Direkt zum Inhalt

IT in der Praxis

Materialien

Allgemeine Rechtsnormen

Telematikinfrastruktur

Wichtiger Hinweis

Nachdem der Gesetzgeber den Ausstattungszeitraum für Praxen zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) durch das eHealth-Gesetz auf den Zeitraum vom 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018 festgelegt hat, wird die Ärzteschaft durch Pressemeldungen und Angebote der Industrie verunsichert. Mit Kürzung des Honorars ab 1. August 2018 um ein Prozent (zur verpflichtenden Nutzung der TI) im Hinterkopf, fragen immer mehr Praxen bei der KV um Rat.

Die Finanzierungsvereinbarung legt die höchste Pauschale für die Erstausstattung einer Praxis zur Anbindung an die TI für das 3. Quartal 2017 fest, obwohl zum jetzigen Zeitpunkt weder ein Konnektor noch ein Kartenterminal für den Wirkbetrieb zugelassen ist. Diese sollen frühestens im September zertifiziert und zugelassen sein. Praxen können sich demnach erst ab September den erforderlichen Konnektor und das Kartenterminal ordern bzw. durch ihre EDV-Betreuer installieren lassen.

Für Praxen ist zu beachten, dass für die Höhe der Pauschale nicht das Quartal der Bestellung des Konnektors, sondern das Quartal der erstmaligen Nutzung des Konnektors relevant ist. Das heißt, es gilt das Quartal, in dem in der Praxis der erste Online-Abgleich der Versichertenstammdaten erfolgt ist.

Neuer Konnektor soll Marktpreis regulieren

Zwar sinkt die Pauschale der Erstausstattung, dafür ist aber ein weiterer Konnektor in der Pipeline, der im 1. Quartal 2018 den Marktpreis regulieren sollte.

Aktuell bieten verschiedene Softwarehäuser Vorbestellungen mit Rabatten für Frühbucher an. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass die Kosten der Erstausstattung die Höhe der erstattungsfähigen Pauschale nicht überschreiten (siehe nachfolgende Tabelle). Ferner sollte eine langfristige Bindung an Serviceangebote gut überlegt sein.

Konnektoren und stationäre Kartenterminals

Quartal der erstmaligen Nutzung*

Vergütung in Euro

Anzahl der Ärzte in der Praxis (Vollzeitäquivalente)

< = 3

> 3 bis < = 6

> 6

3/2017

3.055,00

3.490,00

3.925,00

4/2017

2.793,00

3.228,00

3.663,00

1/2018

2.557,20

2.992,20

3.427,20

2/2018

2.344,98

2.779,98

3.214,98

ab 3/2018

1.155,00

1.590,00

2.025,00

*) Für die Praxen ist zu beachten, dass für die Höhe der Pauschale nicht das Quartal der Bestellung des Konnektors, sondern das Quartal der erstmaligen Nutzung des Konnektors relevant ist. Das heißt, es gilt das Quartal, in dem in der Praxis der erste Online-Abgleich der Versichertenstammdaten erfolgt ist.

Sektorenübergreifendes Netzwerk

Eine Kommunikationsplattform für alle: Die Telematikinfrastruktur (TI) soll sämtliche Akteure des deutschen Gesundheitswesens vernetzen. Das Projekt ist gigantisch. Hunderttausende Nutzer aus unterschiedlichen Bereichen werden zukünftig an das Netz angeschlossen sein und hochsensible personenbezogene Daten austauschen. Sämtliche Online-Anwendungen wie der Versand elektronischer Arztbriefe oder Telekonsile sollen künftig über die TI laufen.

Komponenten wie die Kartenterminals für die Gesundheitskarten oder die Konnektoren, die die Verbindung zwischen Praxis und sicherer Datenautobahn herstellen, müssen aufwändige Testverfahren bestehen und zugelassen werden. So entsteht ein geschütztes, sektorenübergreifendes Netzwerk. Die Nutzung ist nur nach eindeutiger Identifikation mit dem elektronischen Heilberufsausweis oder der Praxis- beziehungsweise Institutionskarte Security Module Card Typ B (SMC-B) möglich. Bis 1. Juli 2018 sollen alle Arzt- und Psychotherapeutenpraxen sowie Krankenhäuser an die TI angeschlossen sein.

Mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sind bereits jetzt alle Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen ausgestattet, derzeit wird sie jedoch nur offline genutzt. Sobald die TI zur Verfügung steht, werden auch Online-Anwendungen mit der eGK möglich sein. Als erste Anwendung hat der Gesetzgeber das sogenannte Versichertenstammdatenmanagement vorgeschrieben, die Aktualisierung der Versichertendaten wie Name und Adresse auf der eGK. Die elektronische Speicherung von Notfalldaten und des Medikationsplans auf der eGK sollen folgen.

Verantwortlich für den Aufbau, Betrieb und die Weiterentwicklung der TI ist die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte, kurz gematik. Gesellschafter der gematik sind die Spitzenverbände des deutschen Gesundheitswesens, darunter die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Bundesärztekammer, der GKV-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Apothekerverband.

Technische Ausstattung

Um die TI nutzen zu können, benötigen Praxen verschiedene Komponenten und Dienste:

Konnektor

Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor – ähnlich einem DSL-Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem Praxisverwaltungssystem per Netzwerk verbunden. Er enthält auch das notwendige Modul für das Versichertenstammdatenmanagement.

Kartenterminals
Kartenterminals, eHBA und SMC-B

Mit den Kartenterminals werden die elektronische Gesundheitskarte (eGK), der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) und die Praxis- beziehungsweise Institutionskarte Security Module Card Typ B (SMC-B) eingelesen. Nur wenn die Praxis mittels SMC-B registriert ist, kann der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen. Auch mit dem eHBA und der SMC-B sind für die Praxen Kosten verbunden.

Mobile Kartenterminals

Mobile Kartenterminals ermöglichen den Vertragsärzten, zum Beispiel bei Hausbesuchen abrechnungsrelevante Versichertenstammdaten zu lesen und zwischenzuspeichern. Für den Betrieb eines mobilen Kartenterminals wird eine SMC-B oder ein eHBA zur Identifikation benötigt.

VPN-Zugangsdienst

Für den Zugang zur TI wird ferner ein sogenannter VPN-Zugangsdienst benötigt, der von einem speziellen Dienstleister bereitgestellt wird.

Anpassung des PVS

Auch das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss angepasst werden, damit das Auslesen und gegebenenfalls Aktualisieren der Versichertendaten auf der eGK möglich sind.

Einrichtungen und Behörden

Bundesministerium für Gesundheit

Das Bundesministerium für Gesundheit informiert ebenfalls zu Themen rund um eGK.

gematik

Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik) steuert gemäß dem gesetzlichen Auftrag Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der eGK. Online stellt sie unter anderem Informationen zu den technischen Anforderungen bereit.

Rechtsnormen

Einführung und Nutzung der eGK sind gesetzlich festgelegt. Die wichtigsten Rechtsnormen:

Testregion

In Rheinland-Pfalz wird die eGK in der Region Trier getestet. Der aktuelle Stand ist im Internet einsehbar.

IT-Sicherheit und Datenschutz

Initiative "Mit Sicherheit gut behandelt"

Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt beziehungsweise Psychotherapeut und Patient ist durch die ärztliche Schweigepflicht geschützt. Allerdings nehmen die Risiken für einen vertraulichen Umgang mit den Behandlungsdaten durch den Einsatz moderner Informationstechnologien auch in den Praxen zu. Nur wer als Praxisinhaber mit dem Einsatz sicherer IT-Lösungen auf die vielfältigen Gefährdungspotentiale reagiert, kann den Anforderungen der ärztlichen Schweigepflicht gerecht werden. Die Initiative "Mit Sicherheit gut behandelt" – ein Projekt des Landesdatenschutzbeauftragten und der KV RLP – hilft Praxisinhabern bei ihrer Aufgabe, eine angemessene IT-Sicherheit und einen effektiven Datenschutz zu gewährleisten.

Hard- und Software

Praxis-EDV

Praxis-Website

Die Praxis-Website ist für die Patienten ein beliebtes Informationsinstrument. Viele Patienten informieren sich hier vorab über ihren Arzt und Psychotherapeuten. Ein eigener Internetauftritt will deshalb gut geplant sein. Damit der Start erfolgreich verläuft, ist einiges zu beachten – vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen sehr genau eingehalten werden.

Ziele

Zunächst einmal sollten Sie sich über die Gründe und Ziele Ihrer Praxis-Website klar werden. Definieren Sie auch die Zielgruppen möglichst präzise und setzen Sie dabei Prioritäten. Wer sich zudem bewusst auf wenige Themenschwerpunkte konzentriert, schafft Alleinstellungsmerkmale, die das eigene Profil zu schärfen.

