands und der Geschäftsstelle der KV RLP
  • die Beratung der Mitglieder
  • die Durchführung von Kolloquien
  • die Durchführung von regelmäßigen Überprüfungen zur Aufrechterhaltung der fachlichen Befähigung sowie von Dokumentationsprüfungen zur Qualitätssicherung
  • weitere Aufgaben, zum Beispiel Praxisbegehungen, Vorträge bei Seminaren

Unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien beruft der Vorstand der KV RLP die Mitglieder zur Arbeit in den QS-Kommissionen. So spielen zum Beispiel die Berufserfahrung in dem zu prüfenden Gebiet eine Rolle und die eigene Ergebnisqualität, welche im Rahmen der Dokumentationsprüfung festgestellt wurde. Ebenso wichtig sind die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Kommissionsmitgliedern in medizinischen Fragen und den Mitarbeitern der KV RLP, die den gesamten organisatorischen Ablauf rund um die Kommissionsarbeit sicherstellen.

Kommissionsarbeit bedeutet Zeitaufwand, der zwar laut Entschädigungsordnung der KV RLP vergütet, häufig aber nach Praxisschluss geleistet wird. Neue Kommissionsmitglieder werden Schritt für Schritt in die laufende Kommissionsarbeit eingebunden. Zu den häufigsten Aufgaben gehören die Durchführung von Zulassungs-Kolloquien sowie Dokumentationsprüfungen verschiedener Fachbereiche. Neben der Bewertung medizinischer Inhalte ist dabei zu beachten, dass auch formale Kriterien der Leistungserbringung, zum Beispiel, dass der Patientenname bei einer Ultraschallaufnahme erkennbar ist, normiert sind und somit bei der Qualitätsbewertung gelten.

Im Fachbereich Ultraschall-Kommission Frauenheilkunde/Geburtshilfe zum Beispiel werden häufig Zulassungs-Kolloquien zur Erteilung der Genehmigung einer entsprechenden Leistung durchgeführt, wenn die fachliche Befähigung nicht nach der Weiterbildungsordnung nachgewiesen werden kann. Das bedeutet, der Antragsteller muss unter Aufsicht und Fragestellung der QS-Kommission eine sonografische Untersuchung, zum Beispiel der Brustdrüse, an einer Probandin durchführen, erläutern und dokumentieren. Im Anschluss wird über die fachliche Befähigung entschieden. 2016 fanden sieben dieser Kolloquien mit insgesamt 23 Antragstellern statt.

Des Weiteren werden im Rahmen der vorgeschriebenen Qualitätsprüfungen Bild- und Schriftdokumentationen auf Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit überprüft. Dabei sind verschiedene Rechtsgrundlagen zu beachten, so zum Beispiel die Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Absatz 2 SGB V zur Ultraschalldiagnostik und die Mutterschaftsrichtlinien.

Bei festgestellten Qualitätsmängeln nimmt ein Mitglied der QS-Kommission häufig Kontakt mit dem geprüften Arzt für ein kollegiales Beratungsgespräch auf, um sich neben den im Verwaltungsakt enthaltenen Informationen zu dem Thema auszutauschen. Des Weiteren finden regelmäßig Seminare zum Thema Qualitätssicherung statt. Hier fungieren einige Kommissionsmitglieder auch als Referenten, um ihren Kolleginnen und Kollegen die Thematiken näherzubringen. Die QS-Kommissionen der KV RLP hatten in den vergangenen Jahren beispielsweise zu den Themen Gynäkologie, Arthroskopie oder Radiologie Seminare veranstaltet.

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Überblick QS-Kommissionen (siehe genehmigungspflichtige Leistungen)

Service

Filmothek

Der Doktor geht in Rente

Nur wenige junge Ärzte wollen aufs Land gehen. Das Eifelstädtchen Daun kämpft gegen Versorgungslücken und arbeitet an Lösungen.

MRSA: der Keim in der Praxis

Der niedergelassene Internist und Nephrologe Lothar Birkel hat es in seiner Praxis mit sogenannten Risikopatienten zu tun.

