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11. Dezember 2013

Klartext – Generationenwechsel bei Medizinstudierenden

Was sind die Bedürfnisse der neuen Medizinergeneration? Antworten gibt es von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Mit KV-TV spricht Pascal Nohl-Deryk über notwendige Veränderungsprozesse und die Erwartungen der Ärzte von morgen. Der angehende Mediziner ist als Bundeskoordinator unter anderem zuständig für die Themen Sicherstellung und Maßnahmen gegen den Ärztemangel.

Service

Lesefassung

Sprecherin: Das ist Pascal Nohl-Deryk. Er ist aktiv in der Bundesvertretung der Medizinstudierenden. Pascal steht für die neue Generation von Ärzten.

Pascal Nohl-Deryk: Das sind hoch engagierte Menschen, die genauso wie früher in allen Generationen auch den starken Wunsch danach haben, Menschen zu helfen. Ich denke, das ist das, was Medizinstudierende primär antreibt. Sie haben einen unglaublichen Arbeitswillen. Ich will 100 Prozent in meinem Job geben, aber auch 100 Prozent in anderen Bereichen. Und dieser Konflikt, der tut sich da vielleicht mit anderen Generationen auf.

Ich glaube nicht, dass sich Deutschland von der flächendeckenden Versorgung abkehrt. Die Frage ist, ob man das Konzept, wie es jetzt ist mit den vielen kleinen Einzelpraxen, aufrecht erhält oder ob es nicht eine Tendenz dazu gibt, stärker in Gemeinschaftspraxen, in medizinischen Versorgungszentren zu arbeiten, wo mehrere Ärzte an einem Standpunkt arbeiten, sich kooperativ Sachen teilen, eventuell auch eine Praxisniederlassung in einem anderen Bereich haben und einen Tag in der Woche bedienen, eine Zweigpraxis aufmachen sozusagen, ob so etwas nicht viel stärker die Versorgung bestimmen wird.

Sprecherin: Diese Generation ist bestens ausgebildet, mobil und selbstbewusst. Niedergelassener Arzt in eigener Praxis – dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Pascal Nohl-Deryk: Was mit Sicherheit Angst macht – und das zeigen ja auch Befragungen – dass eine hohe finanzielle Sorge bei Medizinstudierenden gegenüber der Niederlassung besteht. Dass man Sorge davor hat, die Praxis, also den Kredit nicht bezahlen zu können, dass man Sorge darum hat, dass man nicht ausreichend vergütet wird im niedergelassenen Bereich. Dass man trotz allem immer noch Sorge um Regresse hat, das ist wie ein Gespenst, was hier rumgeistert. Und ich denke, das ist Aufgabe der Institutionen, in dem Fall wahrscheinlich der Kassenärztlichen Vereinigung, da zu sagen, es gibt andere Wege, wir können Euch Hilfestellungen bei diesen Bereichen anbieten.

Sprecherin: Das Problem: Allgemeinmedizin hat einen schlechtes Image.

Pascal Nohl-Deryk: Die Umsätze eines Allgemeinmediziners sind an sich nicht schlecht in einer niedergelassenen Praxis. Und trotzdem sind die seiner Fachkollegen deutlich höher. Und ich denke, solche Diskrepanzen in der Bezahlung von unterschiedlichen Fachbereichen zu beheben, ist auch Aufgabe der Selbstverwaltung. Dass man da sagt, okay, es gibt dieses Attraktivitätsdefizit nicht, und was, denke ich, auch voziert wird, dass der Allgemeinmediziner derjenige ist, der sortiert.

Also im Studentenunterricht ist es ganz häufig so, dass man sagt, man bekommt eine Überweisung vom Allgemeinmediziner und die richtige Medizin findet gefühlt immer woanders, in den Bereichen, die spezialisiert sind, statt.

Sprecherin: Die alte Arztmentalität hat ausgedient. Heute ist Flexibilität gefragt, auch bei den Arbeitszeiten.

Pascal Nohl-Deryk: Ich denke, was auch vielen Medizinstudierenden ein wichtiges Anliegen ist, dass man die Arbeitszeiten zu weiten Teilen flexibel einteilen kann. Und ich denke, wenn sich die Niederlassung etwas umstrukturiert hat, es durchaus attraktiv sein kann, weil es im Krankenhaus doch starr geregelt ist mit den Arbeitszeiten. Es verändert sich gerade, aber die Niederlassung kann da eigentlich viel mehr bieten.

Sprecherin: Die jungen Mediziner sind anders. Sie legen mehr Wert auf Freizeit und Familie und dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen.Pascal Nohl-Deryk: Wenn man sich irgendwo niederlässt und man weiß, dass man zig Bereitschaftsdienste tun muss, dann ist das unattraktiv. Dann überlegt man sich doch, ob man irgendwo anders hingehen kann, wo es besser organisiert ist, wo es weniger Arbeit zu leisten gibt – gerade auch, weil Bereitschaftsdienste furchtbar unflexibel sind und dann eventuell auch Zeit nehmen, die man mit Familie oder Freunden irgendwie in anderen Hobbys verbringt, sodass man einen Freizeitausgleich hat und eine gewisse Work-Life-Balance wahren kann. Und deswegen ist es schon ganz wichtig, dass man sich darauf verlassen kann, dass es gut organisiert ist und auch nicht überhandnimmt. Ich habe das Gefühl, dass meine Generation viel stärker teamfokussiert arbeiten will und auch einfach sagt, ich muss nicht jede Aufgabe machen, die bisher Teil meiner Tätigkeit ist. Und da treten wir auch gerne als Vertretung in Diskussion und Kooperation mit den KVen in Kontakt und diskutieren einfach mal, was denn die Kernkompetenzen ärztlicher Arbeit sind.

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