Aus definierten Zielen und Alleinstellungsmerkmalen können Sie Ihre eigene Praxisphilosophie entwickeln. Eine gute Form der Darstellung im Internet ist der unterschriebene Arzt- bzw. Psychotherapeutenbrief. Hierin können Sie Ihre Überlegungen zur Praxis benennen, Praxisteam und Behandlungsschwerpunkte vorstellen oder ein prägnantes Praxismotto formulieren.

Design

Ziele, Alleinstellungsmerkmale, Praxisphilosophie: Hieraus ergeben sich bereits viele Anhaltspunkte dafür, wie Ihre Praxis-Website später aussehen wird. Setzen Sie in Ihrer Praxis zum Beispiel stark auf technische Neuerungen und modernste Behandlungsmethoden, passen kühlere Farben und ein klares Design am besten.

Sofern Sie bereits ein Praxisdesign haben, wird dieses auch im Internetauftritt fortgeführt. Unbedingt sollten Sie unterschiedliche Gestaltungsformen von Praxisdokumenten und Website vermeiden, da dies den Wiedererkennungswert Ihrer Praxis schmälert.

Umsetzung

Für die konkrete Umsetzung ist es wichtig, einen Verantwortlichen im Team zu bestimmen. Benötigte Materialien und Inhalte sollten vor dem Projektstart in guter Qualität vorhanden sein. Die Umsetzung sollte von professioneller Seite aus erfolgen.

Sofern Sie einen Auftrag an einen externen Anbieter vergeben, sollten Sie einen Vertrag abschließen, der sowohl das Design- als auch das Technikkonzept enthält. Ebenso sollte darin ein Nachbesserungsrecht vereinbart sein. Halten Sie auch ein Lieferdatum sowie Rabatte bei Fristüberschreitung fest. Der Anbieter sollte Ihnen dazu einen Festpreis und nicht etwa geschätzte Arbeitsstunden nennen.

Demonstrieren Sie von Anfang an Fachkenntnis: Vereinbaren Sie eine barrierefreie Website und eine statistische Aufzeichnung der Seitenbesuche. Arbeiten Sie an der Struktur der Menüführung mit.

Rechtliches

Das generelle Werbeverbot für Ärzte und Psychotherapeuten gilt auch für die eigene Praxis-Website. Unlauterer Wettbewerb darf erst recht nicht über den eigenen Internetauftritt betrieben werden. Bei der Realisierung sollten Sie in jedem Fall die geltenden Regeln beachten, da sonst empfindliche Bußgelder drohen.

Veröffentlichen Sie deshalb auf der Startseite Ihres Auftritts nur Informationen, die auch auf dem Praxisschild stehen dürfen. Stellen Sie außerdem auf den Unterseiten ausschließlich solche Inhalte ein, die auch in sogenannten Praxisinformationsschriften vorkommen können. Zum Pflichtprogramm Ihrer Website gehören ein Impressum sowie eine Datenschutzerklärung. Beides sollte für den Besucher Ihres Internetangebots neben einem Kontaktformular leicht zugänglich sein.

Wählen Sie außerdem den Domainnamen sorgfältig aus. Namen wie "arzt-mainz.de" oder "pfaelzer-psychotherapeutin.de" zählen laut Gesetz zum unlauteren Wettbewerb, weil sie im Hinblick auf Ihre Fachkollegen eine marktbeherrschende Stellung bzw. eine größere Fachkompetenz suggerieren. Verwenden Sie also lieber Ihren eigenen Namen. "dr-musterfrau-mainz.de" oder "psychotherapeutmustermann.de" zum Beispiel sind erlaubt.

Berufsordnung

Im Zweifel gilt immer die Berufsordnung der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz. Sicherheitshalber sollten Sie sich rechtlich beraten und Ihre neue Website vor dem Start genauestens auf die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen überprüfen lassen.

Aktualität

Ihre Praxis-Website lebt von Aktualität. Sorgen Sie deshalb in regelmäßigen Abständen für neue Inhalte. Jahreszeitabhängige Informationen etwa zu Allergien, Reisemedizin oder Impfungen helfen Ihren Patienten stets weiter und sorgen für wiederholte Besuche.

Soziale Medien

Verwandte Themen

KV RLP Isaac-Fulda-Allee 14 55124 Mainz Telefon 06131 326-326 Fax 06131 326-327 E-Mail service@kv-rlp.de
21. August 2017