Service Testabrechnung

20 Prozent der Online-Abrechner nutzen die Testabrechnung. Der Allgemeinmediziner Holger Suffel aus Alzey ist einer von ihnen.

Die MFA

Nur Arzthelferin war früher. Heute ist die Medizinische Fachangestellte (MFA) ein Allroundtalent in der Praxis.

Alle Videos

PR-Kampagne zur 116117

Rund um den Tag des ärztlichen Bereitschaftsdienstes am 11. Oktober 2017 planen die KV RLP und die KBV öffentlichkeitswirksame Aktionen.

Wenn Patienten außerhalb der Sprechzeiten dringend ärztliche Hilfe benötigen und zum Beispiel nicht wissen, wo die nächste Bereitschaftspraxis liegt, wählen sie die bundesweit einheitliche Nummer 116117. Um diese Nummer ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, haben die Kassenärztlichen Vereinigungen und die KBV am 11. Oktober den Tag des ärztlichen Bereitschaftsdienstes ins Leben gerufen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schaltet auf Inforadio Berlin überregionale 25-sekündige Spots zur Bewerbung der 116117. Diese Spots werden auch den Kassenärztlichen Vereinigungen für ihre Senderegionen zur Verfügung gestellt. In Rheinland-Pfalz erstellt die KV-eigene Web-TV-Redaktion eigene Hörfunkspots zum Bereitschaftsdienst. Diese Spots werden ab dem 11. Oktober im Südwestrundfunk auf den Hörfunkkanälen SWR1 und SWR4 für die Dauer von einer Woche sowie im privaten Hörfunksender RPR1 ausgestrahlt.

Die KV RLP appelliert an Ärzte, die öffentlichkeitsbezogenen Maßnahmen in ihren Praxen zu unterstützen. So werden zwischen dem 25. und 29. September Informationspakete an die Praxen versandt. In dem Paket enthalten ist unter anderem ein Praxisposter. Den Patienten soll mit den Informationsmaterialien veranschaulicht werden, wann außerhalb der Sprechzeiten die 112, wann die 116117 zu wählen ist und wann gegebenenfalls der Weg in die reguläre Arztpraxis am nächsten Tag empfehlenswert ist. Auf der Website zur 116117 finden Ärzte außerdem Patienteninformationen, Flyer und beidseitig bedruckte Service-Cards, die kostenlos zum Download angeboten werden.

Weiterführende Links

Informationsmaterial zur Bereitschaftsdienstnummer 116117

Vorlage hilft beim Hygieneplan

Arztpraxen und ambulante Einrichtungen müssen die Hygienevorschriften regelmäßig kontrollieren. Unabdingbar ist dafür das Erstellen eines Hygieneplans. Eine Mustervorlage der KVen gibt Hilfe.

Entwickelt wurde die Mustervorlage vom Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Diese Mustervorlage bildet fachübergreifend Hygieneaspekte einer Praxis ab, die auf der Analyse und Bewertung potenzieller Infektionsgefahren beruhen. Sie berücksichtigt die zum Erscheinungstermin aktuellen rechtlichen Vorgaben und gibt den allgemeinen Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik wieder. Praxisinhaber bekommen mit der Mustervorlage ein wertvolles Unterstützungs- und Serviceangebot zum Erstellen des praxisinternen Hygieneplans an die Hand.

Mustervorlage mit bestehendem Hygieneplan abgleichen

Um die Mustervorlage in einen praxisindividuellen Hygieneplan zu überführen, müssen die Gegebenheiten der eigenen Praxis berücksichtigt und entsprechend beschrieben werden. Sind an bestimmten Stellen regelhaft praxisspezifische Regelungen zu ergänzen, enthält die Mustervorlage eine konkrete Anweisung in grüner, kursiver Schrift. Das Gleiche gilt auch bei Themenbereichen, zu denen alternative Situationen oder Umsetzungsmaßnahmen beschrieben werden. Hat der Arzt seine spezifischen Regelungen für die Praxis eingetragen oder festgestellt, dass keine Ergänzung erforderlich ist beziehungsweise die formulierten Alternativen für seine Praxis nicht zutreffen, sollte die Anweisung gelöscht werden. Falls Kapitel komplett wegfallen, ist das Inhaltsverzeichnis zu aktualisieren.

