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19. Juli 2013

Eigene Praxis: Vanessa Jürgens – Bilanz nach einem Jahr

Frauenarzt Marko Groth und die Internistin Vanessa Jürgens wagten den Schritt in die Niederlassung. Während Vanessa Jürgens den Praxissitz ihrer Mutter übernahm und schon als Kind in der Arztpraxis der Eltern viel Zeit verbracht hat, war es für Marko Groth ein Sprung ins kalte Wasser. Er übernahm die Praxis eines Kollegen, der in den Ruhestand ging. Was folgte, war ein Jahr voller Überraschungen und die Erkenntnis: Es hat sich gelohnt. KV-TV zeigt, was Vanessa Jürgens im ersten Jahr erlebt hat.

Service

Lesefassung

Sprecherin: Vanessa Jürgens hat im April 2012 den Praxissitz ihrer Mutter im rheinhessischen Nackenheim übernommen. Zusammen mit ihrem Kollegen arbeitet sie in der internistischen Hausarztpraxis.

Vanessa Jürgens: Es war ganz süß, dass ganz zu Beginn mir ganz viele zur Praxiseröffnung, zum Neueinstieg richtig gratuliert haben und Blumen gebracht haben und Geschenke gebracht haben. So wie sie meine Mutter verabschiedet haben, haben sie mich auch willkommen geheißen.

Und es ist sicher immer so ein bisschen der Vergleich, das habe ich ja auch in den zwei oder eineinhalb Jahren davor gemerkt, dass man natürlich auch seine eigene Marke setzen muss. Denn wenn die Patienten dreißig Jahre an einen Arzt gewöhnt sind, dann ist so eine Umstellung immer auch ein Einschnitt. Aber ich glaube, dass das bei den meisten Patienten gut geklappt hat, und da kriege ich auch positive Rückmeldung.

Sprecherin: Es war ein sanfter Übergang für Mutter und Tochter, denn Vanessa Jürgens hat ihre Weiterbildungsassistentenzeit dort absolviert. So konnte sie die Patienten kennenlernen und auch alles, was sonst noch zum Alltag einer Praxis gehört.

Vanessa Jürgens: Man wächst da so rein ins Abrechnungswesen, sowohl über die gesetzlichen Kassen als auch über Privatkassen. Das sind ja einfach erstmal Ziffern, die man lernen muss, und Vorschriften und, was man wie beachten muss. Und ich bin sicherlich noch nicht perfekt, aber man hat sich über das Jahr da reingearbeitet. Und wir haben ein langjähriges Stammpersonal. Die machen da auch eine wirklich sehr gute Zuarbeit. Gott sei Dank.

Sprecherin: Trotzdem: Rat und Unterstützung brauchte man schon.

Vanessa Jürgens: Es gibt ja diese KV-Lotsen, die in allererster Linie auf mich zugekommen sind. Ganz zu Beginn habe ich dann gesagt: Eigentlich brauche ich das nicht, ich habe das ja schon irgendwo so ein bisschen mit der Muttermilch aufgesogen und mitbekommen.

Und dann kamen wir eben doch an den Punkt, dass ich das erste Mal eine Abrechnung in Papierform vor mir hatte, die Post von der KV, und habe dann auf viele, viele Zahlen geguckt und gesagt: Was ist das? Und was soll mir das jetzt sagen? Und dann habe ich da schon den Kontakt gesucht und sie haben mir das dann noch mal erklärt, einfach so die statistischen Aufteilungen, die man dann bekommt. Was ich aber gemacht habe, immer natürlich vorweg mit Erlaubnis der Patienten, dass ich mitunter auch meine Mutter mal konsiliarisch beratend gefragt habe.

Sprecherin: Ein Jahr voller Erfahrungen mit der Erkenntnis, dass man als Selbstständige mit Kindern eine gute Selbstorganisation braucht, um dann flexibel zu sein.

Vanessa Jürgens: Also der Tag startet einfach schon ganz früh um fünf mit dem Wecker, weil ich um sieben Uhr hier anfange, zu arbeiten. Aber das klappt gut. Es klappt so gut, dass ich da fast Werbung für machen möchte, besser als in der Klinik.

Ich bin unheimlich froh, dass ich nicht mehr Schichtdienst arbeiten muss, dass ich keine Nachtdienste, keine Wochenenddienste mehr habe und dass die Arbeitszeiten in der Selbstständigkeit ja relativ, ich sage mal, wenn wirklich Not am Mann ist, flexibel einteilbar sind.

Sprecherin: Selbstständig in eigener Praxis: für die hausärztliche Internistin der absolut richtige Schritt. Aber ein Schritt, auf den man sich gut vorbereiten sollte.

Vanessa Jürgens: Wenn man nicht so wie ich im Vorfeld viel von zu Hause mitbekommen hat, würde ich auf jeden Fall den Tipp geben wollen, dass man sich frühzeitig auch wirklich den Rat einholt, dass man erstmal reinschnuppert. Ich glaube, gerade im hausärztlichen Bereich, es geht ja immer wieder durch die Presse, dass der Job gerade nicht sehr gefragt ist.

Ich finde es ist ein total schönes Arbeiten. Man muss es vielleicht mal mitgemacht haben, damit man sieht, was es bedeutet, so zu arbeiten. Dann sollte man früh bei der KV anfangen, Hilfe zu holen, weil die Bürokratie, die im Vorfeld stattfindet, schon eine sehr große und erhebliche ist und das Beratungsangebot auch da ist. Aber ansonsten einfach mutig drauf zu. Es macht Spaß.

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