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15. Juli 2015

Flüsterpost – Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern und Großeltern

"Kommt der Krebs, weil ich böse war?" Wenn Mama oder Papa an Krebs erkranken, ist dies keine ungewöhnliche Frage von Kindern. Aber Kinder und Jugendliche werden häufig mit all ihren Fragen und Ängsten alleine gelassen. Der gesunde Elternteil kümmert sich um den erkrankten und die Kinder bleiben sich selbst überlassen – sie ziehen sich zurück, denn sie wollen die Eltern nicht zusätzlich mit ihren Sorgen belasten. Auch Ärzte sind unsicher, was den Umgang mit den Kinder von Krebspatienten angeht – dabei ist es so wichtig, die Kinder rechtzeitig und altersgerecht miteinzubeziehen. Der Mainzer Verein Flüsterpost hat sich diesen offenen und ehrlichen Umgang mit der Krebserkrankung von Eltern zum Thema gemacht.

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Lesefassung

Prof. Dr. Gerhard Trabert | 1. Vorsitzender Flüsterpost e. V.: Kinder spüren alles, was in der Familie stattfindet. Sie haben ganz sensible Sendemasten. Sie spüren Veränderungen in der Beziehung der Partner, der Eltern. Und sie spüren natürlich, wenn mit Vater oder Mutter etwas nicht stimmt, weil sie sehr krank sind. Wenn man dann nicht mit ihnen darüber redet, dann versuchen sie, sich das zu erklären. Sie beziehen vieles auf sich selbst. Sie glauben dann, selbst vielleicht Schuld zu sein.

Anita Zimmermann | Geschäftsführerin Flüsterpost e. V.: Wenn sie jetzt von anderen Schulkameraden gehört haben, was sehr häufig vorkommt: Oh, deine Mama hat Krebs. Ich weiß, da ist jemand an Krebs gestorben. Und plötzlich kommt da die Angst hoch. Huch, was ist denn, wenn meine Mama oder mein Papa stirbt? Was ist dann mit mir? Und deshalb ist es ganz, ganz wichtig, dass, wenn innerhalb der Familie solche neuen Dinge passieren, dass die Kinder innerhalb der Familie informiert werden, kindgerecht informiert werden, damit sie es nicht von außen irgendwie erfahren. Zum Beispiel dass es auch durchaus passieren kann, dass man an einer Krankheit stirbt oder dass man auch an Krebs sterben kann. Es können ganz schnell Missverständnisse entstehen oder Fantasien, Vorstellungen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Und keiner weiß es von dem Anderen. Das ist dann das Schwierigste. Es geht nur, wenn man fragt, um herauszufinden, wie geht’s dir eigentlich? Und dazu braucht es Mut.

Prof. Dr. Gerhard Trabert | 1. Vorsitzender Flüsterpost e. V.: Wir wollen Mut machen, auch über solche Themen offen zu reden. Weil, wenn man das nicht tut, dann kommt etwas Falsches heraus. Dann spielen Fantasien, Interpretationen und Schuldgefühle eine große Rolle. Und das muss man gerade in der Beziehung zu Kindern verhindern.

Anita Zimmermann | Geschäftsführerin Flüsterpost e. V.: Wir machen das sehr spielerisch, sehr bedürfnisorientiert. Wir versuchen sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder da abzuholen, wo sie gerade im Moment stehen mit ihren Gefühlen, mit ihren Gedanken und können dabei viele Methoden einsetzen, dass man miteinander ein Spiel spielt, ein Buch anschaut, Bilder betrachtet oder auch was zusammen malt oder dann später auch, wenn man etwas zusammen gemalt hat, den Eltern nochmal zeigt und so sich miteinander auch nochmal sehr schnell austauschen kann, gerade das Kind auch, dass die Eltern sehen: Das beschäftigt mein Kind gerade. Das, was Erwachsene häufig tun aus einem ersten Impuls heraus, dass sie die Kinder schützen wollen, passiert bei den Kindern genauso. Sie spüren, dass da irgendetwas ist, das traurig macht, das Angst macht und hilflos macht, vielleicht sprachlos. Und sie sehen an den Erwachsenen, wie sie sich verhalten, und imitieren das Verhalten. Und genau deswegen versuchen wir, Groß und Klein da aufzufangen und zu schauen: Wie haben sie das bisher gemacht? Und wo gibt es noch Möglichkeiten, wie sie es anders machen, dass sie sich noch mehr finden und den Weg gemeinsam gehen können?

Prof. Dr. Gerhard Trabert | 1. Vorsitzender Flüsterpost e. V.: Wir wollen Familie und Kinder stark machen, indem wir sie begleiten, beraten, ihnen Informationsmaterial für eine offene Kommunikation zu diesem schwierigen Thema geben, dass sie wirklich mit den Kindern darüber reden und sie in diesen Verarbeitungsprozess integrieren.

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