Viele Praxen verfügen bereits über einen bestehenden Hygieneplan. Für diese Praxen empfiehlt sich ein Vergleich der vorhandenen Unterlagen mit der Mustervorlage zum Erstellen eines Hygieneplans. Ein Abgleich der Inhalte eröffnet die Möglichkeit, Verbesserungspotenzial zu identifizieren und eventuelle Lücken zu füllen.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit

Die Mustervorlage zum Erstellen eines Hygieneplans für die Arztpraxis erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist nahezu unmöglich, alle Konstellationen einer Arztpraxis mit dem gesamten Leistungsspektrum abzudecken. Die Mustervorlage dient vielmehr als Gerüst für den individuell an die eigene Arztpraxis anzupassenden Hygieneplan. Unabhängig davon müssen sich Praxisinhaber über Hygienevorgaben auf Landes-, Kreis- oder Kommunalebene regelmäßig informieren, um gegebenenfalls geforderte Maßnahmen ableiten und im Hygieneplan dokumentieren zu können.

Die einschlägigen Rechtsgrundlagen, die der Mustervorlage zugrunde liegen, sind bundesweit gültige Vorgaben. Von den Bundesländern erlassene Hygiene-Vorschriften können zusätzlich länderspezifische Regelungen enthalten, beispielsweise im Hinblick auf meldepflichtige Krankheiten. Auch können Länderbehörden in Bezug auf die Aufbereitung von Medizinprodukten Vorgaben machen, die in der Mustervorlage nicht berücksichtigt sind.
So trat in Rheinland-Pfalz im Februar 2012 die Landesverordnung über die Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen (MedHygVO) in Kraft. Darin ist die Einhaltung der Hygiene beispielsweise auch für Einrichtungen des ambulanten Operierens, der Dialyse oder Tageskliniken detailliert geregelt. Die Verordnung weist nochmals explizit darauf hin, dass diese Einrichtungen Hygienepläne nach § 23 Abs. 5 Satz 1 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) zu erstellen haben. Darüber hinaus ist das Gesundheitsamt über Bauvorhaben von medizinischen Einrichtungen des ambulanten Operierens bereits vor Beantragung der Baugenehmigung zu informieren.

Eine weitere Besonderheit in Rheinland-Pfalz: Für die Überwachung der Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten ist seit 2012 das jeweilige Gesundheitsamt unmittelbar zuständig. Dies führt dazu, dass bei Praxisbegehungen in der Regel auch ein besonderes Augenmerk auf die Aufbereitung von Medizinprodukten gelegt wird.

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Hinweis

Word-Versionen im geschützten Mitgliederbereich: Qualität > Musterhygieneplan Arztpraxis

Keine Ausnahmen für Zweigpraxen

Vertragsärzte müssen auch bei Überschreiten der KV-Grenze Bereitschaftsdienst leisten.

Die Teilnahme am vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst am Zweigpraxissitz kann auch dann verpflichtend sein, wenn sich die Zweigpraxis in einem anderen KV-Bezirk als die Stammpraxis befindet. Das stellte das Landessozialgericht (LSG) Nordrhein-Westfalen in seinem Urteil klar. Bedingung hierfür sei allerdings stets, dass die im KV-Bezirk der Zweigpraxis geltenden Bereitschaftsdienstregelungen für den Fall, dass der Arzt seine Praxistätigkeit "an weiteren Orten" ausübt, eine Verpflichtung zur Teilnahme am Bereitschaftsdienst auch an den weiteren Tätigkeitsorten vorsehen.

