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22. August 2014

Diabetes: Erfolge in Fußambulanzen – Kontrolle senkt Amputationsrate

Kribbeln, Brennen, Schmerzen und Taubheit sind erste Anzeichen von Nervenschäden in Folge von Diabetes. Eine regelmäßige Untersuchung der Füße ist deshalb enorm wichtig. Sie trägt entscheidend dazu bei, Fußgeschwüre und Amputationen bei Erkrankten zu verhindern. Fußambulanzen leisten hier einen wichtigen Beitrag, denn beim diabetischen Fußsyndrom müssen selbst kleinste Verletzungen ernst genommen werden. In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit 43 Fußambulanzen. KV-TV hat eine davon besucht.

Service

Lesefassung

Dr. Matthias Schilling | Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin: Mein Name ist Matthias Schilling. Ich bin jetzt hier in der Praxis seit 1988. Wir haben die Praxis aufgebaut als Schwerpunkpraxis eigentlich ab 1998. Wir freuen uns auf jeden neuen Fuß, der kommt. Das können andere nicht verstehen, denn es sind ja letztendlich Wunden an den Füßen. Das sind, in Anführungsstrichen, faule Füße.

Und es ist für uns einfach immer eine Herausforderung, diese Füße so hinzukriegen, dass wir dann Schlimmeres, sprich Amputationen, vermeiden. Zu einer Fußambulanz gehören auch die Menschen dazu. Dazu gehören dann die entsprechenden Therapeuten, Wundtherapeuten, die eine Ausbildung durchmachen müssen. Zum einen bietet die Deutsche Diabetesgesellschaft eine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit an und in unserer Ambulanz sind alle drei Mitarbeiter dort ausgebildet worden.

Yasemin Türengül | Wundassistentin DDG: Ich heiße Yasemin Türengül, bin 26 Jahre alt, bin seit circa 2011 hier in der Praxis. Ich habe ursprünglich Medizinische Fachangestellte gelernt und habe dann eine Weiterbildung zur Wundassistentin gemacht. Bei den Füßen schaue ich hauptsächlich erstmal nach Pilzen, ob da ein Nagelpilz ist, ob da zwischen den Zehen eine Interdigitalmykose ist, damit man das behandeln kann.

Ich gucke nach, ob Druckstellen da sind oder Hornplatten – die kann man dann mit Einlagen oder einer richtigen Schuhversorgung behandeln – ob da Wunden sind. Danach wird meistens geguckt. Das ist die Hauptsache und natürlich der Pulsstatus. Ist ein Puls da oder nicht?

Man kann einem Patienten nicht sagen: So, jetzt kriegen Sie die und die Wundauflage draufgemacht, das wird draufgemacht, sondern man muss auch auf den Patienten ein bisschen eingehen und sagen, Sie kriegen jetzt diese Wundauflage, da ist jetzt der und der Inhaltsstoff drin, das ist dafür und wenn Sie das machen, dann passiert das. Man muss ihn miteinbeziehen, damit er überhaupt versteht, was mach‘ ich denn mit ihm? Und meistens arbeiten sie dann mit uns.

Dr. Matthias Schilling | Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin: Wir haben etwa um die 1.000 Menschen mit Diabetes, die zu uns kommen. Und dadurch, dass es in der Eifel nur noch eine Diabetesschwerpunktpraxis in Bitburg gibt, haben wir unsere Patienten bis zur belgischen Grenze, bis hinter Hildesheim. Also sie kommen manchmal 80, 90 Kilometer weit.

Yasemin Türengül | Wundassistentin DDG: Mit dem Monofilament zeige ich dem Patienten erst an der Hand, wie sich das anfühlt, damit er weiß, okay, das fühlt sich so an und an dem Fuß muss es auch so sein. Da wird einfach punktuell geprüft: Ist da noch Gefühl, merkt er das? Ist es schwächer als an der Hand oder ist es überhaupt nicht da?

Man kann dann mit der Hand den Puls fühlen und wenn er nicht fühlbar ist, muss man diesen Doppler machen. Damit können wir die Arterien hören und vergleichen den Druck mit dem Druck an den Armen. Und haben dann sozusagen einen Index, der uns zeigt, wie die Durchblutung ist, ob da eine Störung vorliegt oder nicht.

Dr. Matthias Schilling | Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin: Füße sind wichtig, damit wir uns fortbewegen. Und Füße haben eigentlich, normalerweise sehr viel Gefühl.

Yasemin Türengül | Wundassistentin DDG: Barfuß sollte man nicht gehen. Das ist das Problem. Die Patienten gehen, treten in irgendetwas rein und spüren es meistens nicht und das wird dann zu einer Wunde. Wichtig ist immer, ein Schuhwerk zu tragen, um vor Hitze und Kälte zu schonen.

Dr. Matthias Schilling | Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin: Ein kleiner Einriss in der Haut ist eine Eintrittspforte für Bakterien. Und wenn Bakterien in den Fuß hineinkommen, insbesondere bei Menschen, die Diabetes haben und Nervenveränderung haben, die merken nichts davon. Sie haben einen dicken, roten Fuß und haben keine Schmerzen. Es ist so, wenn man sich gar nicht drum kümmert, dass es sehr häufig zu Infekten in den Füßen kommt und diese Infekte, wenn sie in den Fußinnenraum, sprich zwischen den Mittelfußknochen oder gar in den Knochen reinkommen, dann ist der ganze Fuß gefährdet. Und damit besteht auch eine hohe Gefahr, dass ein Fuß amputiert werden muss.

Das Ganze ist in früheren Jahren deutlich häufiger passiert und durch entsprechende Vorsicht, Schulung passiert das weniger. Jede Schwerpunktpraxis sollte vernetzt sein und feste Partner haben. Das fängt an mit Psychiater, Psychologen, dass Menschen mit Diabetesproblemen, mit Ängsten, Ängsten vor Unterzuckerung entsprechend adäquat behandelt werden. Wir sind aber auch vernetzt mit Fachärzten, insbesondere Neurologen, Gefäßspezialisten, weil die Patienten mit Diabetes häufig mit Nerven, also Nervenerkrankungen und Gefäßerkrankungen zu tun haben.

Yasemin Türengül | Wundassistentin DDG: Es wird einmal mit einem Foto dokumentiert und nochmal alles schriftlich in der EDV, so dass auch der nächste nochmal alles nachlesen kann und auch vergleichen kann: Wie waren denn letztes Mal die Nerven, wie viel Prozent war da noch? Wie ist es jetzt? Ist es schlechter geworden? Hat sich etwas gebessert? Dass wir da auch einen Überblick haben und sehen können: Sind wir überhaupt auf dem richtigen Weg? Müssen wir die Therapie ändern? Dafür ist die Dokumentation auf jeden Fall sehr wichtig.

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18. Dezember 2018