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5. September 2014

Adapthera – neues Netzwerk für Rheumapatienten

Mit einer neuen Versorgungskette von Rheumatologen und Hausärzten soll die schnellstmögliche und lückenlose Behandlung von Rheuma-Patienten in Rheinland-Pfalz gesichert werden. Dabei kommt den Hausärzten eine besondere Rolle zu, denn sie sind die erste Anlaufstelle für Patienten. Ihre Aufgabe ist es, diese mit einem Anfangsverdacht auf rheumatoide Arthritis möglichst innerhalb von zwei Wochen an einen im Netzwerk aktiven Rheumatologen zu überweisen. Das Besondere: Der Rheumatologe erarbeitet mit Patient und Hausarzt einen angemessenen Therapieplan. Unterstützt werden sie dabei von der Adapthera-Koordinationszentrale. KV-TV fragt einen niedergelassenen Rheumatologen und den Chef der rheinland-pfälzischen Hausärzte nach den Erfolgschancen dieses Projekts.

Service

Lesefassung

Sprecherin: Jahr für Jahr erkranken in Rheinland-Pfalz bis zu 3.000 Menschen neu an chronisch entzündlichem Rheuma. Wenn die Krankheit schon bei den ersten Anzeichen erkannt und sofort konsequent behandelt wird, kann sie bei vielen Betroffenen gestoppt oder zumindest deutlich verlangsamt werden.

Und das will Adapthera leisten. Adapthera steht für Risiko-adaptierte Rheumatherapie. Wichtige Voraussetzung: die enge Zusammenarbeit von Hausärzten und Rheumatologen.

Dr. Christopher Amberger | Rheumatologe: Das setzt den Anreiz, den Patienten früh zu sehen und entsprechend früh zu behandeln. Und es setzt auch den Anreiz, den Patienten eben nicht einmal zu sehen und dann irgendwann vielleicht ein Jahr später, sondern wirklich engmaschig weiter zu betreuen.

Wir sollten intensiv behandeln und sollten eben gerade in den ersten Jahren schauen, dass das Ganze gut unter Kontrolle ist und dann möglicherweise auch weniger therapieren. Insofern sehe ich das als große Chance an, das Projekt.

Sprecherin: Zerstörte Gelenke, chronische Schmerzen oder gar der Verlust der Arbeitsfähigkeit, das sind die schwerwiegenden Folgen, wenn nicht rechtzeitig therapiert wird. Erster Ansprechpartner der Betroffenen: der Hausarzt. Seine Aufgabe ist es, Patienten mit einem Anfangsverdacht auf rheumatoide Arthritis möglichst innerhalb von zwei Wochen an einen Rheumatologen zu überweisen.

Dr. Burkhardt Zwerenz | 1. Vorsitzender des Hausärzteverbands RLP e. V.: Es passiert genau das, was wir uns immer wünschen, dass der Hausarzt als Basisstation angelaufen wird, dort die Diagnostik soweit durchgeführt wird, wie sie sinnvoll ist, und in diesem Rahmen dann auch möglich ist.

Und dass wir aber gleichzeitig die Möglichkeit haben, darüberhinausgehend dann eine weiterführende Diagnostik und Therapie Hand in Hand mit den Spezialisten zu planen für unsere Patienten und wir auch über dieses Programm die Möglichkeit auf sehr raschen Zugriff auf die Spezialisten haben mit entsprechend kurzen Wartezeiten.

Prof. Dr. Andreas Schwarting | Ärztlicher Direktor SANA Rheumazentrum: Das Entscheidende an so einem Netzwerk ist, wenn wir so eng zusammenarbeiten, dass wir damit natürlich die Bedürfnisse des Patienten, die Notwendigkeiten in der Diagnostik aber auch in der Therapie enorm schlanker machen können.

Sprecherin: Hat der Hausarzt einen Patienten mit Verdacht auf rheumatoide Arthritis, dann meldet er ihn im Netzwerk Adapthera an, einfach und unkompliziert per Fax an die Koordinierungsstelle im Rheumaklinikum Bad Kreuznach.

Prof. Dr. Andreas Schwarting | Ärztlicher Direktor SANA Rheumazentrum: Hier sieht man quasi deutlich: Das sind seit fünf Wochen zwei oder mehr geschwollen schmerzhafte Gelenke. Wir sehen, die Morgensteifigkeit ist weit über 30 Minuten und wir sehen im Prinzip, dass die entzündliche Aktivität Blutsenkung CRP deutlich erhöht ist. Also klassischer Fall, dass wir diesen Patienten innerhalb von zwei Wochen einen Termin beim Rheumatologen geben werden.

Ein anderer Fall hier vielleicht noch: Auch eine 60-jährige Patientin, das passt auch gut in das Altersspektrum der Erkrankung, hat im Prinzip seit sechs Monaten schon Beschwerden, hochaktives Krankheitsbild. Und hier sieht man, dass es eben manchmal doch deutlich lange dauert, bis dann tatsächlich von Beginn der Beschwerdesymptomatik über ein halbes Jahr erst der Termin beim Rheumatologen funktioniert.

Dr. Burkhardt Zwerenz | 1. Vorsitzender des Hausärzteverbands RLP e. V.: Das ist ja ein Vertrag, der praktisch keine Bürokratie in die Praxen bringt, der mit ganz wenigen Abfragekriterien dann sofort einen weitergehenden Zugang zum Spezialisten ermöglicht, wenn die Hausärztin oder der Hausarzt das für erforderlich erachten. Unter diesem Aspekt, denke ich, ist das auch ein Beispiel, wie man mit sehr wenig Bürokratie ein ganz vernünftiges System aufbauen kann.

Sprecherin: Schnelle Hilfe für Rheumapatienten, lückenlose Versorgung vom Hausarzt direkt zum Rheumatologen.

Dr. Christopher Amberger | Rheumatologe: Sie bekommen erstmal einen Fragebogen, der ist relativ ausführlich. Das dient wirklich der Erhebung Ihrer Beschwerden. Das Zweite wäre dann sicherlich, dass man das Ganze dann nochmal bespricht und abfragt, dann eine körperliche Untersuchung, möglicherweise Ultraschall oder andere bildgebende Diagnostik, gegebenenfalls auch in Verbindung mit anderen Kollegen, also Radiologen, Orthopäden, und dann sicherlich eine eingehende Labordiagnostik.

Und wenn man dann die Befunde hat, kann man entsprechend eine Diagnose meistens stellen und eine Therapie einleiten.

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18. Dezember 2018