In ihrer Urteilsbegründung halten es die Richter für gerechtfertigt, dass ein Vertragsarzt, der mehrere Praxen betreibt und dadurch Einkommensvorteile generiert, mehrfach innerhalb eines Bezirks oder auch in mehreren KV-Bezirken zum Bereitschaftsdienst herangezogen wird. Als Folge seiner Zulassung obliege es ihm, die vertragsärztliche Versorgung gemäß dem gesetzlichen Auftrag sicherzustellen, das heißt, er muss seinen Patienten auch für Zeiten außerhalb der Sprechstunde zur Verfügung stehen. Wer mehrere Praxen betreibt, für den ergebe sich zwingend auch eine erhöhte Mitwirkungspflicht am Bereitschaftsdienst, argumentiert das LSG. Eine feste Obergrenze hierfür existiere nicht.

Urteil

LSG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 29. Juni 2016, Az: L 11 KA 4/15

Termine im Überblick

Sonografie der Säuglingshüfte

Bestandteile des Workshops unter der Leitung von Prof. Reinhard Graf sind Vorträge und praktische Übungen zu den für die Durchführung von sonografischen Untersuchungen der Säuglingshüfte relevanten Qualitätssicherungsmaßnahmen.

20. Oktober 2017 | KV RLP in Koblenz | 65 Euro je Teilnehmer | 9 Fortbildungspunkte | Telefon 0261 39002-240 | Fax 0261 39002-420

Risiko- und Fehlermanagement

Risikomanagement ist ein fortlaufender Prozess, um Schwachstellen zu identifizieren, die zu physischen, psychischen, sozialen und finanziellen Schäden führen können oder schon geführt haben. Ziel ist es, Risiken vorzubeugen beziehungsweise zu vermeiden.

1. Dezember 2017 | KV RLP in Koblenz | 85 Euro je Teilnehmer | 6 Fortbildungspunkte | Telefon 0261 39002-481 | Fax 0261 39002-420

Weitere Seminare

QEP–Einführungsseminar für Psychotherapeuten
17.–18. November 2017 | KV RLP in Koblenz | 200 Euro | 16 Fortbildungspunkte | Telefon 0261 39002-481 | Fax 0261 39002-420

Teambesprechung und Teamarbeit
22. November 2017 | KV RLP in Mainz | 85 Euro | 6 Fortbildungspunkte | Telefon 0261 39002-481 | Fax 0261 39002-420

Datenschutz und Datensicherheit
29. November 2017 | KV RLP in Mainz | 50 Euro | 5 Fortbildungspunkte | Telefon 0261 39002-240 | Fax 0261 39002-420

Online-Anmeldung und weitere Termine

Biosimilars richtig einsetzen

Kostenloser Leitfaden beantwortet Fragen.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat einen neuen Leitfaden zu Biosimilars veröffentlicht. Darin sind neben den Besonderheiten von Biosimilars und ihrer Zulassung auch Empfehlungen zum Einsatz enthalten. Zusätzlich werden die Austauschbarkeit von Referenzarzneimitteln und Biosimilars sowie die bereits in zahlreichen Studien gesammelten Erfahrungen zur Patientenumstellung, sogenannter "Switch", dargestellt.

Biosimilars sind Arzneimittel, die bei ihrer Zulassung auf ein bereits in der EU zugelassenes biologisches Arzneimittel referenzieren, dessen Patentschutz abgelaufen ist. In Deutschland sind zahlreiche Biosimilars verfügbar, die therapeutisch als Wachstumshormone, Insuline, Granulo- oder Erythropoesestimulierende Faktoren, TNF-a-Inhibitoren und monoklonale Antikörper eingesetzt werden.

Weiterführende Links

AkdÄ "Leitfaden Biosimilars"

Neues beratendes Gremium

Bereitschaftsdienst-Ausschuss konstituiert sich.

