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Neue Psychotherapie-Richtlinie

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit der Weiterentwicklung der Psychotherapie-Richtlinie beauftragt worden. Ziel war eine umfangreiche Strukturreform, um den Patienten zeitnah einen niederschwelligen Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung zu bieten und das Angebot flexibler zu gestalten. Denn die Bedeutung psychischer Erkrankungen nimmt zu. Betroffene müssen aber häufig drei Monate und länger auf einen Ersttermin bei einem Psychotherapeuten warten

Neuerungen

Psychotherapeutische Sprechstunde

Durch kürzere Wartezeiten für einen wohnortnahen Termin soll die Versorgung psychisch Kranker verbessert werden. Eine wesentliche Neuerung ist, dass Patienten künftig vor Beginn einer Behandlung in der Regel eine psychotherapeutische Sprechstunde aufsuchen müssen. Hier hat der G-BA eine Übergangsregelung beschlossen. Versicherte müssen erst ab dem 1. April 2018 in einer Sprechstunde gewesen sein, bevor sie weitere psychotherapeutische Behandlungen erhalten können. Auch gibt es hier Ausnahmen.

In der Sprechstunde klärt der Psychotherapeut ab, ob ein Verdacht auf eine psychische Krankheit vorliegt und der Patient eine Psychotherapie benötigt oder ob ihm mit anderen Unterstützungsangeboten geholfen werden kann. Der Patient soll über das für ihn beste Versorgungsangebot beraten werden.
Hierfür müssen Psychotherapeuten mit einem ganzen Praxissitz zukünftig Sprechstundentermine von in der Regel mindestens 100 Minuten pro Woche anbieten. Jeder Psychotherapeut kann allerdings selbst entscheiden, ob er die Sprechstunde offen oder mit Terminvergabe durchführt. Zusätzlich müssen psychotherapeutische Praxen persönlich oder über Praxispersonal mindestens 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein.

Vermittlung über Terminservicestellen

Künftig können Termine bei den Psychotherapeuten auch über die Terminservicestellen vermittelt werden.

Akutbehandlung

In akuten psychischen Krisen kann nun direkt nach dem ersten Gespräch eine psychotherapeutische Akutbehandlung beginnen. Möglich sind dann bis zu 24 Gesprächseinheiten zu 25 Minuten, die nicht bei der Krankenkasse beantragt werden müssen. Diese Neuerung gilt als eine wichtige Ergänzung des bisherigen Leistungsangebotes.

Nach der Sprechstunde oder der Akutbehandlung kann der weitere Weg des Patienten nach probatorischen Sitzungen in die Kurz- oder Langzeittherapie führen. In diesem Bereich wurden sowohl die Sitzungskontingente als auch das Bewilligungsverfahren angepasst. Die Antragspflicht bleibt indes bestehen.

Kurzzeittherapie

Die Kurzzeittherapie soll künftig in zwei Abschnitte zu zwölf Stunden unterteilt werden, statt wie bisher bis zu 25 Stunden am Stück. Jeder der beiden Abschnitte ist antrags-, aber nicht gutachterpflichtig. Diese Änderung wird nicht überall begrüßt und eher als Eingriff in den Behandlungsplan und als unnötiger bürokratischer Aufwand gesehen.

Langzeittherapie

An die Kurzzeittherapie soll sich, wenn nötig, die Langzeittherapie anschließen können, der dann ein Gutachterverfahren vorgeschaltet ist.

Rezidivprophylaxe

Neu ist auch die Rezidivprophylaxe. Künftig kann innerhalb von zwei Jahren eine niederfrequente Therapie zur Stabilisierung durchgeführt werden. Die dafür vorgesehenen Stunden sind Teil des Gesamtkontingentes, was auf Kritik stößt, da dies bereits schon möglich war. Eigentlich sollte ein eigener Leistungsbereich geschaffen werden, um chronisch und schwer psychisch Kranken ein flexibles Angebot nach Abschluss einer Psychotherapie zu bieten.

Gruppentherapie

Die Gruppentherapie wird gestärkt.

Endgültige Psychotherapie-Vereinbarung noch im Unterschriftenverfahren

Die neue Psychotherapie-Richtlinie wurde vom G-BA beschlossen. Sie tritt am 1. April 2017 in Kraft. Derzeit befindet sich die Psychotherapie-Vereinbarung auf Bundesebene zwischen der KBV und dem Spitzenverband der Krankenkassen im Unterschriftenverfahren. Die Höhe der Vergütung der neuen EBM-Leistungen müssen noch vom Bewertungsausschuss beschlossen werden. Sobald die Vereinbarung und die EBM-Leistungen feststehen, können Sie diese auf dieser Seite abrufen.

Materialien

Psychotherapie-Richtlinie

Änderungen

Informationsveranstaltungen der KV RLP

Die KV RLP bietet an jedem Standort für ihre Mitglieder zertifizierte Informationsveranstaltungen an. Hierbei gehen Referenten der KV RLP auf die neuen Regelungen und notwendigen neuen Formalien ein.

Termine und Online-Anmeldung

KV RLP Isaac-Fulda-Allee 14 55124 Mainz Telefon 06131 326-326 Fax 06131 326-327 E-Mail service@kv-rlp.de
26. Februar 2017