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30. Mai 2016 3:09 Minuten

Der Doktor geht in Rente – Daun wirbt um junge Ärzte

Gleich 20 Ärzte gehen in den nächsten Jahren in der Vulkaneifel in den Ruhestand. Darunter sind auch vier Kinderärzte. Nachfolger lassen sich schwer finden. Die Folge: gefährliche Versorgungslücken. Im Eifelstädtchen Daun versucht man daher ganz intensiv, junge Ärzte von einer Niederlassung zu überzeugen.

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Lesefassung

Sprecherin: Die Eifel ist schön – wie viele Ecken in Rheinland-Pfalz. Aber dort, wo es viel Natur gibt, die Luft rein und die Wege länger sind, gibt es immer weniger Ärzte. Im Eifelstädtchen Daun sind in kurzer Zeit vier Ärzte im Ruhestand, diese Stellen zu besetzen, ist schwierig.

Passant 1: Grundsätzlich ist es wichtig, dass man es nicht so weit zum Arzt hat. Bei Kindern halte ich das für noch wichtiger.

Passantin 1: Ich finde es auf jeden Fall wichtig, dass es hier einen Kinderarzt gibt.

Passantin 2: Wenn man nur ein Auto hat und es keine Busverbindung gibt, dann kann ich nicht bis nach Tier oder Koblenz fahren.

Sprecherin: Viele wollen nicht aufs Land. Die Gründe sind vielfältig: weil viele junge Mediziner Job und Familie unter einen Hut bringen wollen, weil sie die Selbstständigkeit und die Bürokratie scheuen und weil sie nicht aufs Land ziehen wollen. Doch Landrat Heinz-Peter Thiel hält dagegen. Er wirbt um junge Ärzte.

Heinz-Peter Thiel | Landrat des Kreises Vulkaneifel: Wir sind ein Urlaubs- und Erholungsgebiet. Hier kann man gut arbeiten, hier kann man Familie gründen, hier hat man einen Freizeitwert, wofür sie anderen Orts bezahlen müssten. Und deshalb haben wir auch sehr viele Ärzte. Und die sind aber leider alle zeitgleich in diese Region hier gekommen, sodass sie jetzt auch altersbedingt nahezu zeitgleich in den Ruhestand gehen. Und wir werden in den nächsten vier Jahren über 20 Arztpraxen für die Übergabe fertig machen müssen.

Sprecherin: Kinderarzt Dr. Friedemann Bertholdt aus Gerolstein ist einer der Ärzte, die bald in den Ruhestand gehen.

Dr. Friedemann Bertholdt | Kinderarzt: Hier auf dem Land kann man, das ist einer der Gründe, warum wir rausgekommen sind, Kinder haben, Tiere haben, ein Haus haben und dergleichen, alles das, was man in der Großstadt nicht in dem Maß haben kann. Und frische Luft kommt zusätzlich ja auch noch dazu. Das ist einer der Gründe, denke ich, die vorwiegend dazu führen sollten, dass jüngere Kolleginnen und Kollegen sich überlegen, ob sie nicht doch aufs Land gehen.

Sprecherin: Die Ärztefrage ist existenziell. Es gilt für die Krankenhäuser genauso wie zum Beispiel Altenheime. Deshalb wird in Daun eifrig an Lösungen gearbeitet, mit allen Akteuren im Gesundheitsbereich.

Heinz-Peter Thiel | Landrat des Kreises Vulkaneifel: Ich denke mal, als Mediziner kann man hier auch ganz andere Geschäftsfelder abstimmen. Aber das Problem ist, denke ich mal, dass sehr viele junge Frauen in den Städten gebunden sind und auch gar nicht wissen, welche Vorteile jetzt auch eine Niederlassung oder eine Anbindung an einen Kinderarzt zum Beispiel im Übergang in den Ruhestand auf dem Land, was das für Chancen ermöglicht.

Dr. Friedemann Bertholdt | Kinderarzt: Also ich persönlich würde mir vier bis fünf Kinderärztinnen oder Kinderärzte wünschen, die das hier weitermachen, von mir aus auch halbtags oder stundenweise. Man müsste eine Konstruktion finden, sodass möglichst viele Kinderärztinnen und Kinderärzte sich eine Praxis teilen und das ist natürlich schwierig. Und das macht die Sache auf dem Land, wo die Auswahl noch geringer ist, besonders schwierig.

Sprecherin: Der drohende Ärztemangel geht alle an. Denn die Gesundheitsversorgung ist einer der zentralen Faktoren, die eine Region lebenswert machen oder eben nicht.

Heinz-Peter Thiel | Landrat des Kreises Vulkaneifel: Ich lade alle interessierten Ärzte und insbesondere Kinderärzte ein, hier in der Region niederzuschlagen, sich das mal anzuschauen und vielleicht auch die Liebe für die Vulkaneifel zu entdecken und ihre Menschen, die eine ärztliche Versorgung brauchen.

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