In der KV RLP wurde ein neuer Ausschuss zum ärztlichen Bereitschaftsdienst ins Leben gerufen. Dieser Ausschuss, angesiedelt beim Vorstand der KV RLP, ist explizit kein Entscheidungsgremium, sondern hat eine beratende Funktion. In Abstimmung mit dem Vorstand der KV RLP wird der Bereitschaftsdienst-Ausschuss je nach Bedarf einberufen, mindestens jedoch einmal im Halbjahr. Anfang Juli fand die erste Sitzung statt. Einig waren sich die Teilnehmer darüber, die Bereitschaftspraxen in ganz Rheinland-Pfalz einheitlich auszustatten. Darüber hinaus wird in allen Bereitschaftspraxen ein einheitliches Qualitätsmanagement angestrebt.

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Bereitschaftsdienst

Ihre Fragen an das Service-Center

Wo beziehe ich das neue Formular "Patientenerklärung Europäische Krankenversicherung"?

Das Formular ist innerhalb der Praxisverwaltungssoftware vom Vertragsarzt selbst auf weißem Papier in der Praxis auszudrucken. Jede für die Abrechnung zertifizierte Software ist verpflichtet, den Vordruck als ausdruckbares Dokument in verschiedenen europäischen Sprachen für den Nutzer vorzuhalten. Die Softwarehäuser wurden von der KBV entsprechend informiert. In Papierform können diese Patientenerklärungen nicht bei der KV bestellt werden. Auf der Website der KV RLP sind die Erklärungen mit Hinweis auf die jeweilige Landessprache und alle weiteren Informationen einschließlich einer Checkliste eingestellt.

Sonstige Kostenträger | Sozialversicherungsabkommen

Kann ich einen Überweisungscode zur schnellen Vermittlung eines Facharzttermins durch die Terminservicestelle (TSS) ohne medizinische Notwendigkeit auf Wunsch des Patienten auf die Überweisung aufbringen?

Nein. Der Überweisungscode darf nur dann aufgebracht werden, wenn aus Sicht des Überweisers eine fachärztliche Abklärung unbedingt notwendig und ein Zuwarten von mehr als vier Wochen nicht hingenommen werden kann, da Gefahr besteht, dass sich der Gesundheitszustand ohne Behandlung verschlechtert. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Überweisungscodes für Arztwechsel, Zweitmeinung, Vorsorgeuntersuchungen, Gutachten, Atteste, Bagatellerkrankungen oder bei bereits seit Jahren bestehenden Beschwerden verwendet werden. Einige Fachärzte melden aus diesem Grund keine Termine mehr an die TSS. Dadurch ist in bestimmten Regionen und bei bestimmten Fachgruppen mittlerweile die erfolgreiche Vermittlung von wirklich dringenden Terminen gefährdet.

Sicherstellungskongress

KV RLP präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse.

Vom 27. bis 28. Juni 2017 stand auf dem Sicherstellungskongress der KBV in Berlin alles unter dem Motto der zukünftigen ambulanten medizinischen Versorgung. Neben dem Konferenzprogramm mit diversen Vorträgen, Fachseminaren und Diskussionsrunden stellten Vertreter von KVen aus ganz Deutschland auf dem Kongress rund 30 Modellprojekte vor, die zeigen, wie die ambulante Versorgung – gerade auch in strukturschwachen Regionen – sichergestellt und weiterentwickelt wird.

Die KV RLP, die neben Informations- und Beratungsangeboten auch eine umfassende Strukturförderung anbietet, an die Kommunalpolitik gerichtete Initiativen ins Leben gerufen hat oder auch die Gründung von Weiterbildungsverbünden und Ärzte in Weiterbildung über eine Koordinierungsstelle unterstützt, stellte auf dem Kongress den eigens entwickelten, hochkomplexen Versorgungsindex vor. In ihn fließen insgesamt 13 Parameter ein, der auch einen Blick in die zukünftige Versorgungslage in Rheinland-Pfalz erlaubt.

Video

"KV-TV PRAXIS – Das Magazin" vom 21. August 2017 | Beitrag "KBV Sicherstellungskongress"

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23. November 2017