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11. Februar 2014

Wirtschaftstipp: Achtung, Arztpraxis – gut versichert

Ein nicht ausreichender Versicherungsschutz kann zu Liquiditätsengpässen führen. Deshalb sollten Niedergelassene ihre Policen auf Aktualität und ausreichende finanzielle Deckung prüfen. Der KV-TV-Wirtschaftstipp zeigt, warum es für jede Praxis wichtig ist, individuelle Lösungen zu finden und durch ein abgestimmtes Konzept eine kostenintensive Überversicherung zu vermeiden.

Service

Lesefassung

Sprecherin: Versicherungen sind wichtig. Nicht ausreichender Versicherungsschutz kann fatale Folgen für die Arztpraxis haben.

Anja Otten | BWL-Beraterin KV RLP: Wichtig ist die Aktualität. Oft liegen sie einfach in der Schublade, es wird nicht geprüft – wie oft in unserem privaten Bereich ja auch. Im Schadensfall merkt man dann, welche Versicherungen einem eigentlich fehlen. Wichtig ist es, sich einen Versicherungsberater zu suchen, der sich jährlich oder vielleicht auch halbjährlich mit einem zusammensetzt. Auch wenn es lästig ist, die Sachen miteinander abzugleichen.

Sprecherin: Gesetzlich vorgeschrieben ist die Berufshaftpflicht, der Versicherungsschutz gegen Kunstfehler ist unverzichtbar.

Anja Otten | BWL-Beraterin KV RLP: Wenn ich zum Beispiel eine Berufshaftpflichtversicherung habe und mir passiert wirklich ein ärztlicher Fehler und die Deckungssumme reicht nicht aus, um nachher den Schaden zu zahlen, dann hätte ich ja im schlimmsten Fall ein großes Liquiditätsproblem. Zum Beispiel passiert mir aufgrund einer Falschbehandlung ein enormer Fehler und ich werde im Prinzip dazu verpflichtet, den Schaden zu ersetzen. Und in der Versicherungssumme fehlen dann zum Beispiel eine Million, dann muss ich die aus meiner eigenen Liquidität irgendwie bezahlen. Von daher ist es wichtig, den Versicherungsschutz stetig zu prüfen, ob er entsprechend den ärztlichen Leistungen auch angepasst ist.

Sprecherin: Doch was geschieht, wenn der Praxisinhaber aufgrund eines Schadens nicht praktizieren kann?

Anja Otten | BWL-Beraterin KV RLP: Wichtig finde ich in jedem Fall auch eine Überbrückungsversicherung. Das heißt zum Beispiel, unabhängig von dem Inventar, was in einer Praxis versichert werden muss. Angenommen, man hat jetzt einen Wasserschaden und kann die Praxistätigkeit mehrere Wochen oder Monate nicht ausüben, dass man zusätzlich zu dem Inventar, was versichert sein müsste, auch den entgangenen Gewinn bezahlt bekommt, weil man die laufenden Kosten, Personal, Raumkosten und auch die persönlichen Lebenshaltungskosten hat. Wie soll man das bezahlen, wenn der entgangene Gewinn nicht in irgendeiner Form bei einer Versicherung Berücksichtigung findet?

Sprecherin: Welche Versicherung eine Arztpraxis benötigt, ist abhängig von den individuellen Gegebenheiten und finanziellen Möglichkeiten.

Anja Otten | BWL-Beraterin KV RLP: Wenn man jetzt zum Beispiel die Ausfallversicherung angeht, wenn ich krankheitsbedingt ausfalle, dann kann es sein, dass ich die in jungen Jahren bekomme, günstiger bekomme, weil ich noch nicht so viele Vorleiden habe. Während ich vielleicht, wenn ich schon älter bin, die Versicherung nicht mehr in der Form bekomme wie ein junger Arzt. Deswegen, wenn man es sich von Anfang an leisten kann, sollte man eventuell eine vernünftige Ausfallversicherung zusätzlich zu der bestehenden Krankenversicherung abschließen.

Sprecherin: Was ist, wenn man immer wieder sein Arzneimittelbudget überschreitet und die Praxisbesonderheiten dies nicht rechtfertigen?

Anja Otten | BWL-Beraterin KV RLP: Es ist immer die Frage. Regressversicherungen sind superteuer. Rechnen sich die Kosten gegen den Nutzen? Da muss man auf jeden Fall rechnerisch nochmal dran. Da ist es auch wichtig, dass der Versicherungsberater den Arzt im Auge hat und nicht seine eigene Provision.

Sprecherin: Nicht selten führen der Wunsch nach Absicherung und das vielfältige Angebot an Versicherungsleistungen zu einer Überversicherung und somit zu unnötigen Ausgaben.

Anja Otten | BWL-Beraterin KV RLP: Wir haben die Möglichkeit, die Kosten mit anderen Fachgruppen abzugleichen. Das heißt: Zum Beispiel vom zentralen Institut für die Kassenärztliche Versorgung in Berlin gibt es eine Kostenstrukturanalyse. Jedes Jahr fragen die zig Praxen ab – wie hoch sind die Versicherungskosten, wie hoch sind die anderen Kosten? Und dann haben wir von dieser Seite schon mal Vergleichszahlen. Aber auch Auswertungen von der Datev, von Steuerberatern, Kreditinstituten oder aber auch vom Statistischen Landesamt.

Und dann kann man vergleichen: Wie hoch ist der prozentuale Anteil der Versicherungen dieses einen jetzt im Verhältnis zu der Fachgruppe. Und dann sieht man schon, der liegt enorm viel drüber oder drunter, und dann kann man gucken, warum es diese Abweichungen gibt. Von daher haben wir da die Möglichkeit, das durchzuprüfen. Und rechnen das nachher auch runter, bis hin zu der Liquidität, die er dann haben kann aufgrund dieser Planberechnung. Und bei niedergelassenen Ärzten ist es so: die können auch zu uns reinkommen, zum Beispiel um zu gucken, ob bei ihnen alles im wirtschaftlichen ordentlichen Bereich ist. Wir machen da auch Kostenstrukturanalysen und da gehört auch der Vergleich der Versicherungen sicherlich mit dazu.

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